Der Spielplan für die zweite Saisonhälfte steht. Am Montag stellte das Theater Ansbach ihn vor. Es gibt sechs neue Stücke, drei weiterlaufende Produktionen und einige Extras. Das Spektrum reicht von einer tragikomischen Familiengeschichte bis hin zum Schlagerabend.
Intendant Axel Krauße beginnt die zweite Hälfte mit einem preisgekrönten Monolog. In „Prima Facie“, 2019 in Sydney uraufgeführt, setzt sich die australisch-britische Autorin Suzie Miller mit dem Thema sexuelle Übergriffe auseinander: Eine knallharte Strafverteidigerin wird darin selbst zum Opfer und erlebt die Missstände eines Rechtssystems, von dem sie bisher profitiert hat. Regie führt Andrea Pinkowski. Sophie Weikert spielt die Staranwältin. Das Stück, so der Intendant, werde derzeit überall in Deutschland gespielt. Rund 50 Bühnen hat er gezählt. Premiere ist am 15. Februar im Kleinen Haus.
Im Theater hinterm Eisernen, der wegen der Brandschutzproblematik des Großen Hauses zu einer Not-Hauptspielstätte geworden ist, kommt ein Vier-Personen-Stück heraus, das Krauße selbst inszeniert: „Edward Gants Bravourstücke der Einsamkeit“. Er schätzt es wegen seines britischen Humors, der ihn an Monty Python und Konsorten erinnert. „Es ist so schräg und so seltsam, dass wir es einfach machen mussten.“
Das Stück dreht sich um eine viktorianische Theatertruppe, die 1881 ihr Publikum mit Einsamkeit und Seelenpein unterhalten will und dazu allerlei absonderliche Geschichten auftischt. Was Krauße, der Ende Juni Ansbach verlässt, besonders reizt: „Am Ende des Stücks geht es um die Frage: Was kann Theater, welchen Wert hat Theater?“ Premiere ist am 22. Februar.
Robert Arnold inszeniert in der Friedenskirche ein Stück der diesjährigen Kleist-Preisträgerin Sasha Marianna Salzmann: „Muttersprache Mameloschn“. Das Stück, 2012 uraufgeführt, sei aktueller denn je, so Krauße und unfassbar gut geschrieben. „Es ist die Geschichte dreier jüdischer Frauen einer Familie, Großmutter, Mutter und Enkelin, und deren Leben in Deutschland, und zwar in beiden Teilen Deutschlands, nach der Shoa.“ Ein sehr wichtiges Stück in Zeiten wachsenden Antisemitismus, so Krauße. „Deswegen machen wir es.“ Premiere ist am 4. April.
Hinterm Eisernen kommt ein Schlager-Liederabend für Reisende und Wartende heraus, den Robert Arnold, Axel Krauße und Katja Schumann entwickeln. Die Nürnberger Swing-Pianistin Hildegard Pohl hat die Leitung übernommen. Premiere ist am 25. April.
Ingrun Aran schickt in ihrer absurd komischen Tragödie „Familiy Affairs“ Vater, Mutter und die erwachsene Tochter auf einen Sonntagsausflug. Die Autofahrt wird zu einem Road-Trip in die Familienvergangenheit und deren dunklen Geheimnissen. Regie führt Frank Siebenschuh. Premiere ist am 24. Mai.
Natascha Lifka und Katja Schumann bringen mit dem Jungen Ensemble Ansbach und dem Stadtensemble „100 Songs“ von Roland Schimmelpfennig auf die Bühne hinterm Eisernen. In dem Stück beleuchtet er die Lebensgeschichten von Reisenden, kurz bevor ihr Zug explodiert. Premiere ist am 28. Juni.
Weiter im Programm sind der Heine-Abend „Deutschland. Ein Wintermärchen“, die Steuer-Tragikomödie „Der Fiskus“, der Monolog „Der Trinker“ und das Gaststätten-Stück „Chaim und Adolf“, das derzeit sehr nachgefragt ist.
Programm-Extras sind eine Kooperation mit der neuen Theatergruppe Plan B, die aus der Theatergruppe Lila entstanden ist, eine Lesung zum 80. Todestag des Widerstandskämpfers Robert Limpert und eine Produktion mit den Rokokofestspielen.
Fest stehen nun auch die Premierentermine für zwei Eigenproduktionen der Ansbacher Puppenspiele: am 31. Mai die Ernst-Jandl-Hommage „ottos mops“ als Stationenstück in der Ansbacher Innenstadt für Kinder und Erwachsene und am 5. Juli „Hey, hey, hey Taxi“ im Kleinen Haus.
Für Intendant Axel Krauße war es die letzte Spielzeitpräsentation in Ansbach, für Heribert Schmidt, den Vorstandsvorsitzenden der Theater-Genossenschaft ebenso. Wie der Spielplan für die Saison 2025/2026 entsteht, ist derzeit offen. Beide raten ab, die Intendanzstelle auszuschreiben, solange nicht geklärt ist, wie die Zukunft des Ansbacher Theaters aussieht.