Neun neue Mitglieder hat der Stadtrat von Leutershausen. Sie wurden nun in der konstituierenden Sitzung vereidigt. Bei der Gelegenheit wurden auch ein neuer Stellvertreter und eine neue Stellvertreterin für Bürgermeister Markus Liebich gewählt. Und die größte Fraktion im Gremium ging dabei leer aus.
Fast vier Stunden brauchte das Gremium, um die Tagesordnung des öffentlichen Teils abzuarbeiten. Und das, obwohl ein so wichtiges Thema wie die Geschäftsordnung nur kurz angeschnitten und dann in die Fraktionen verwiesen wurde.
Die Situation in Leutershausen ist einigermaßen vertrackt. Bei der Wahl am 8. März holte die Liste CSU/Freie Wähler acht Sitze, Bürgerforum/SPD sieben, Grüne/ALL drei und die AfD zwei. Doch nach der Wahl entschieden sich Thomas Härpfer, Matthias Wachmeier und Rainer Heidingsfelder, dass sie doch nicht Teil von CSU/FW sein und sich als eigene Fraktion Freie Wähler abspalten wollen.
Bürgermeister Liebich führte aus, dass die Stadt Leutershausen die Trennung rechtlich geprüft habe und auch die Rechtsaufsicht am Landratsamt eingeschaltet worden sei. Das Ergebnis: Grundsätzlich ist eine eigene Fraktion Freie Wähler möglich. Aber es müssen noch Dinge geklärt werden. Deshalb bleibt es vorerst bei der Gruppe CSU/FW. Und die ist eben die größte im Stadtrat.
Bei der Wahl von Stellvertretenden des Bürgermeisters nutzte das dem Block aber nichts. Zweiter Bürgermeister ist Michael Zimmermann (Bürgerforum/SPD). Er setzte sich in geheimer Wahl gegen Stefanie Nejedlo (CSU/Freie Wähler) mit zwölf zu neun Stimmen durch. Für die weitere Stellvertretung gab es nur einen einzigen Vorschlag: Georgia Horndasch-Shaw (Grüne/ALL). Sie erhielt 17 der 21 möglichen Stimmen.
Es ist üblich, dass diese Wahlen vorbesprochen werden. In vielen Kommunen kommt beim Stellvertreter die größte Fraktion zum Zug. Vor allem dann, wenn sie nicht den Bürgermeister stellt. Eine Vorgabe hierfür gibt es aber nicht. Wichtig ist natürlich ein Vertrauensverhältnis, denn der oder die Vize muss ja im Urlaub des Bürgermeisters die Geschäfte fortführen.
Zimmermann bedankte sich für den Rückhalt und sicherte zu, „zum Wohle unserer Stadt und ihrer schönen Ortsteile“ zu handeln. Er freue sich auf eine gute Zusammenarbeit. Ähnlich äußerte sich Horndasch-Shaw. Sie wolle speziell jenen vier Stadtratsmitgliedern, die ihren Stimmzettel ungültig gemacht haben, zeigen, dass sie eine „verlässliche, geradlinige Wegbegleiterin“ ist. „Ich hoffe, dass wir das Vertrauen, von dem in den letzten Wochen einiges verloren gegangen ist, wiederherstellen können.“ Da ging ein Raunen durch den mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern besetzten Sitzungssaal.
Gegen die Stimme von Dr. Bastian Wojek (Bürgerforum/SPD) sprach sich das Gremium dafür aus, drei weitere Stellvertretende zu bestimmen. Die Wahlgänge wurden alle geheim durchgeführt. Jedes Mitglied musste zur Stimmabgabe in eine der beiden Wahlkabinen verschwinden, einen Namen ankreuzen und den Stimmzettel einwerfen. Und es war jeweils eine absolute Mehrheit erforderlich. Deshalb kam es auch zu mehreren Stichwahlen. Gut zweieinhalb Stunden sollte es dauern, bis allein dieser Tagesordnungspunkt abgehakt war.
Schon beim ersten weiteren Stellvertreter reichte es im ersten Wahlgang nicht zur absoluten Mehrheit. Vorgeschlagen waren Georg Braun (CSU/FW), Rainer Heidingsfelder (CSU/FW) und Christian Gögelein (AfD). Sie erhielten acht, neun und zwei Stimmen. Deshalb kam es zur Stichwahl zwischen Braun und Heidingsfelder. Georg Braun setzte sich mit elf Stimmen gegen Rainer Heidingsfelder mit neun Stimmen durch.
Für den Stellvertreterposten Nr. 5 schlugen die AfD Simon Kechelen und die Grünen/ALL Harald Domscheit vor. Domscheit setzte sich mit zwölf Stimmen durch. Kechelen erhielt vier Stimmen. Die übrigen Zettel waren ungültig.
Für die sechste Stellvertretung standen wieder drei Namen zur Wahl: Rainer Heidingsfelder (CSU/FW), Holger Krauß (CSU/FW) und Beate Boch (Bürgerforum/SPD). Heidingsfelder kam auf vier Stimmen, eine war ungültig. Beate Boch (zehn Stimmen) und Holger Krauß (sechs) gingen in die Stichwahl. Am Ende setzte sich Boch mit 13 Stimmen durch, Krauß erhielt sieben Stimmen, eine war ungültig.
Deutlich schneller ging die Vereidigung der neun Neuen im Stadtrat über die Bühne. Dies sind (in alphabetischer Reihenfolge): Katja Aumann (Bürgerforum/SPD), Christian Gögelein (AfD), Manfred Gruber (Bürgerforum/SPD), Holger Krauß (CSU/FW), Marc Kleinemeier (Bürgerforum/SPD), Philip Nehr (Bürgerforum/SPD), Alexander Schuler (CSU/FW), Simon Kechelen (AfD) und Wolfgang Riess (Grüne/ALL).
Liebich gab dem gesamten Gremium ein paar Anregungen und Wünsche für die kommenden sechs Jahre mit auf den Weg. Er forderte zu gegenseitiger Anerkennung und zu einem respektvollen Umgang miteinander auf. Die Verwaltung sei dabei als „verlässlicher Partner“ zu sehen, wie Liebich ausdrücklich betonte.
Man sei gemeinsam aufgebrochen, „mit dem Ziel, Leutershausen verlässlich weiterzuentwickeln“. Die Stadt stehe vor „wichtigen Aufgaben und Herausforderungen“, wie der Bürgermeister deutlich machte. Die Zeiten seien finanziell herausfordernd.