Stadtrat Windsbach: Bedenken gegen Trinkwasserversorger im Landkreis Ansbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.12.2025 20:23

Stadtrat Windsbach: Bedenken gegen Trinkwasserversorger im Landkreis Ansbach

Wenn es nach dem Windsbacher Stadtrat geht, würde die Reckenberg-Gruppe weniger Trinkwasser in andere Gebiete verkaufen.  (Symbolbild: Ute Niephaus)
Wenn es nach dem Windsbacher Stadtrat geht, würde die Reckenberg-Gruppe weniger Trinkwasser in andere Gebiete verkaufen. (Symbolbild: Ute Niephaus)
Wenn es nach dem Windsbacher Stadtrat geht, würde die Reckenberg-Gruppe weniger Trinkwasser in andere Gebiete verkaufen. (Symbolbild: Ute Niephaus)

Für die Trinkwasserversorgung im Landkreis Ansbach entnimmt die Reckenberg-Gruppe seit Jahrzehnten Wasser aus Brunnen im Stadtteil Untereschenbach. Die jüngsten Pläne des Wasserversorgers kommen beim Windsbacher Stadtrat aber nicht gut an: Das Gremium meldet Bedenken wegen der Absenkung des minimalen Grundwasserpegels an.

In Untereschenbach sind künftig insgesamt fünf Brunnen in Betrieb, aus denen Tiefengrundwasser nach oben gepumpt wird. Ein Grenzwert legt fest, wie hoch der Wasserstand im Boden mindestens sein muss. Dieses Minimum will die Reckenberg-Gruppe nun um 2,12 Meter reduzieren. Die Stadt Windsbach wehrt sich dagegen. Zu groß ist die Sorge, dass dadurch der Boden zu trocken wird und Häuser sich absenken. Das könnte Risse im Mauerwerk verursachen.

Wasserknappheit nimmt zu

Eine zunehmende Wasserknappheit herrscht mittlerweile im gesamten Land. Der Klimawandel, aber auch die Industrie tragen maßgeblich dazu bei. Dürreperioden werden immer mehr, regnerische Tage weniger, der Trinkwasserbedarf steigt. Die Folge: Es kann nicht so viel Wasser nachgebildet werden, wie verbraucht wird. Daher rührt die Skepsis der Windsbacher Stadträtinnen und Stadträte.

Sie fürchten Einschränkungen bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. „Wir wollen kein Risiko eingehen”, rechtfertigte sich Christof Lautner von der Reckenberg-Gruppe in der Stadtratssitzung. Das Unternehmen würde deshalb rein vorsorglich mit mehreren Messstellen Monitoring in Untereschenbach betreiben, um bei Bedarf sofort wieder gegensteuern zu können.

In Untereschenbach trifft es einen großen Bereich, in dem ein Setzungsrisiko nicht oder nicht völlig ausgeschlossen werden kann, sagte Tanja Mayer, die Geschäftsleiterin der Stadt Windsbach. Der kritische Bereich ziehe sich am Erlbach vorbei, erklärte Lautner.

Neue Wasserschutzgebiete würden Maßnahmen um die Kläranlage erschweren

In diesem Zusammenhang würden zudem die Wasserschutzgebiete neu festgelegt. Das könnte zukünftige Maßnahmen – etwa rund um die Kläranlage – der Stadt behindern, fürchtet die Verwaltung. Die Landwirte in diesem Gebiet müssen bereits jetzt Einschränkungen hinnehmen.

„Wir sind an einem Punkt angelangt, zu sagen, dass das Entnahmegebiet Untereschenbach überproportional belastet wird”, sagte Mayer in der Sitzung. In Untereschenbach dürfen bis zu 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr entnommen werden. Mit dem neuen Flachbrunnen soll die Menge an entnommenem Wasser nicht erhöht werden, sagte Mayer. Sie „bleibt ziemlich gleich”. Lautner sicherte in der Sitzung zu, dass nicht mehr entommen werden soll.

Jedoch: Der Brunnen wird als Ersatz für einen Tiefbrunnen in Beerbach (Landkreis Roth) gebaut. Dieser darf künftig nicht mehr so tief liegen. Und nach dem Rückbau kann in Beerbach nicht mehr so viel Wasser entnommen werden wie bislang, weshalb Untereschenbach das eventuell ausgleichen muss, sagte Lautner im Nachgang auf FLZ-Nachfrage.

Zu große Mengen überregional verkauft

Der zusätzliche Brunnen ist in den Augen der Stadt Windsbach eigentlich nicht das Problem. „Und dann ist uns aufgefallen, als wir das Ganze durchgearbeitet haben, dass nicht nur das Wasser für die Verbandsgemeinden entnommen wird”, sagte Geschäftsleiterin Mayer in ihren Erläuterungen. Zwar bestünde eine Verpflichtung zum Weiterverkauf, doch die Menge sei relativ hoch, findet die Stadt.

„Das Wasser, das wir fördern, ist schon überwiegend für unsere Mitgliedsgemeinden und unsere Bürgerinnen und Bürger da”, widerspricht Lautner. Die Stadt Windsbach regt nun an, das Wasser zukünftig mehr im Verbreitungsgebiet zu verteilen. Die Versorgung in der Region soll langfristig gesehen besser sichergestellt werden.

Erlaubnis zur Wasserentnahme wird verlängert

Am 31. Dezember läuft die derzeitige Erlaubnis zur Wasserentnahme der Reckenberg-Gruppe aus, sie wird wieder verlängert. Bislang war diese beschränkt, dabei wird es die nächsten Jahre auch bleiben. Für eine langfristige Bewilligung sind noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt.

„Wir sind froh, dass wir so einen Wasserversorger haben”, sagte Bürgermeister Matthias Seitz. „Aber, ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass wir an der Stelle mal ein Zeichen setzen. Wir winken nicht alles nur durch.” Die Stadt Windsbach leitet ihre Bedenken an das für die Wasserentnahme-Genehmigung zuständige Landratsamt in Roth weiter.


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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