Städtepartnerschaft mit Lipik: Sie sind für Neustadt dem kroatischen Kurort treu | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.01.2026 08:30

Städtepartnerschaft mit Lipik: Sie sind für Neustadt dem kroatischen Kurort treu

Ruth und Walter Billmann haben Unmengen an Material gesammelt, das die jahrzehntelange Beziehung zur Stadt Lipik dokumentiert. Das Ehepaar war von Anfang an dabei (Foto: Ute Niephaus )
Ruth und Walter Billmann haben Unmengen an Material gesammelt, das die jahrzehntelange Beziehung zur Stadt Lipik dokumentiert. Das Ehepaar war von Anfang an dabei (Foto: Ute Niephaus )
Ruth und Walter Billmann haben Unmengen an Material gesammelt, das die jahrzehntelange Beziehung zur Stadt Lipik dokumentiert. Das Ehepaar war von Anfang an dabei (Foto: Ute Niephaus )

Knapp 40 Jahre bestehen zwischen den Städten Lipik in Kroatien und Neustadt freundschaftliche Kontakte, gab es viele Besuche und Treffen. Die Beziehungen wuchsen und auch der Wunsch nach einer Städtepartnerschaft. Diese wurde 1998, vor 28 Jahren also, besiegelt. Von Anfang an dabei sind Ruth und Walter Billmann.

Sie gehörten zu den Gründern des Miteinanders, sie trugen mit dazu bei, das Fundament für die heutige Partnerschaft zu legen. Ruth Billmann übernahm nach der Bildung des Lipik-Komitees prompt die Aufgabe der Vorsitzenden und hat dieses Amt bis heute inne. Nun jedoch will sie in der Jahresversammlung die Arbeit in jüngere Hände legen.

Zahlreiche Besuche von Schulklassen

Gegenüber der Redaktion erinnern sich die 74-Jährige und ihr 75 Jahre alter Mann, beide über viele Jahrzehnte auch im Neustädter Stadtrat aktiv, gern an die Besuche von Schulklassen, Vereinen und Organisationen in Lipik zurück. Die dortigen Thermen, so schwärmt Walter Billmann, seien seit der Römerzeit bekannt. Auch heute noch sei der Ort ein Kur- und Heilbad.

Mit Schülerinnen und Schülern des Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasiums war Walter Billmann schon vor den 90er Jahren nach Lipik gefahren, weitere Gruppen folgten. Der Wunsch nach einer offiziellen Partnerschaft reifte heran. Die damalige politische Führung in Pakrac, der Kreisstadt, zu der Lipik verwaltungsmäßig gehörte, sei jedoch, so Billmannn, mehr an wirtschaftlichen Interessen gelegen gewesen. Sie wollte ihren Kurort in Deutschland vermarkten.

Neustadt hingegen habe mehr eine freundschaftlich-partnerschaftliche Beziehung im Blick gehabt. „Der schreckliche Krieg auf dem Balkan, der 1990 in Pakrac und Lipik mit militanten Auseinandersetzungen begonnen hat, hat den Partnerschaftsbestrebungen erst einmal ein jähes Ende beschert“, erinnert sich Walter Billmann an diese dunklen Jahre.

Hilfstransporte organisiert

Doch dessen ungeachtet entschlossen sich angesichts des Elends und der Not der Menschen in Lipik etliche Neustädterinnen und Neustädter zu helfen. „Wir wollten die Menschen im Kriegsgebiet, unsere neu gewonnenen Freunde, nicht alleine lassen.“ Billmann begleitete selbst Hilfstransporte mit gespendeten Waren ins Kriegsgebiet.

1992 wurde das Komitee zur Hilfe für Lipik, eine offene Organisation unter Federführung der Stadt Neustadt gegründet. Rund 20 Hilfstransporte brachten große Mengen Medikamente, warme Kleider, Lebensmittel, Schulbedarf und vieles mehr, das dringend gebraucht wurde, in die kleine kroatische Stadt.

Nachdem die kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1997 in Kroatien ein Ende hatten, ging man dazu über, die Beziehungen der beiden Städte zu einer offiziellen Partnerschaft werden zu lassen – die Neustädter humanitäre Hilfe während des Krieges hatte man in Lipik nicht vergessen. Im Herbst 1998 unterzeichneten der damalige Neustädter Bürgermeister Dr. Wolfgang Mück sowie Stjepan Horvat aus Lipik die Partnerschaftsurkunde im Neustädter Rathaus. Schon ein Jahr zuvor war das Hilfskomitee bereits in den Verein „Lipik-Komitee“ umgewandelt worden

Heimatfest und Kirchweih als Anlässe

Es folgten viele gegenseitige Besuche. Im Jahr 2000 kamen kroatische Gäste erstmals zum Neustädter Heimatfest und seit dieser Zeit gab es regelmäßige Treffen. Oft reisten die Gäste auch zur Neustädter Kirchweih an. Gruppen aus Neustadt machten sich zum Gegenbesuch auf den Weg.

Zu Coronazeiten es es dann naturgemäß etwas weniger geworden, erzählen Ruth und Walter Billmann. Im Mai 2025 jedoch reiste zuletzt wieder eine Neustädter Gruppe in die Partnergemeinde und genoss den Besuch. Das aber dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, so die Billmanns, dass das Interesse und der Zuspruch für die Partnerschaft in den vergangenen Jahren beiderseits leider etwas abgeflaut sei. Aber: „Wir möchten es weiter vertiefen.“ Schließlich stehe Bürgermeister Klaus Meier seit jeher hinter der Partnerschaft, ebenso sein Kollege aus Lipik. Die Billmanns hoffen sehr, dass auch Meiers Nachfolger seine oder ihre Unterstützung bekundet.

Schließlich, so sagen beide Billmanns, sei Lipik immer eine Reise wert und klingen so begeistert, dass der kroatische Fremdenverkehrsverband seine helle Freude an ihnen hätte. Gern denken sie beispielsweise an die Musikveranstaltungen in beiden Städten und die Ausstellungen von Künstlern in der Galerie in der Sparkasse zurück. Dieses gute Miteinander, der Austausch, soll weitergehen – im Lipik-Komitee aber nun unter neuem Vorsitz.

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