Bis alle Ergebnisse aus den acht Wahlbezirken am Sonntag kurz nach 19 Uhr feststanden, ist der Wettbewerb um den Chefsessel in Lichtenaus Rathaus spannend geblieben.
Phasenweise lieferten sich amtierender Bürgermeister Markus Nehmer (SPD) und Florian Szaefer (CSU) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Derweil hatte Manfred Eschenbacher (Bündnis 90/Die Grünen) schon frühzeitig die Nase vorn.
Als schließlich der letzte Briefwahlbezirk ausgezählt war, stand fest: Eschenbacher und Szaefer treten bei der Stichwahl am Sonntag, 22. März, erneut gegeneinander an. Hatten 768 der insgesamt 3072 Wahlberechtigten für den Bündnisgrünen (35,7 Prozent) und 725 für den Christsozialen (33,7 Prozent) votiert, ist der Sozialdemokrat und bisherige Rathauschef mit nur 660 Stimmen (30,7 Prozent) jetzt aus dem Rennen. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,0 Prozent, wobei 29 Stimmzettel ungültig waren.
Hatte Markus Nehmer die Auszählung im Kreis seiner Familie in seinem (Noch-)Amtszimmer verfolgt, so feierten die beiden Mitbewerber ihre Erfolge mit Unterstützerinnen und Unterstützern in einer unweit des Rathauses gelegenen Gaststätte – dies jedoch in getrennten Räumen.
Mit Blick auf das Ergebnis berichtete Eschenbacher im FLZ-Gespräch, im Ort sei seit einiger Zeit eine „Wechselstimmung zu spüren gewesen“. Dass sich etwas ändern könne, habe bereits „der große Zuspruch“ bei seinen Wahlversammlungen gezeigt, sagte der 59-Jährige, der bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand bei der Telekom gearbeitet hat. Und: „Die Leute sind unheimlich interessiert.“
Weiter meinte der Bündnisgrüne, der Markt Lichtenau habe in den zurückliegenden Jahren – auch schon vor Markus Nehmers Amtszeit – unter anderem hinsichtlich der Infrastruktur viel verloren: „Es fehlen Impulse und Neuerungen“ sowie „das Gefühl, dass etwas vorangeht“. In diesem Sinn wäre auch ein „Blick über den Tellerrand“ nötig.
Weiter betonte Eschenbacher, der seit sechs Jahren in Lichtenaus Gemeinderat mitarbeitet, als alteingesessener Herpersdorfer kenne er auch die Sicht der Ortsteilbewohner. Zugleich betonte er, die im Ratsgremium „bodenständig“ arbeitenden Grünen hätten schon einiges erreicht. Als Beispiele nannte er Möglichkeiten für eine bessere Finanzierung des defizitären Freibads. Dank eines ehrenamtlichen Fördervereins, an dessen Spitze er stehe, lasse sich nun ein fünfstelliger Betrag sparen. Ebenso habe er sich erfolgreich für das „Supermarkt-Projekt“ eingebracht. „Es fehlt nur noch der Mietvertrag.“
Als „sehr gut“ würdigte Florian Szaefer sein Wahlergebnis: „Wir sagten, dass wir in die Stichwahl wollen.“ Dieses „Zwischenziel“ sei erreicht, freute sich der 34-Jährige beim Pressegespräch.
Vor allem wegen seines „neutralen Blicks von außen“ habe ihn Lichtenaus CSU-Ortsverband zur Kandidatur „gerufen“, erzählte Szaefer, der aus Herriedens Ortsteil Neunstetten stammt. Und um sich diesen Blick zu erhalten, werde er im Fall einer gewonnenen Stichwahl seinen Wohnsitz dort auch bis auf weiteres behalten.
Als ein aus seiner Sicht wichtiges Thema für Lichtenau nannte der Regierungsoberinspektor, der aktuell beim Landesamt für Finanzen arbeitet, die „Konsolidierung der finanziellen Schlagkraft“ der Kommune. Dabei gelte es, deren Attraktivität zu verbessern, damit sich hier weitere Unternehmen ansiedeln und Ärzte niederlassen.
Ebenso lege er Wert auf die Würdigung der ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger. „Gerade in den Dörfern wird da viel gemacht, was der Gemeinde Geld spart.“ Auch deshalb wolle er den Engagierten mit der Wiederbelebung des Ehrenamtsabends danken und sie weiterhin motivieren.
Wenngleich er sich zumindest den Einzug in die Stichwahl gewünscht hätte, sei er „nicht enttäuscht“, erklärte Markus Nehmer unmittelbar nach Bekanntwerden seines Scheiterns. „Der Wählerwille zählt.“ Gleichwohl sei es „schade“, das Ziel nicht erreicht zu haben, räumte der 43-Jährige ein. Denn: „Das Amt des Bürgermeisters ist mein Traumjob, die Berufung war eine Erfüllung und ich habe mit Herzblut gearbeitet“, so der Sozialdemokrat, der sich nun künftig als Mitglied des Gemeinderats für seinen Heimatort Lichtenau sowie – möglicherweise – im Kreistag des Landkreises Ansbach engagieren wird.
Auf seine berufliche Zukunft nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt angesprochen, wollte sich Nehmer, der vor seiner Wahl auf Führungspositionen im Pflegebereich tätig gewesen war, noch nicht festlegen: „Ich habe keinen Plan B.“