Das Wörnitztor der Dinkelsbühler Altstadt ist nicht nur ein von Passanten und Fahrzeugen stark frequentierter Bereich, sondern auch bei Störchen als Nistplatz sehr beliebt. Damit das Geschehen in der Höhe nicht zu Problemen am Boden führt, hat der Bauhof jetzt mehrere Nester vom Dach entfernt.
Mit einem großen Hubsteiger, der extra für diesen Zweck angemietet wurde, ließen sich zwei städtische Mitarbeiter am Dienstagmorgen von einem Vertreter der Verleihfirma in über 30 Meter Höhe zum Dach des Turmes hieven.
Insgesamt drei Horste hat das Bauhofteam beseitigt, berichtete Bauamtsmitarbeiter Andreas Ganßer vor Ort. Jeweils einen hatten die Vögel an den zwei Giebelspitzen errichtet, einen weiteren auf der Dachfläche. Das von den Arbeitern entfernte Geäst wurde auf der Ladefläche eines Pritschenwagens abtransportiert.
Wie Ganßer weiter mitteilte, waren auf dem Dach des Wörnitztores zum Schutz der Weihnachtsbeleuchtung bereits Verdrahtungen angebracht worden. Diese hielten die Störche aber nicht ab. Vielmehr nutzten die Tiere die Konstruktion bei ihrer Bautätigkeit als statisches Grundgerüst.
Die Vergrämungsmaßnahme habe nicht die gewünschte Wirkung gehabt, ergänzte Daniel Voigt-Melzer vom Bauamt. Er wies zudem auf das hohe Gewicht solcher Nester hin. Zum Schutz von Fußgängern und Autos, die von herabfallendem Material getroffen werden könnten, habe man daher in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde der Regierung beschlossen, die Nistplätze zu entfernen.
Schon seit einigen Jahren macht der Nistplatz Probleme, teilte die Pressestelle des Rathauses mit. Ein Nest könne dabei ein Gewicht von mehreren hundert Kilogramm erreichen. Bei der Abstimmung mit der Regierung wurde laut Stadtverwaltung festgelegt, dass die Störche künftig jedes Jahr im Frühjahr aufs Neue bauen dürfen. Im Herbst sollen die Horste dann wieder vom Dach genommen werden.
Wie es in der Mitteilung aus dem Rathaus weiter heißt, habe der herabfallende Kot der Tiere die Weihnachtsbeleuchtung „verätzt“. Sie müsse nun bereits zum dritten Mal repariert werden. Die Instandsetzung wurde am Dienstag erledigt; außerdem nutzte auch noch ein Spenglerbetrieb den großen Hubsteiger. Die Firma brachte über der Weihnachtsbeleuchtung zum Schutz Bleche an. Die Arbeiten am Tor dauerten am Dienstag bis in die Nachmittagsstunden.
Da Störche in Deutschland geschützt sind, ist laut Stadtverwaltung für ein Entfernen von Nistplätzen aus baulichen oder sicherheitsrelevanten Gründen in der Regel eine behördliche Genehmigung erforderlich. Beseitigt werden dürfen Horste erst ab dem 1. Oktober. Die Fluss- und Auenlagen sowie Wiesen und Felder im Umfeld der Stadt machten Dinkelsbühl zu einem attraktiven Lebensraum für die großen Vögel. Die vielen Storchenhorste zeigten, dass die Stadt ausreichend Rückzugsräume für Tiere biete, ist die Verwaltung überzeugt.