Deutschland hat sein Klimaziel nach einer aktuellen Studie im vergangenen Jahr eingehalten – allerdings ist der Ausstoß an Treibhausgasen weniger stark gesunken als noch 2024. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung der Denkfabrik Agora Energiewende, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. „Deutschland verliert Tempo beim Klimaschutz“, sagte Direktorin Julia Bläsius.
Damit seien die Klimaziele für das Jahr 2030 in Gefahr, warnt Agora Energiewende. Bis dahin soll der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken. Um dieses Ziel einzuhalten, müssten ab diesem Jahr im Durchschnitt 36 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, viermal so viel wie im vergangenen Jahr, rechnet die Denkfabrik vor.
Der Untersuchung zufolge hat Deutschland im vergangenen Jahr 640 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Zur besseren Vergleichbarkeit werden andere Treibhausgase in Kohlendioxid (CO2) umgerechnet. Damit sind die Emissionen 1,5 Prozent niedriger als 2024 und 49 Prozent niedriger als 1990. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder gespeichert werden können.
Nicht in allen Bereichen sind Daten bereits für das gesamte Jahr 2025 verfügbar. Zum Teil greift Agora Energiewende deshalb auf Hochrechnungen zurück.
Wie schon in den Vorjahren sei die schlechte Wirtschaftslage maßgeblich mitverantwortlich für den geringeren CO2-Ausstoß, stellen die Experten fest. Insbesondere energieintensive Industrien produzieren weniger, die exportorientierte deutsche Wirtschaft leider unter der Handelspolitik der USA und Chinas.
Positiv machte sich der Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um etwa zwei Prozent bemerkbar, der wesentlich auf das Konto der Solarenergie ging. Hier wurde laut Agora im vergleichsweise sonnigen Jahr 2025 eine Rekordmenge an Strom erzeugt, und es entstanden neue Kapazitäten mit einer Leistung von 17,5 Gigawatt (GW). Photovoltaik war damit erstmals die zweitwichtigste Stromquelle, vor Gas und Kohle.
Am meisten Strom wurde der Untersuchung zufolge aus Windkraftanlagen gewonnen, trotz eines relativ windstillen Jahresbeginns. Es entstanden an Land zusätzliche Kapazitäten von 4,5 GW, nach Abzug alter Anlagen, die vom Netz gingen oder durch leistungsstärkere ersetzt wurden. Genehmigungen für weitere 17,9 GW wurden erteilt. Bis dieser Strom ans Netz geht, dauert es ungefähr zwei Jahre.
„Verkürzte Genehmigungsverfahren und deutlich mehr ausgewiesene Flächen trugen maßgeblich zu dieser Beschleunigung bei“, schreibt Agora. Bei der Offshore-Windenergie (Windparks in Gewässern) gebe es dagegen wenig Zuwachs. Bläsius erklärt: „Auch wenn die erneuerbaren Energien wie erwartet weiter zulegen, wird das auf Dauer nicht die Rückstände bei Verkehr und Gebäuden ausgleichen können.“
Denn wie in den Vorjahren ging es 2025 mit dem Klimaschutz im Gebäude- und Verkehrsbereich kaum voran. Der CO2-Ausstoß sei in beiden Bereichen gestiegen, so die Fachleute. Wegen eines kalten Jahresbeginns sei mehr Öl und Gas zum Heizen verbraucht worden, die Emissionen stiegen um 3 Millionen Tonnen CO2 beziehungsweise 1,4 Prozent im Vergleich zu 2024.
Die europäisch festgelegten Klimaschutzvorgaben würde Deutschland nach diesen ersten Berechnungen um rund 30 Millionen Tonnen CO2 verfehlen. Wenn es so weitergehe, müsse die Bundesregierung bis 2030 zusätzliche Rechte zum CO2-Ausstoß in Höhe von bis zu 34 Milliarden Euro von anderen Staaten kaufen, schreiben die Fachleute.
Der Absatz klimafreundlicherer Wärmepumpen und Elektroautos zieht an, allerdings laut Agora nicht ausreichend zur Erreichung der Klimaziele. So seien im vergangenen Jahr mit rund 300.000 Stück erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft worden, der Anteil elektrischer Pkw an den Neuzulassungen sei auf knapp ein Fünftel gestiegen. Dabei bremsten aber hohe Investitionskosten. Je kleiner ein Auto sei, desto eher sei ein Verbrenner die günstigere Wahl, erklärt die Denkfabrik.
Derzeit wird der private Kauf von Elektroautos nicht gefördert, die schwarz-rote Bundesregierung will das ändern und arbeitet an neuen Regelungen. Diskutiert wird auch über eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes und die Förderung für den allmählichen Austausch alter Gas- und Ölheizungen.
Das Gesetz sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Die CDU strebt eine Änderung der 65-Prozent-Vorgabe an. Die SPD will daran festhalten.
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