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Veröffentlicht am 28.08.2026 05:12, aktualisiert am 28.08.2026 14:06

Sturzflut im Himalaya: Mehr als 500 Tote, Deutsche gerettet

Die Sturzflut hat entlang eines Flusslaufs schwere Schäden angerichtet.  (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)
Die Sturzflut hat entlang eines Flusslaufs schwere Schäden angerichtet. (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)
Die Sturzflut hat entlang eines Flusslaufs schwere Schäden angerichtet. (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)

Eine deutsche Familie wird im Katastrophengebiet im Himalaya gerettet, gleichzeitig ist die Zahl der Toten an Tag zwei nach der verheerenden Sturzflut auf mehr als 500 Menschen gestiegen. Vermisst werden in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal weiterhin mehr als 1.400 Personen, darunter auch Hunderte ausländische Touristen. Die Gefahr für Menschen und Rettungskräfte bleibt extrem hoch. In Nepal stieg die Zahl der Toten am Freitag auf 538. Auf chinesischer Seite in Tibet wurden zuletzt fünf Tote gemeldet. Chinas Ministerpräsident Li Qiang, den Staatschef Xi Jinping ins Krisengebiet geschickt hatte, sprach von „vielen Todesopfern“, wie die Staatsnachrichtenagentur Xinhua schrieb. 

Deutsche Familie gerettet

Derweil konnte eine vierköpfige deutsche Familie von der Armee in Nepal in Sicherheit gebracht werden. Sie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Seine Familie sei nach einer Trekking-Tour im Ort Trishuli Bazar gewesen, als die Flut sie überraschte, erzählte der Vater Manuel Münch im Armeecamp. „Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben“, sagte der 37-Jährige. Später habe ein Armeehubschreiber sie auf die andere Seite des Flusses gebracht. Die Familie aus dem Berchtesgadener Land wollte so bald wie möglich in die Hauptstadt Kathmandu weiterreisen.

Münch ist mit einer Nepalesin verheiratet, und die Familie besucht das Himalaya-Land regelmäßig. Dieses Mal wollte das Paar mit seinen beiden Kindern unter anderem Verwandte besuchen und eine kleine Trekking-Tour in Langtang machen. 

Nach der Sturzflut am Mittwoch war nach mehreren Deutschen in Nepal gesucht worden. In Berlin erklärte das Auswärtige Amt am Freitag, dass nach Erkenntnissen der Bundesregierung eine niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger vermisst werde. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung, sagte ein Sprecher. 

Angst vor neuer Flutwelle

Wie hoch die Gefahr in dem Gebiet weiterhin ist, zeigte sich an einem neu entstandenen See oberhalb des Grenzpostens Gyirong. Seit Donnerstag stieg dort der Wasserspiegel, nachdem sich infolge der Katastrophe ein natürlicher Damm gebildet hatte. Sollte der Damm brechen, droht eine weitere Sturzflut.

Chinas Rettungskräfte, die sich durch Geröll und unwegsames Gelände zu dem schwer verwüsteten Grenzposten vorkämpften, stellten ihre Arbeiten aus Sicherheitsgründen vorübergehend ein. Wasser floss laut chinesischen Angaben wie befürchtet aus dem See ab. Kurze Zeit später reagierten die Behörden in Nepal. Die Polizei schlug mit einer Warnung auf der Plattform X Alarm und forderte Einsatzkräfte auf, sich in Sicherheit zu bringen.

„Das ist eine Paniksituation“

„In der Stadt Bidur wurde um die Mittagszeit eine Sturzflutwarnung ausgegeben“, berichtete ein dpa-Reporter, der sich vor Ort befindet. Bidur liegt in Nepal am Oberlauf des Flusses Trishuli. „Zahlreiche Bewohner verließen ihre Häuser, um höhere Lagen zu erreichen - zu Fuß, mit dem Auto oder Motorrad. Entgegenkommenden Fahrzeugen riefen sie zu, nicht weiterzufahren, es sei zu gefährlich“, berichtete der Reporter.

Anwohner, die direkt am Ufer des Trishuli wohnten, seien aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. „Das ist eine Paniksituation“, sagte Luv Neupane, Mitarbeiter einer Apotheke im Ort. Die Klinik über der Apotheke sei evakuiert worden. Viele Anwohner beobachteten mit Sorge den Fluss, aus Angst vor einer Flutwelle.

Spektakuläre Rettung von zwei Arbeitern

Die Straße, die nach unten zum Flussufer führe, sei komplett gesperrt worden, sagte der dpa-Reporter. Mitglieder der Organisation Nepal Scout hätten ihm erzählt, dass die Sturzflut vom Mittwoch dort große Zerstörungen angerichtet habe. Die neue Flutwarnung sei eine Vorsichtsmaßnahme, sagte demnach einer der Scouts. Ob eine weitere Flutwelle den Ort erreiche, sei unklar. 

Dramatisch waren auch die Aufnahmen einer spektakulären Rettung in Nepal. Dort hatte die Armee zwei mit Schlamm überzogene Arbeiter lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk gezogen. Auf dem Rücken wurden die Männer zu einem Hubschrauber getragen, wie ein Video zeigte. 

Die Armee verwies auf sehr gefährliche Bedingungen im Katastrophengebiet. Entlang des Flusses Trishuli, durch den sich in der Region die Sturzflut ergoss, stehen mehrere Staudämme, an denen Menschen vermisst wurden. 

Vier vermisste Deutsche waren Pilger

Gesucht wurde derweil nach weiteren deutschen Staatsangehörigen. Vier im Grenzgebiet vermisste Deutsche gehörten zu einer Gruppe von ausländischen Pilgern, wie jetzt bekannt wurde. Sie waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss, wie die nepalesische Reiseagentur Trekkers' Society mitteilte. 

Von den insgesamt 77 Reisenden und den 15 nepalesischen Begleitern der Gruppe fehlt seit der verheerenden Sturzflut von Mittwoch jede Spur. Den Angaben zufolge sollte die Gruppe am Morgen des 26. August die Grenze nach Nepal überqueren. Zu dem Zeitpunkt raste die Flut aus Wasser, Geröll und Eis durch die Region. Seitdem ist unklar, wo sich die Pilger befinden und ob sie die Katastrophe überlebt haben. 

Bei den vier vermissten Deutschen handele es sich um zwei Männer und zwei Frauen, sagte Anish Bhujel, Manager der in Kathmandu ansässigen Trekkers' Society. Die anderen Reisenden stammen demnach aus mehr als zehn Ländern, darunter aus den USA, Großbritannien, Australien, Spanien, Südafrika, Israel und Kanada. Begleitet wurde die Gruppe zudem von 15 nepalesischen Guides und Fahrern.

Können solche Flutwellen vorhergesagt werden?

Experten zufolge soll ein Gletscherabbruch das Unglück ausgelöst haben - was eine gewaltige Eis- und Gerölllawine ausgelöst habe. Wie aber lassen sich Menschen vor solchen Katastrophen schützen? Es gebe bereits Konzepte für automatisierte Frühwarnsysteme, erklärte Niels Hovius vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung - auch für riesige Gebirgsregionen wie Himalaya, Karakorum und Anden.

Dabei sollen speziell auf oberflächliche Erschütterungen ausgerichtete Seismometer Ereignisse wie Felsstürze, Gletscherabbrüche - und auch Sturzfluten - registrieren und genau lokalisieren. Mit einer präzisen Verortung ließe sich anhand der bereits vorhandenen topographischen Modelle der Verlauf von Flutwellen vorhersagen.

Für die aktuelle Sturzflut im Himalaya war die Vorlaufzeit aber extrem kurz: Laut Hovius lagen zwischen dem Gletscherabbruch und dem Eintreffen der Flutwelle an der tibetisch-nepalesischen Grenzstation Gyirong keine zehn Minuten. Doch für Orte weiter flussabwärts sei die Zeitspanne wesentlich länger - oft bis zu einer Stunde. „Das würde reichen, damit Menschen Schutz suchen könnten.“

© dpa-infocom, dpa:260828-930-593919/11


Von dpa
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