Theaterstück gegen Rechtsextremismus am Gymnasium Scheinfeld | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.03.2024 18:57

Theaterstück gegen Rechtsextremismus am Gymnasium Scheinfeld

Jean-Francois Drozak (vorne) gibt einem am Theaterprojekt beteiligten Schüler Tipps zur Ausgestaltung einer Szene. (Foto: Andreas Reum)
Jean-Francois Drozak (vorne) gibt einem am Theaterprojekt beteiligten Schüler Tipps zur Ausgestaltung einer Szene. (Foto: Andreas Reum)
Jean-Francois Drozak (vorne) gibt einem am Theaterprojekt beteiligten Schüler Tipps zur Ausgestaltung einer Szene. (Foto: Andreas Reum)

Jugendliche haben intensive Proben bis zur Aufführung am Donnerstag. Sie zeigen auf der Bühne, wie rechtsextreme Organisationen an junge Leute herankommen wollen.

Das Stück, so sagt Jean-Francois Drozak, ist schon zwei Jahrzehnte alt. Und eigentlich hatte man es zwischenzeitlich für nicht mehr nötig erachtet. Das war ein Irrtum, bekennt der Theaterpädagoge, der in dieser Woche im Scheinfelder Gymnasium zu Gast ist.

Acht geben

„Acht.Acht“ lautet der beziehungsreiche Titel. Die doppelte Ziffer 8 ist in rechtsextremen Kreisen eine Chiffre für zweimal den achten Buchstaben des Alphabets, also HH – „Heil Hitler“. Generell muss man Acht geben, doppelt achtsam sein, um nicht Demokratiefeinden auf den Leim zu gehen. Zumal die Lockmittel nationalistischer Kreise einen tückischen Reiz bergen können.

Das können etwa QR-Codes sein, die zu einer Playlist führen. Früher, zur Entstehungszeit des Stückes, als Drozak noch an einer Nürnberger Hochschule war, waren das zum Beispiel die berüchtigten Nazi-Schulhof-CDs. Zusammen mit Studenten entwarf Drozak damals „Acht.Acht“. Das Thema: Wie schaffen es rechtsextreme Organisationen, an junge Leute heranzukommen, sie für ihre Ziele zu gewinnen, sie zu ideologisieren, für ihre Zwecke zu instrumentalisieren?

Das Stück kursierte in Ober- und Mittelfranken – bis die Terrorzelle NSU aufflog. „Danach dachten wir, das Stück sei nicht mehr nötig“, erklärt Drozak. Nun werde sich der Staat verstärkt um Vorbeugung und Aufklärung kümmern. Doch in den vergangenen Jahren haben rechtsextreme Umtriebe und die Klientel an Sympathisanten sichtlich zugenommen. Gerade junge Menschen sollen infiltriert werden – mit dem Gift einer antidemokratischen, nationalistischen, rassistischen Haltung.

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Im Stück erreicht so ein Playlist-QR-Code den jungen Franz. Er taucht ohnehin gerne in Computerspiele ab, in ferne Planeten, und ist dann selbst für Freunde unerreichbar. Auch in rechtsextreme Parallelwelten kann man Stück für Stück hineingezogen werden, bis man völlig versunken ist und nicht wieder herauskommt.

Nur wenige Tage Zeit fürs Einstudieren

Neun Schülerinnen und Schüler stellen sich der Aufgabe, das Stück binnen weniger Tage auf die Bühne zu bringen. So wird seit Montag fleißig geübt. Die sechs Mädchen und drei Jungs sind aus verschiedenen Klassen der Jahrgangsstufen acht bis elf. Drozak bittet darum, in der Zeitung nicht die Gesichter der Minderjährigen zu zeigen. Er erklärt: Es gibt Rechtsradikale, die jeden ins Visier nehmen, der in irgendeiner Weise gegen sie agiert und dessen sie habhaft werden können. Aus demselben Grund sind in diesem Artikel auch keine Namen der Schüler genannt.

Im Gespräch bekennen die jungen Akteure, dass sie selbst von keinen rechtsradikalen Gruppen in ihrem Umfeld wissen. Rechtes, vor allem ausländerfeindliches Gedankengut hört man aber auch in so manchem Dorf, im Raum Scheinfeld oder auch Schlüsselfeld, wo einige Gymnasiasten herkommen. Auch komme es schon mal vor, dass ein Jugendlicher mit Hakenkreuz-Gekritzel provozieren will.

Das Theaterprojekt ist Teil einer Schwerpunktwoche am Gymnasium Scheinfeld – mit Workshops, einem Elternabend und einer Lehrerfortbildung. Unterstützt wird die Schule von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE).

Drozak war schon mit verschiedenen Projekten im Scheinfelder Gymnasium zu Gast. Energiewende, Depression, Pflegenotstand, nun Rechtsextremismus: Gemeinsam ist den Stücken, dass sie allesamt auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten sind, dessen Sprache und dessen Blickwinkel aufgreift. Die Wiederaufnahme des Stücks „Acht.Acht“ in einer aktualisierten Fassung läuft in Scheinfeld als Modellversuch. Es soll anschließend noch sechsmal in den anderen bayerischen Regierungsbezirken umgesetzt werden.

Das Stück „Acht.Acht“ ist am Donnerstag, 14. März, ab 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums zu sehen; der Eintritt ist frei. Zum Themenkreis findet am Dienstag, 12. Mörz, ab 19 Uhr ein Online-Elternabend statt.

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