Tipp für Ansbachs Postboten: „Schaut, dass ihr keine Beute seid“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.09.2024 08:30, aktualisiert am 11.09.2024 11:58

Tipp für Ansbachs Postboten: „Schaut, dass ihr keine Beute seid“

Das Ziel ist ein sicheres und gutes Arbeitsgefühl: Deshalb hat die Deutsche Post für ihre Zusteller in Ansbach jetzt ein Hundetraining angeboten. Darin bekamen die 18 Teilnehmenden Möglichkeiten gezeigt, wie sie mit Vierbeinern umgehen, die sie auf ihren Touren treffen. Die Veranstaltung hatte einen ernsten Hintergrund.

Ein Postbote will Briefe und Pakete zustellen, betritt dafür das Grundstück des Empfängers. Plötzlich taucht ein zähnefletschender Hund auf und jagt den Postboten über das Grundstück: In Filmen sorgen solche Szenen in der Regel für den einen oder anderen Lacher bei den Zuschauern. Im realen Leben eines Zustellers gibt es solche und ähnliche Szenen freilich auch. Zum Lachen ist das aber oftmals nicht.

Acht Teilnehmer wurden vorher schon gebissen

Im vergangenen Jahr gab es bundesweit 1800 Vorfälle, bei denen Zusteller bei der Arbeit von einem Vierbeiner gebissen wurden, wie Hundetrainer Marcel Combé sagte. Gerade der ländliche Raum sei für solche Vorfälle prädestiniert. Wer rund 33 Jahre bei der Deutschen Post als Zusteller arbeitet, der hat eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent, dass etwas passiert, wie Stephan Graf vom Ansbacher Standort ergänzte. Pro Jahr liegt die Wahrscheinlichkeit bei drei Prozent.

Dass die Statistik in diesem Fall nicht lügt, zeigten die 18 Teilnehmer der Trainingseinheit. Acht von ihnen wurden mindestens einmal bei ihrer Arbeit von einem Hund gebissen. „Eigentlich macht der Hund alles richtig“, betonte der Trainer. Er mache das, was ihm die Menschen seit Tausenden von Jahren beibringen. Sprich: Er beschützt sein Rudel und sein Territorium. „In 99 Prozent der Fälle handelt es sich um Einzelbisse“, so Combé. Damit weise der Vierbeiner den „Eindringling“ zurecht.

„Ein sicheres Gefühl bei der Arbeit”

Obwohl sie alles richtig machen, kann es freilich nicht das Ziel sein, dass Zusteller das über sich ergehen lassen müssen. „Ihr sollt ein sicheres und gutes Gefühl bei der Arbeit haben“, erklärte er. Damit dies gelingt, bekamen die Teilnehmer Informationen und Tricks an die Hand.

Wichtig zu wissen ist nach Combés Worten, dass Hunde über die Körpersprache kommunizieren. Aufgestellte Ohren und ein in den Himmel gestreckter Schweif können zum Beispiel Anzeichen sein, dass die Emotionen im Tier aufsteigen. Auch sollte man einen Hund nicht direkt in die Augen starren. „Das löst Aggression aus“, so Combé. „Was glaubt ihr, was passiert, wenn ihr an einem Polizisten vorbeilauft, ihm dabei in die Augen starrt und plötzlich davonrennt?“ Combés Antwort: „Er wird Euch wahrscheinlich verfolgen.“ Auch ein Lächeln sollte man vermeiden. Stichwort: Zähnefletschen.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass sich die Zusteller bemerkbar machen, unter anderem durch Lärm. Der Hund muss wissen, dass der Zusteller kommt. Wichtig sei auch eine gute Kommunikation mit dem Halter, dass dieser den Vierbeiner vielleicht entfernt. Von Leckerlis rät der Trainer ab. Der Grund: Der Hund gewöhnt sich daran. Für eine Urlaubsvertretung, die keine Leckerlis dabei hat, könnte das Probleme bedeuten.

Ein Zeitfenster von drei bis fünf Sekunden

Im praktischen Teil zeigten Combé und Kollegin Nastasja Garcia den Zustellern Möglichkeiten, um sich zur Wehr zu setzen. Wobei das im konkreten Fall bedeutet, für eine Ablenkung zu sorgen. „Es geht um ein Zeitfenster von drei bis fünf Sekunden, um weglaufen zu können“, führten die beiden Trainer aus. Denn: Die Gesundheit komme vor der Zustellung.

Für diese Ablenkung braucht es keine besonderen Gegenstände. Das kann zum Beispiel ein Ball, eine Papierkugel, eine Blechdose gefüllt mit Schrauben oder eine Jacke sein. Wirft man diese Gegenstände neben den Hund, lenkt dieser seine Aufmerksamkeit darauf.

Ebenfalls helfen kann eine Wasserflasche. „Mit Wasser kannst du fast jeden Hund ablenken“, so Combé. Von Tierabwehrsprays rät der Experte derweil ab. Wenn etwa der Wind in die falsche Richtung weht, geht der Einsatz nach hinten los. „Schaut, dass ihr keine Beute seid“, brachte es Nastasja Garcia auf einen Punkt.

Welche Möglichkeiten haben Zusteller der Deutschen Post, um sich gegen einen Hund zur Wehr zu setzen? Trainer Marcel Combé (rechts) und Nastasja Garcia gaben im praktischen Teil einige Tipps. (Foto: Florian Schwab)
Welche Möglichkeiten haben Zusteller der Deutschen Post, um sich gegen einen Hund zur Wehr zu setzen? Trainer Marcel Combé (rechts) und Nastasja Garcia gaben im praktischen Teil einige Tipps. (Foto: Florian Schwab)
Welche Möglichkeiten haben Zusteller der Deutschen Post, um sich gegen einen Hund zur Wehr zu setzen? Trainer Marcel Combé (rechts) und Nastasja Garcia gaben im praktischen Teil einige Tipps. (Foto: Florian Schwab)

Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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