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Veröffentlicht am 24.05.2026 00:07

Tourenziel Talsperre: Wandern am Wasserreservoir

Wandern erlaubt, baden verboten: Eingebettet zwischen Wiesen und Wäldern liegt die Große Dhünn-Talsperre. (Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn)
Wandern erlaubt, baden verboten: Eingebettet zwischen Wiesen und Wäldern liegt die Große Dhünn-Talsperre. (Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn)
Wandern erlaubt, baden verboten: Eingebettet zwischen Wiesen und Wäldern liegt die Große Dhünn-Talsperre. (Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn)

Steil ist der Anstieg zum Aussichtspunkt bei Mittelberg. Die Wanderer geraten ins Schnaufen. „Nur ein paar hundert Meter noch, dann haben wir es geschafft“, sagt Karin Wedde-Mühlhausen.

Momente später kann die Gruppe den Ausblick genießen: Nach Westen breitet sich das Gewässer Kilometer lang aus, fjordartige Buchten zweigen nach links und rechts ab in die hügelige Landschaft. Dichte Buchen- und Fichtenwälder ragen bis an die Ufer heran.

Die Naturführerin ist mit ihren Gästen auf einer Runde an der Großen Dhünn-Talsperre. Zwischen sechs und zwölf Kilometer lang sind ihre Touren an dem Wasserreservoir. Mit 81 Millionen Kubikmetern und einer Wasserfläche von 4,4 Quadratkilometern staut sich hinter der Großen Dhünn-Talsperre Deutschlands zweitgrößter Trinkwasserspeicher auf. Nur die Rappbodetalsperre im Harz speichert mehr.

Mitten im Bergischen Land, zwischen Wermelskirchen und Kürten, schlummert der riesige See unter grauem Herbsthimmel vor sich hin. Und er ist nicht die einzige Erscheinung dieser Art östlich von Köln. Die Dichte der Talsperren ist hoch.

Keine vergleichbare Region anderswo

„Europaweit gibt es keine vergleichbare Region mit derart vielen Stauseen auf engem Raum“, wirbt die touristische Website „bergische-wasserwelt.de“. 13 Talsperren werden genannt, betrachtet man das gesamte Bergische Land, kommt man auf über 20.

Einige Gewässer sind Naherholungsziele zum Wandern, Schwimmen und für den Segelsport, etwa an der Bever-Talsperre, der Brucher-Talsperre oder der Wupper-Talsperre. Auf dem Stausee der Großen Dhünn - Trinkwasserreservoir - ist Wassersport allerdings verboten. Dafür sind die Wege und Pfade um ihn herum ein Wanderparadies.

Warum sind ausgerechnet hier so viele künstlich angelegte Gewässer entstanden, fragt Wedde-Mühlhausen, einst Biologin beim Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die Antwort hat niemand parat, aber sie: Nordwestwind treibe die Regenwolken aus den Niederlanden vor die Hügel des Bergischen Landes. „Diese Wolken entladen ihre Wasserlast in der Gegend zwischen Bergisch Gladbach, Wuppertal, Remscheid, Hückeswagen und Wipperfürth.“ Ein rechtes Regenloch also, dieses Bergische Land. Beste Voraussetzung für eine Nutzung. 

Betreten verboten!

So wie im Fall der Großen Dhünn, ein Fluss, dessen sprudelndes Nass sich in das Wasserreservoir hinter der gleichnamigen Staumauer ergießt. Und er ist nicht der Einzige: 16 weitere Bäche speisen den Stausee.

Mit dem Bau der Talsperren der Region wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, berichtet die Naturführerin - zum Hochwasserschutz und zur Trinkwassergewinnung. 1891 in Betrieb genommen ist die Remscheider Eschbach-Talsperre die älteste. Man sieht sie heute schon von der Raststätte Remscheid-Ost an der A 1.

Die Große Dhünn-Talsperre ist jünger. „1975 wurde mit dem Bau des Stausees begonnen. Einzelne Bauernhöfe, kleine Hofschaften und Wassermühlen wurden aufgegeben. Die Bewohner mussten ihre Heimat verlassen, wurden umgesiedelt“, erzählt Wedde-Mühlhausen. 1988 wurde der Trinkwasserstausee in Betrieb genommen.

Vorbei an grasgrünen Wiesen tauchen vor den Wanderern entlang des Weges Verbotsschilder auf: Wasserschutzzone 1. Betreten verboten! Rund um die Talsperre verläuft ein 100 Meter breiter Schutzstreifen. Nur die Dämme zweier Vorsperren und der beeindruckende, 400 Meter lange Hauptdamm in Wermelskirchen-Lindscheid mit seinen klotzigen Felssteinen sind offen für Besucher.

Nebenan im Informationszentrum Aqualon tauchen die Gäste ein in die Bedeutung der Trinkwassertalsperre. Der gleichnamige Verein hat zum Ziel, Wasser als Ressource zu schützen, setzt sich für nachhaltige Nutzung ein - und klärt darüber auf. Schautafeln, Videos, Fotos von Fauna und Flora und das Modellrelief der Landschaft berichten im Aqualon von dem Dhünn-Stausee sowie den anderen Talsperren, die überdimensionale Rohrleitungen teils miteinander verbinden. 6.000 Besucher kommen im Jahr.

Scheue Schwarzstörche, schillernde Eisvögel

Wer die Gegend erkundet, erfreut sich auch am Vogelreichtum. Exemplare von mehr als 80 Arten brüten an der Wasserwelt, darunter Haubentaucher, Rohrammern, Wiesenpieper und Grasmücken. Manche stehen auf der Liste der bedrohten Tierarten. Wanderer entdecken mit etwas Glück scheue Schwarzstörche und schillernde Eisvögel.

Und sie erleben einen Wald im Wandel. „Früher hatten wir rund um den Stausee zu 60 Prozent Nadelwald und 40 Prozent Laubwald“, sagt Thorsten Luckner, beim Wupperverband verantwortlich für den Betrieb mehrerer Talsperren. Inzwischen werden die Waldungen umgestaltet. Vom Borkenkäfer befallene Fichten verschwinden. Bei der Wiederaufforstung kommen Eichen, Linden, Hainbuchen und Walnuss an ihre Stelle, so Luckner.

Wer einmal das gesamte Gewässer umwandert, hat die Marathondistanz von 42 Kilometern zurückgelegt. In zwei Tagen ist das für passionierte Wanderer machbar, die Forst- und Waldwege sind gut ausgebaut. Kürzere Distanzen bieten die zahlreichen Rundwege, die von den zehn Wanderparkplätzen rund um die Sperre starten. Und an der Neye-Talsperre bei Hückeswagen führt der elf Kilometer lange Rundweg über die Staumauer und direkt am Ufer entlang. Eine entspannte Tour, drei Stunden lang.

Wo nur die Tiere planschen

Wassersportler und Badegäste zieht es nebenan zur Bever-Talsperre – an Sommertagen von Tausenden besucht und ziemlich trubelig. Vier Badestellen und sechs Campingplätze mit vielen Dauermietern liegen an dem Gewässer. Für den Platz Beverblick von Maik Wickesberg mit den 100 Mobilheimen und Hütten gibt es eine Warteliste: „Schwimmen, Segeln, SUP-Paddeln, Wandern und Radeln auf den ehemaligen Eisenbahntrassen – alles ist hier machbar.“

Kontrastprogramm an der Großen Dhünn-Talsperre, da planschen nur die Tiere: Wer gut hinsieht, kann manchmal Rehe und Wildschweine durch eine der Buchten schwimmen sehen.

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Das Bergische Land liegt östlich von Köln. Die Große Dhünn-Talsperre bei Wermelskirchen ist mit 81 Millionen Kubikmeter Stauvermögen die zweitgrößte Trinkwassertalsperre Deutschlands. Andere Sperren dienen der Wasser-Regulierung und dem Hochwasserschutz.  Anreise: mit der Bahn (bahn.de; vrs.de) von Köln bis Bergisch Gladbach. Von dort gibt es Busverbindungen in die Region und nach Wermelskirchen (wupsi.de; rvk.de/freizeitverkehr/bergischer-wanderbus). Mit dem Auto ist man in die Region etwa ab Berlin und München über sechs Stunden, ab Hamburg rund viereinhalb Stunden unterwegs.

Wandern: Unter wirbergischen.de sind Gästeführer mit Kontakten gelistet, auch Karin Wedde-Mühlhausen; Routenvorschläge zum Thema Wasser unter bergische-wasserwelt.de/erlebnis/wandern. Vorschläge für Touren rund um die Große Dhünn-Talsperre unter rbk-direkt.de/dienstleistung/3566/wandern-im-rheinisch-bergischen-kreis.

Talsperren-Führungen: An fünf seiner Talsperren organisiert der Wupperverband kostenlose geführte Rundgänge, in der Regel montags bis donnerstags zwischen 9 und 13 Uhr (wupperverband.de/termine/fuehrungen/fuehrungen-talsperren).

Unterkünfte und weitere Infos: dasbergische.de

© dpa-infocom, dpa:260523-930-121960/1


Von dpa
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