Trauer und Ärger: In Obernzenn wurden 80 Jahre alte Pappeln gefällt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.03.2026 13:56

Trauer und Ärger: In Obernzenn wurden 80 Jahre alte Pappeln gefällt

Trauer und Ärger über die gefällten Pappeln an der Kreisstraße: Zu einem nicht öffentlich angekündigten Ortstermin mit Bürgermeister Reiner Hufnagel und Marktgemeinderätin Barbara Stadlinger kamen spontan rund 20 Personen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Trauer und Ärger über die gefällten Pappeln an der Kreisstraße: Zu einem nicht öffentlich angekündigten Ortstermin mit Bürgermeister Reiner Hufnagel und Marktgemeinderätin Barbara Stadlinger kamen spontan rund 20 Personen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Trauer und Ärger über die gefällten Pappeln an der Kreisstraße: Zu einem nicht öffentlich angekündigten Ortstermin mit Bürgermeister Reiner Hufnagel und Marktgemeinderätin Barbara Stadlinger kamen spontan rund 20 Personen. (Foto: Yvonne Neckermann)

An der Kreisstraße 39, direkt hinter dem Ortsausgang, hat die Marktgemeinde Ende Februar 15 mehr als 80 Jahre alte Pappeln entfernt – aus Gründen der Verkehrssicherheit, heißt es offiziell. In der Bevölkerung sorgt die Rodung für Diskussionen. Viele fragen sich: Musste das wirklich sein?

Bei dem Thema kochten kurz vor der Kommunalwahl die Emotionen hoch. Zu einem nicht öffentlich beworbenen Ortstermin mit Marktgemeinderätin Barbara Stadlinger und Bürgermeister Reiner Hufnagel kamen 20 Personen. Vor der Kulisse der abgeholzten Bäume machten sie ihrem Ärger Luft.

„Mir blutet das Herz, wenn ich dies sehe“, sagte Anita Peuschel, Anwohnerin der nahe gelegenen Ringstraße. „Ich bin Natur- und Vogelschützerin und kenne die Bäume seit meiner Kindheit!“ Dem Areal sei eine hohe Bedeutung als Ökosystem zugekommen, so die 66-Jährige. „Hier leben beispielsweise Siebenschläfer.“ Sie fände „den Radikalschnitt“ einfach unmöglich.

Unerwarteter Anblick

Von den Anwesenden gab es viel Zustimmung. Viele berichteten, vom unerwarteten Anblick der abgeholzten Bäume völlig überrumpelt worden zu sein. Sie hätten sich gewünscht, man hätte das Vorhaben zuvor in irgendeiner Form öffentlich behandelt.

Mehrfach wurde die Frage gestellt, ob die Bäume wirklich so schadhaft gewesen seien, dass von ihnen eine Bedrohung ausgegangen sei. Schließlich blicke man auf einen schneereichen Winter zurück. Die Pappeln hätten, so berichteten einige Bürgerinnen und Bürger, so wie sie sich erinnern, trotz der Schneelast kaum Äste verloren.

Organisiert worden war der Ortstermin von Marktgemeinderätin und Baumwartin Barbara Stadlinger, die unter anderem mangelnde Transparenz und Kommunikation zwischen den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Gemeinderat kritisiert. „Mir ist völlig unverständlich, was hier passiert ist. Sonst wird bei jeder anderen Maßnahme die Untere Naturschutzbehörde einbezogen.“

Viel Zeit für Dialog

Bürgermeister Reiner Hufnagel nahm sich viel Zeit für den Dialog, verwies aber auf Sicherheitsbedenken. Das Landratsamt als Baulastträger der anliegenden Kreisstraße habe die Marktgemeinde als Eigentümerin der Fläche immer wieder auf Handlungsbedarf hingewiesen.

Daher habe man die Pappeln regelmäßig von einem Experten begutachten lassen und letztendlich die Entfernung angeordnet, so Hufnagel, der dafür ausdrücklich die Verantwortung übernahm.

„Von alten Pappeln geht durchaus ein Risiko aus, und 80 Jahre sind ein hohes Alter für so einen Baum“, sagte Hufnagel. So käme es vor, dass die Bäume bei Trockenheit spontan selbst gesunde Äste abwerfen. Für die Unfallträchtigkeit gebe es zahlreiche Beispiele. „Gibt man in eine Online-Suchmaschine die Stichworte ‚Pappel‘ und ‚Unfall‘ ein, erhält man eine Vielzahl an Treffern. Auch Berichte von tödlichen Unfällen!“

Schlagzeilen im Gepäck

Einige der Schlagzeilen hatte er mitgebracht: „Berliner Mauerpark: Drei Verletzte durch umstürzenden Baum.“ „Unfall in Georg-Weierbach: Pappel stürzt vor Linienbus.“ „Englischer Garten: Großer Ast begräbt Frau unter sich.“

Man habe in der Kommune einige Erfahrungen mit Pappeln. So habe man unter anderem über einen längeren Zeitraum versucht, die Bäume in Rappenau zu erhalten. Letztendlich hätten sie aber doch gerodet werden müssen.

Im aktuellen Fall sei anhand der aufgeschichteten Stämme erkennbar, wie stark einige der Pappeln bereits geschädigt gewesen seien, so Hufnagel, und deutete auf morsche Stellen sowie Faulstellen. „Dieser Stamm hier weist im Kernbereich bereits Fäulnis auf“, erläuterte er und betonte: „Ein Baum dieser Größe kann einen Menschen erschlagen.“ Dann sei der Bürgermeister möglicherweise juristisch, in jedem Fall aber moralisch verantwortlich.

Fläche soll aufgeforstet werden

Da es im Markt Obernzenn keine Baumschutzverordnung gebe, fielen solche Entscheidungen in den Bereich des laufenden Verwaltungsgeschäfts. „In Zukunft würde ich jedoch den Marktgemeinderat entscheiden lassen.“ Das nehme er mit. Die Fläche soll außerdem wieder aufgeforstet werden. Über die Spezies werde man noch beraten.

Bei den Anwesenden blieb die Trauer über den Verlust der Bäume. Trotzdem dankten sie dem Rathauschef, sich die Zeit genommen und sich der Diskussion gestellt zu haben.

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