Wird die Bevölkerung von Rimbach zwangsbeglückt? Diese Frage beschäftigte den einen oder die andere im Markt Erlbacher Gemeinderat. Am lautesten waren nämlich im Vorfeld die Stimmen derjenigen gewesen, die für einen Abriss des Hirtenhäuschens plädierten. Eine Umfrage ergab jedoch ein anderes Bild.
Ein bisschen mehr Euphorie in Rimbach hätte man sich von Seiten des Rats und Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß schon gewünscht. Das kam bei den Redebeiträgen heraus. Andererseits betonte man allenthalben, dass die Chancen durch eine Dorferneuerung einmalig seien. Wenn man diese Möglichkeit nicht ergreife, neben der Sanierung des Kanals vor der Erneuerung der Kreisstraße auch etwas für den sozialen Zusammenhalt im Dorf zu tun, dann sei es das für sehr lange Zeit gewesen.
Die Idee: Das Hirtenhäuschen in der Dorfmitte sollte als ältestes Gebäude im Ort erhalten werden und je nachdem als Sommertreffpunkt zum Zusammensitzen gestaltet werden oder sogar als beheizte Variante auch im Winter für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Bei zwei Veranstaltungen waren die Pläne in Rimbach den jeweils zwölf Anwesenden vorgestellt und mit ihnen weiter entwickelt worden.
Um ein genaueres Bild zu bekommen, wie die Stimmung in dem kleinen Ortsteil tatsächlich aussieht, befragte die Verwaltung jetzt alle Volljährigen, die ihren Hauptwohnsitz in Rimbach haben, sowie alle Eigentümer und Eigentümerinnen von Anwesen in Rimbach schriftlich, insgesamt 43 Personen. Knapp zwei Drittel davon antworteten.
Eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) sprach sich dafür aus, dass Rimbach ein Dorfgemeinschaftshaus bekommt. Nur gut ein Drittel war für den Abbruch des Hirtenhäuschens. Eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent sprach sich für die beheizte Variante aus. Sehr positiv: Mehr als die Hälfte der Anlieger erklärte sich bereit, sich in einem Dorfverein als Betreiber des Hirtenhauses zu engagieren, und Eigenleistung beim Umbau zu erbringen.
Geschätzt wird dieser aufwändigere Umbau auf 243.000 Euro. Bei der Kostenberechnung steigen diese Beträge allerdings in der Regel noch, betonte die Bürgermeisterin. Die Hälfte der Kosten trägt das Amt für ländliche Entwicklung. Die andere Hälfte, der Gemeindeteil, könnte durch Eigenleistungen günstiger werden.
„Es ist nicht so, dass wir auf Biegen und Brechen der Bevölkerung das Hirtenhäuschen aufschwätzen wollen, aber in vielen anderen Ortsteilen wie Altselingsbach oder Hagenhofen suchen sie dringend einen Treffpunkt”, gab Kreß zu bedenken. Klaus Adelhardt sagte, auch er sei für einen Treffpunkt. „Aber aufgrund der Zahlen werde ich dagegen stimmen.” Welche Zahlen er damit meinte, blieb dabei offen: die Kosten oder die Umfragewerte, denn bezogen auf alle Abstimmungsberechtigten sprach sich keine absolute Mehrheit für die Nutzung des Hirtenhäuschens aus. Zusammen mit seinen Fraktionskollegen von der CSU stimmte er letztlich dagegen.
Die Freie Wählerliste und die SPD befürwortete dagegen geschlossen den Umbau des Hirtenhäuschens zu einem Dorfgemeinschaftshaus. Allerdings wurde in der Diskussion deutlich, dass sich nicht alle mit der Entscheidung leicht taten. So bekannte Christine Hildner, dass der Prozess zwischenzeitlich so zäh gelaufen sei, dass sie geschwankt habe. Wegen des Ergebnisses der Umfrage stimmte sie zu. Karin Frühwald, wie Hildner von der FWL, hatte grundsätzliche Schwierigkeiten mit der Planung einer Dorferneuerung. Das Verfahren, zuerst ein „wünsch-dir-was” zu veranstalten – ohne ein Budget oder eine Berücksichtigung von Kosten – schien ihr fragwürdig.
Friedrich Täuber erinnerte dagegen daran, dass man sich in Neustadt im Nachhinein über den Abriss von alter Bausubstanz gegrämt habe. Heinz Schweigert berichtete aus Diebach, dass dort anfangs der Widerstand gegen den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses hoch war. Doch schon während des Baus sei die Stimmung gekippt und immer mehr hätten sich für das Gemeinschaftsprojekt engagiert. Volker Rudolph (SPD) merkte in Richtung Klaus Adelhardt an, dass man mit denen leben müsse, die sich nicht beteiligen. „Die gibt es immer, auch bei Wahlen.”