Das Signal ist klar: Weht am Rothenburger Tor die Fahne der Stadt Dinkelsbühl, ist der Turm für Besucher geöffnet. Am Donnerstag hisste Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer probeweise das rot-weiße Tuch mit dem Stadtwappen im Beisein von Mitgliedern der Dinkelsbühler Reichsstädter ,,Freunde historischer Spiele“.
Der Termin war bewusst gewählt, denn am kommenden Sonntag, wenn mutmaßlich zahlreiche Besucher und Besucherinnen zum Josephi-Markt in die historische Altstadt kommen werden, wird die städtische Fahne im Wind wehen. Die Reichsstädter freuen sich dann in den geheimnisvoll-schaurigen Räumen des Turmes auf neugierige Gäste.
Wer das Gemäuer betritt, kann das wohl wesentlich entspannter tun, als das in früheren Jahrhunderten der Fall war. Einst wurden dort Gefangene in Mini-Gefängnisse gesteckt und „peinliche Befragungen“, wie es Ingo Pest nennt, fanden dort statt. Welche Folterwerkzeuge dabei zum Einsatz kamen und wie genau ein „Spitzigstuhl“ aussieht – das können Interessierte im Rothenburger Turm am Sonntag erfahren. Sollte sich bei dem ein oder anderen Besucher dann doch ein leicht schauriges Gefühl einstellen, dürfte das gewiss im Sinne von Ingo Pest sein.
Schließlich tritt der Vorsitzende der Dinkelsbühler Reichsstädter, dem Anlass entsprechend gewandet, auch als Scharfrichter Balthes Spon in Erscheinung. Als solcher hat er durchaus ein Interesse daran, dass der ein oder andere Zeitgenosse den Turm mit einem leicht mulmigen Gefühl verlässt.
Man soll sich schon ein bisschen gruseln dürfen, aber der Besuch in dem historischen Gemäuer soll auch Spaß machen. Dazu werden von den Mitgliedern des Vereins historische Spiele aus verschiedenen Jahrhunderten und vielen Ecken der Welt angeboten, wie etwa Schach oder weitere Brett- und Würfelspiele. Das Angebot soll Kinder, Jugendliche und Erwachsene ansprechen.
2021 wurde der Verein der Dinkelsbühler Reichsstädter „Freunde historischer Spiele“ gegründet. Die Mitglieder setzen sich für den Erhalt des Rothenburger Torturms ein. Außerdem bieten sie Schauspiel- und Bierführungen sowie Adventure-Spiele für Familien an. Buchbar sind diese über den Touristik-Service der Stadt. Allen, die das Angebot der Reichsstädter in den historischen Räumen bereits kennen, versichert Ingo Pest, dass nun zwei neue Spiele im Turm installiert wurden. Der Eintritt ist frei.