Umgang mit Gaza-Krieg: Filmschaffende kritisieren Berlinale | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 17.02.2026 23:02, aktualisiert am 18.02.2026 03:03

Umgang mit Gaza-Krieg: Filmschaffende kritisieren Berlinale

Die Berlinale gilt als besonders politisches Festival. (Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa)
Die Berlinale gilt als besonders politisches Festival. (Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa)
Die Berlinale gilt als besonders politisches Festival. (Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa)

Dutzende Filmschaffende haben der Berlinale eine mangelnde Positionierung im Gaza-Krieg vorgeworfen. Künstlerinnen und Künstler wie Schauspielerin Tilda Swinton („The Room Next Door“) veröffentlichten einen offenen Brief. Zu den rund 80 Unterzeichnern gehören auch die Fotokünstlerin Nan Goldin und Schauspieler Javier Bardem („No Country for Old Men“).

Sie seien entsetzt über das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern“, heißt es in dem Schreiben, das von dem Branchenblatt „Variety“ veröffentlicht wurde. Zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine habe sich das Festival dagegen klar positioniert.

Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.

Seit dem Start der Internationalen Filmfestspiele in Berlin ging es mehrfach um Politik, zum Beispiel in Bezug auf den Nahostkonflikt. Jurypräsident Wim Wenders hatte bei einer Pressekonferenz betont, Filmschaffende seien ein Gegenwicht zur Politik. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy kritisierte das und sagte ihre Teilnahme ab, auch in dem jetzt veröffentlichten offenen Brief wurde Wenders' Aussage kritisiert.

Tuttle: Tief verwurzelter Respekt vor Menschenwürde

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle stellte sich am Wochenende hinter den Jurychef und die Künstler des Festivals. Sie betonte in einem Statement, bei dem Festival finde freie Meinungsäußerung statt und viele Filmschaffende bei der Berlinale eine ein tief verwurzelter Respekt vor der Würde jedes Menschen.

„Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme“, schrieb Tuttle.

Der Nahostkonflikt hatte die Berlinale, die als politisches Filmfestival gilt, auch in den vergangenen Jahren beschäftigt. So war sie zum Beispiel nach der Abschlussgala 2024 dafür kritisiert worden, dass einzelne Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen massiv kritisiert hatten, ohne den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen. Es folgte eine Debatte bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus.

© dpa-infocom, dpa:260217-930-700952/2


Von dpa
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