Der Elektronikhändler MediaMarktSaturn steht vor einer internationalen Übernahme: Der Online-Riese JD.com plant, den Konzern zu schlucken. Gleichzeitig mehren sich Gerüchte, dass die Marke Saturn eingestampft werden könnte. In Ansbach, wo gleich zwei Filialen parallel existieren, geht der Konzern nun einen eindeutigen Schritt.
Ceconomy, die Muttergesellschaft des Handelskonzerns, betreibt in der Stadt sowohl einen Saturn im Brücken-Center als auch einen MediaMarkt in der Rothenburger Straße. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Gerüchte, dass einer der beiden Standorte zugunsten des anderen Marktes dran glauben müsste. Bislang ohne Substanz, beide Filialen bestehen kontinuierlich seit vielen Jahren. Daran hatte auch die Abspaltung der Ceconomy aus dem Metro-Konzern 2017 nicht gerüttelt. Das könnte sich jetzt ändern.
Denn Ceconomy steht eine weitere tiefgreifende Veränderung bevor: Der chinesische Handelskonzern JD hat den Anteilseignern ein Übernahmeangebot unterbreitet, 43 Prozent über dem aktuellen Marktwert der Aktie. Dabei dürften es die Käufer vor allem auf das Online-Geschäft von MediaMarkt und Saturn und den Zugang zum deutschen Markt abgesehen haben. „JD wird seine fortschrittliche Technologie, seine führende Omnichannel-Handelsexpertise sowie seine internationalen Lieferketten-, Logistik- und Lagerkapazitäten in die Partnerschaft einbringen”, heißt es in einer Pressemitteilung von Ceconomy.
Auf das Filialnetz soll die Übernahme zunächst keine Auswirkungen haben. „Es wird im Rahmen der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen oder Schließungen von Standorten geben – es geht ausschließlich um Wachstum”, wird versichert. Auch Tarifverträge sollen Bestand haben, zumindest für drei Jahre. An der „Markenarchitektur” will JD.com für mindestens fünf Jahre festhalten.
Was nicht bedeutet, dass Ceconomy für sich genommen die Füße stillhält: Denn zuletzt ließen Handlungen des Unternehmens Zweifel daran aufkommen, wie ernst es ihm noch um den Bestand der Marke Saturn ist. Immer wieder firmierten Saturn-Filialen in MediaMärkte um, etwa 2024 in Nürnberg und Erlangen. In Österreich wurden schon vor fünf Jahren alle Saturn-Geschäfte umgewandelt. Auch das Bonusprogramm mySaturn ist seit Juni nicht mehr eigenständig.
Auf eine FLZ-Anfrage hin lässt der Konzern tatsächlich die Bombe platzen: „Der Markt im Brücken-Center wird Ende Oktober umfassend modernisiert und als MediaMarkt wiedereröffnen”, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Die Produktpalette bleibe gleich.
Der Laden im Brücken-Center scheint also gesichert, allerdings unter anderem Label. Aber was bedeutet das für den MediaMarkt in der Rothenburger Straße? Dazu lohnt es sich, zwischen den Zeilen zu lesen: „Mit dieser Partnerschaft (Anm. d. Red.: gemeint ist mit JD.com) setzen wir Innovationen schneller um, wachsen stärker und bedienen unsere Kundinnen und Kunden noch besser – das gilt auch für die Stores in Ansbach”, heißt es. „Wir sehen am Standort Ansbach nach wie vor eine gute Nachfrage, deswegen ist unser klares Bekenntnis, dass wir auch in Zukunft vor Ort präsent sein möchten.”
Die Sprecherin schreibt also zum einen von „Stores”, also Mehrzahl. Der letzte Satz wiederum ist zweideutig: Ein Bekenntnis zum „Standort Ansbach” muss keine Zusage sein, langfristig beide Filialen erhalten zu wollen. Wie diese Aussage zu interpretieren ist, steht für die Ansbacher also noch in den Sternen.