Vernünftige Arbeitsplätze als zentrales Ziel für Gewerbegebiet bei Aich | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 28.06.2025 16:43

Vernünftige Arbeitsplätze als zentrales Ziel für Gewerbegebiet bei Aich

Wird das Gewerbegebiet bei Aich Realität, wird es negative ökologische Auswirkungen wie Flächenversiegelung geben. Diese Folgen sind laut Bürgermeister Christoph Schmoll aber an jedem Standort gleich. (Foto: Florian Schwab)
Wird das Gewerbegebiet bei Aich Realität, wird es negative ökologische Auswirkungen wie Flächenversiegelung geben. Diese Folgen sind laut Bürgermeister Christoph Schmoll aber an jedem Standort gleich. (Foto: Florian Schwab)
Wird das Gewerbegebiet bei Aich Realität, wird es negative ökologische Auswirkungen wie Flächenversiegelung geben. Diese Folgen sind laut Bürgermeister Christoph Schmoll aber an jedem Standort gleich. (Foto: Florian Schwab)

Zu unkonkret, Flächenfraß, mehr Lärmbelastung: Das Vorhaben, am Hirtenbuck beim Ortsteil Aich ein Gewerbegebiet zu entwickeln, hat zuletzt einige Kritik hervorgerufen. Auf diese reagiert jetzt Christoph Schmoll. Der Bürgermeister von Neuendettelsau verbindet mit dem Projekt auch die Hoffnung auf Verbesserungen für die Bevölkerung.

Im März hatte der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss gefasst, auf einer rund zwölf Hektar großen Fläche bei Aich ein Gewerbegebiet entwickeln zu wollen. In der Folge organisierte die Neuendettelsauer Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) zusammen mit Bewohnern des Ortsteiles ein Treffen vor Ort, um ihre Bedenken zu dem Vorhaben zu äußern.

Andere Flächen sind nicht zu erwerben

Einer der Vorwürfe lautete, dass das Vorhaben zu unkonkret sei. „Wenn schon etwas konkret wäre, dann wäre es unlauter“, macht Bürgermeister Christoph Schmoll im Gespräch mit der FLZ deutlich. „Der Aufstellungsbeschluss ist nicht mehr als die Willensbekundung, planen zu wollen.“ Nach seinen Worten existiert im Moment nicht mehr als ein roter Strich um eine Fläche herum.

Dass die Wahl auf das Areal am Hirtenbuck fiel, hat Schmoll zufolge mehrere Gründe. Einerseits kann die Gemeinde die nötigen Flächen, um das bestehende Gebiet am Fürschlag zu erweitern, nicht „zu einem angemessenen Preis erwerben“, erklärt der Bürgermeister. Andererseits ist eine Nachverdichtung im Ort schwierig. „Ich kann nicht mitten im Ort ein Gewerbe mit Lkw-Lieferverkehr entwickeln.“

Für eine Nachverdichtung bräuchte es nach den Worten von Christoph Schmoll Unternehmen aus dem Finanz- oder IT-Sektor. „Aber die haben kein Interesse, ihre Firmenzentrale in einem 8000-Einwohner-Dorf hinzustellen.“ Deshalb müsse man den einen großen Standortfaktor nutzen, den man in Neuendettelsau habe – die verkehrliche Anbindung.

Stagnation bei Arbeitsplätzen

Der Rathauschef lässt keinen Zweifel daran, dass die Kommune mehr Platz für Gewerbe braucht und verweist auf die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Die Entwicklung in diesem Bereich ist „überdurchschnittlich schlecht“. Diese Arbeitsplätze sind ihm zufolge ein Indikator dafür, wie sich eine Kommune entwickelt. Doch in diesem Bereich stagniere man seit 2011/12 auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Bis 2011 habe man einen erheblichen Überschuss an Einpendlern gehabt, macht Schmoll deutlich. Mittlerweile gibt es einen kleinen Überschuss bei den Auspendlern. „Wir sind kein Arbeitgeberort mehr, sondern mehr ein Schlafort.“ Geht das so weiter, „werden wir irgendwann von der Entwicklung abgehängt“, so der Bürgermeister. „Wir müssen ins Gegensteuern kommen.“

Wer sich letztlich in dem Gebiet ansiedeln wird, weiß Schmoll zum heutigen Zeitpunkt nicht. Nur so viel: „Wir haben zahlreiche Anfragen von Externen und Ortsansässigen.“ Das zentrale Ziel wird aber sein, „dass wir vernünftige Arbeitsplätze generieren“.

Verbesserungen beim Lärmschutz für die Bevölkerung?

Für die Aicher Bevölkerung, die ohnehin durch den Verkehrslärm von Autobahn und Staatsstraße belastet ist, ist ein Gewerbegebiet direkt am Ort erst einmal alles andere als schön, dessen ist sich Schmoll absolut bewusst. „Ich kann es verstehen, dass die Bürger nur mäßig begeistert sind.“ Gleichwohl sieht er die Chance, dass die Aicher große Vorteile von dem Gewerbegebiet haben, „wenn das Ganze gut läuft“.

Sein Blick geht dabei zur Staatsstraße. Mit dem Gewerbegebiet könne die bisherige Kreuzungssituation nicht bleiben. Seine Hoffnung ist, dass es mit dem Staatlichen Bauamt zu einer Einigung für einen Kreisverkehr kommt – inklusive Tempolimit. „Dadurch nimmt der Lärm signifikant ab.“ Auch Lärmschutzmaßnahmen zwischen Hirtenbuck und Staatsstraße hält er für denkbar.

Hinzu kommt der Autobahn-Ausbau, bei dem auch Lärmschutzwände gebaut werden sollen, wodurch die Belastung weiter sinkt. Nicht vergessen darf man laut Schmoll, dass man bei einem Gewerbegebiet Grenzwerte beim Lärm einhalten muss. Diese liegen niedriger als beim Verkehr. „Mir ist klar, dass die Aicher zunächst die Leidtragenden sind. Ich glaube aber, dass man berechtigte Hoffnung haben darf, dass sich manche Dinge deutlich verbessern.“


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
north