Er ist ein grünes Schmuckstück im Bad Windsheimer Kurpark: der Kräutergarten. Vor nunmehr 15 Jahren war er geplant und angelegt worden. Seither ist er mal mehr, mal weniger intensiv gepflegt worden. Aktuell geht es ihm sehr gut. Zu verdanken ist das Elisabeth Edusei und Thomas Bätz vom Team der Stadtgärtnerei.
Edusei ist dem Kräutergarten auf eine ganz besondere Weise verbunden. Denn sie war damals dabei, als er angelegt wurde. Den Auftrag dazu hatte die Firma bekommen, bei der sie in ihrem letzten Ausbildungsjahr zur Landschaftsgärtnerin gearbeitet hatte. Nun gehört sie seit Herbst des vergangenen Jahres zum Team der Bad Windsheimer Stadtgärtnerei und hat sich dort sofort voller Inbrunst dem Kräutergarten gewidmet.
„Durch mein Mitwirken beim Anlegen des Gartens habe ich eine ganz besondere Bindung dazu“, sagt Edusei. Nun sei sie einfach nur „total stolz“ darauf, dass sie ihn gemeinsam mit ihrem Kollegen Bätz verantwortlich pflegen und weiter entwickeln darf. Das tut sie nicht mit schwerem Gerät, sondern in Feinarbeit mit den Händen. Unkraut jäten, nachpflanzen, Rückschnitt.
Mit geschultem Blick geht Edusei zwischen den Beeten hindurch. Rund 30 Meter ist der Kräutergarten lang, etwa 15 Meter breit. Es gibt Rossminze, Salbei, Andorn, Fingerhut, Betonie, Odermennig, außerdem Schlafmohn, Hopfen und Quecke. In einem der Hochbeete thront der Medizinalrhabarber. Rund 90 verschiedene Sorten gibt es. Sie repräsentieren exemplarisch die Entwicklung der Kräuterheilkunde in Europa. „Allerdings fehlen viele Pflanzen, weil sie in unserer Klimazone nicht gedeihen“, heißt es auf einer der Infotafeln, die am Rande des Gartens über seinen Sinn und Zweck informieren. Hier steht auch eine Bank zum Verweilen.
Dr. Johannes Gottfried Mayer hatte das Konzept für das Kleinod einst entwickelt. Ihm ist ein eigener Wikipedia-Eintrag gewidmet, in dem über sein Leben und sein Wirken informiert wird. Demnach war der im Jahr 2019 verstorbene Mayer ein bekannter Medizin- und Pharmaziehistoriker sowie Literaturwissenschaftler. Er war ein gefragter Dozent für medizinhistorische Vorträge und lehrte an den Universitäten Würzburg und Erlangen. Edusei hat Mayer beim Anlegen des Gartens persönlich kennen lernen dürfen. „Das war interessant und lehrreich.“
Seither hat Edusei sich viel Wissen über Kräuter und Heilpflanzen angeeignet. Und auch in ihrem eigenen Garten in Wiebelsheim wächst eine Vielzahl von ihnen. Von dort bringt sie immer mal wieder Ableger mit, um sie nachzupflanzen. „Solche Ableger hätten gerne auch einige der Gäste, die den Kräutergarten besuchen“, erzählt die Landschaftsgärtnerin. Doch denen klopft sie sanft auf die Finger, indem sie erklärt, dass das nicht möglich sei, weil die Flächen sonst vermutlich schnell leer geräubert wären.
Trotzdem würde es vorkommen, dass Pflanzen entwendet werden. Tobias Schmidt, Leiter der Stadtgärtnerei, hatte im vergangenen Jahr einen Dieb auf frischer Tat erwischt. „Das ist ein Schaugarten und kein Klaugarten“, sagt er. Doch komplett verhindern könne man es kaum, dass sich jemand unerlaubt am Grün bediene. Das seien Schmidt zufolge Leute, „die durchaus Ahnung davon haben“. Besonders häufig würden Liebstöckel und Rosmarin verschwinden, so Edusei. Aber auch Schlafmohn sei beliebt.
Gerne unterhält sich Edusei mit Gästen des Kurparks, wenn sie im Kräutergarten ist. Damit sie ihr Arbeitspensum trotzdem schafft, versucht sie, beides hinzubekommen: Unkraut jäten und Wissenswertes vermitteln. „Da bin ich multitasking, wie man so schön sagt.“ Außerdem ist Edusei „ein Fan des Ginko-Baumes“, der am Rande der Beete steht. Der sei für sie ein „absoluter Anziehungspunkt“.
Bei der Pflege des Kleinods haben Edusei und Bätz ihre festen Abläufe. Im Frühjahr beispielsweise werden die Pflanzen mit der Rosenschere und per Hand komplett runter geschnitten. Mit Wasser versorgt werden sie während der Sommermonate nur mäßig. „In der Zeit, in der die normalen Beete drei Mal gegossen werden, werden die Heilpflanzen nur einmal gewässert.“ Sie sollen lernen, ihre Wurzeln auszubilden, um ans Wasser zu kommen. Grundsätzlich empfehle sich für ein Beet mit Kräutern und Heilpflanzen: „Viel Sonne, wenig Wasser.“
Wer den Schaugarten eigenständig erkundet, kann sich anhand der Info-Tafeln vor den Pflanzen informieren. Außerdem sind QR-Codes montiert, die zum Wikipedia-Eintrag des jeweiligen Krauts weiter führen. In Zukunft soll es auch Kräuterführungen geben, heißt es. Eine neu nach Bad Windsheim gezogene Expertin hat bereits Kontakt zum Leiter der Stadtgärtnerei aufgenommen und plant entsprechende Angebote in Kooperation mit der Volkshochschule.