Vogelküken entdeckt - wann brauchen junge Wildtiere Hilfe? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.05.2026 12:52

Vogelküken entdeckt - wann brauchen junge Wildtiere Hilfe?

Ästlinge wie diese Blaumeise sind noch nicht flugfähig, sitzen oft am Boden, betteln laut und werden noch von den Eltern gefüttert. (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)
Ästlinge wie diese Blaumeise sind noch nicht flugfähig, sitzen oft am Boden, betteln laut und werden noch von den Eltern gefüttert. (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)
Ästlinge wie diese Blaumeise sind noch nicht flugfähig, sitzen oft am Boden, betteln laut und werden noch von den Eltern gefüttert. (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)

Wer sitzt denn da im hohen Gras? Wenn im Frühling ein Küken scheinbar hilflos am Boden hockt, sollte man den Jungvogel zunächst genau beobachten. Ist der Piepmatz aus dem Nest gefallen?

Junge Wildtiere brauchen häufig keine Hilfe. Viel zu oft werden Jungvögel unnötig aus ihrem Lebensraum gerissen, so die Deutsche Wildtier Stiftung - obwohl dies ohne Not bei Wildtieren laut Bundesnaturschutzgesetz sogar verboten ist.

Helfen oder in Ruhe lassen?

Ob ein Vogelküken Hilfe braucht oder nicht, hängt davon ab, ob es sich um einen sogenannten Ästling oder Nestling handelt. Wer genau hinschaut, kann beide unterscheiden und weiß so, ob man den Jungvogel besser in Ruhe lassen sollte.

Nestlinge sind häufig noch sehr jung und oft kaum befiedert. Möglicherweise sind ihre Augen sogar noch geschlossen. Sie können außerhalb des Nestes allein nicht überleben, so Lea-Carina Hinrichs von der Deutschen Wildtier Stiftung. Daher sollte man sie möglichst schnell und behutsam ins Nest zurücksetzen. Damit sich die Vogeleltern kümmern können.

Anders ist es bei den Ästlingen. Dazu gehören viele Singvögel, etwa Amseln und Drosseln sowie Sperling, Meise, Rotkehlchen, Rotschwanz, aber auch Greifvögel und Eulen. Typisch für Ästlinge: Sie verlassen ihr Nest, kurz bevor sie richtig fliegen können, so die Deutsche Wildtier Stiftung.

Ästlinge erkennen

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erklärt, an welchen Merkmalen man Ästlinge erkennen kann:

  • Sie hüpfen oder flattern, statt zu fliegen.
  • Sie sitzen am Boden oder in Bodennähe.
  • Die Elterntiere befinden sich oft in der Umgebung, denn die Jungvögel werden weiterhin von ihnen versorgt.

Wer Ästlinge einsammelt, trennt sie womöglich für immer von ihren Eltern, warnt Biologin Eva Lindenschmidt. Daher rät die Expertin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten: Ästlinge sollte man nur bei offensichtlichen Verletzungen zur Begutachtung zu Fachleuten bringen oder bei akuten Gefahren vorsichtig umsetzen. 

Lea-Carina Hinrichs von der Deutschen Wildtier Stiftung nennt Beispiele: Sitzt ein Ästling nah an einer Straße oder streift in der Nähe eine Katze herum? Nur in solchen Ausnahmefällen ist ein Eingreifen nötig. Dann kann man den Ästling vorsichtig aufnehmen und entweder ins Nest zurückbringen oder in der Nähe des Fundortes in eine dichte Hecke setzen, so Hinrichs. So ist der Jungvogel besser geschützt - und die Eltern können ihn finden.

Gefahren für Jungvögel beseitigen

Damit Jungvögel eine höhere Überlebenschance haben, kann man auf Gefahrenquellen achten und diese entschärfen. Offene Regentonnen sind etwa ein Risiko - da Ästlinge bei ihren ersten, unbeholfenen Flugversuchen sowie unerfahrene Jungvögel dort hineinplumpsen und dann ertrinken können.

Daher appelliert die Deutsche Wildtier Stiftung: Regentonnen unbedingt abdecken. Auch bei Gartenteichen darauf achten, dass Wildtiere wieder herauskommen - ein langes Brett oder ein Stock im Wasser können als Ausstiegshilfe dienen.

Von jungen Wildtieren besser Abstand halten

Wer derzeit im Wald oder in der Nähe von Wiesen und Feldern spazieren geht, sollte die Wege nicht verlassen, um Wildtiere nicht aufzuschrecken. Denn auch Feldhasen, Rehe und viele andere heimische Wildtiere haben im Moment Nachwuchs. Zudem sollte man seinen Hund unbedingt anleinen. Denn freilaufende Hunde können für junge Wildtiere zur Gefahr werden, so Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Wer ein Rehkitz oder einen kleinen Feldhasen im hohen Gras entdeckt, sollte auch dieses Wildtier in Ruhe lassen. Liegt das Jungtier allein und regungslos da, ist das in der Regel ein Schutzmechanismus. Wildtiermütter lassen ihren Nachwuchs häufig tagsüber bewusst allein, um keine Fressfeinde mit ihrem Eigengeruch anzulocken, erklärt Lindenschmidt. Zum Säugen kehren sie aber immer wieder kurz zurück. Daher sollte man den Fundort ruhig und zügig wieder verlassen.

Ausnahme: Das Jungtier ist verletzt. Aber auch dann sollte man es nicht einfach anfassen - denn das ist enormer Stress für ein Wildtier. Zudem könnte ein verletztes oder stark verängstigtes Tier wehrhaft reagieren, so Vier Pfoten-Expertin Lindenschmidt. 

Also im Zweifel besser Fachleute zu Hilfe rufen - etwa eine nahe gelegene Wildtierstation oder eine fachkundige Tierärztin. Die Fachleute können dann entscheiden, ob das Wildtier aufgenommen und behandelt werden muss.

© dpa-infocom, dpa:260508-930-52694/1


Von dpa
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