Ein Triumph für den Moment. Souverän mit 3:0 besiegen die Volleyballer des TSV Dinkelsbühl den TV Bad Windsheim. Die beiden Teams aus der Region stecken tief im Abstiegskampf der Regionalliga. Die Aussichten: schwierig bis aussichtslos.
Felix Kraft zieht in der Satzpause einen Rollkoffer hinter sich her und man fragt sich, was der Dinkelsbühler Angreifer darin transportiert. Wahrscheinlich die armen Seelen der erlegten gegnerischen Feldabwehrspieler und einen Dreizack. Kraft ist ein Teufel, Teil der DKBdevils, die im Derby auf Hyänenjagd gingen.
Nach den Aasfressern mit dem starken Gebiss haben sich die Bad Windsheimer benannt. Letzteres hätte man manchmal wohl klappern hören, wenn ihnen der kahlköpfige Kraft wie der Leibhaftige oberhalb der Netzkante erschien, um den Hyänen den nächsten Schmetterball aufs Fell zu brennen. Mit dem Hören in der Dreifachhalle ist es aber so eine Sache, wenn der Hallensprecher in Aktion ist. Franz-Josef Heller veranstaltet einen Höllenlärm, so dass, unterstützt von ein paar jugendlichen Fans, unter den rund 80 Zuschauern Derbystimmung aufkommt. Also bei den Dinkelsbühlern halt. Der Beitrag der Windsheimer ist hier wie beim Geschehen auf dem Feld eher übersichtlich.
Zwei Sätze lang (25:18, 25:15) martern die Dinkelsbühler mit nahezu fehlerfreiem Spiel ihre Gegner. Sie schlagen besser auf, nehmen besser an, haben mehr Varianten im Angriffsspiel und den besseren Block.
Den dritten Satz scheint Windsheim stehlen zu können. Der TV führt 12:8, 16:12 und 19:16. Dann ein Aufschlagfehler, Dinkelsbühl gleicht aus (21:21, 23:23) und bekommt durch zwei weitere Aufschlagfehler zwei Matchbälle geschenkt. Den zweiten verwandelt, klar, Kraft, der Oberteufel mit der Urgewalt im Arm, zum 26:24. Dass er seinen Rollkoffer und Spielertrainer Max Reichenberg die Getränkekiste in den Satzpausen selbst durch die Halle schleppt, verstärkt den Eindruck, dass sich diese sechs Dinkelsbühler selbst genügen. In Minimalbesetzung gelang zuletzt schon ein Fünfsatzerfolg gegen FTM Schwabing und auch gegen Windsheim ging es ohne Wechselspieler und Betreuer.
Die Hyänen boten fast die doppelte Anzahl an Spielern auf (von denen acht eingesetzt wurden), aber zum Rudel gehören etliche Jungtiere, erst 16 und 18 Jahre alt. Und so sah das Spiel dann auch manchmal aus: Männer gegen Jugend.
„Uns fehlt nach den ganzen Niederlagen das Selbstbewusstsein und Dinkelsbühl hat nicht wie ein Tabellenvorletzter spielt. Da war von der Angriffswucht, der Konstanz und den Varianten schon ein deutlicher Unterschied“, meinte TV-Trainer Robert Auerochs.
Angesichts von 13 Punkten Rückstand auf Relegationsplatz acht und 15 auf das gesicherte Mittelfeld hat man beim TV den Klassenerhalt abgeschrieben. „Wir nehmen die restlichen Spiele, um unsere Jugendspieler für die Bayernliga vorzubereiten“, so Auerochs.
2020 stiegen Bad Windsheim und Dinkelsbühl gemeinsam in die Regionalliga auf und nun sieht es so aus, als würden beide gemeinsam auch den Weg zurück gehen. Wobei Max Reichenberg noch eine kleine Chance sieht, den ersten Abstieg nach vier Aufstiegen in Serie zu verhindern. „Wenn wir von den letzten fünf Spielen vier gewinnen, könnte es reichen“, so seine Hochrechnung. Auch er hat die Jugend im Blick, allerdings dürfte die Blutauffrischung noch dauern: „Bei unserer U14 und U15 sind richtig gute Jungs dabei“. Er hat Zeit. Teufel altern ja nicht.
TSV Dinkelsbühl: Felix Kraft, Stefan Meyer, Max Reichenberg, Paul Reichenberg, Eduard Schmidt, Alexander Wangler.
TV Bad Windsheim: Tim Baltrusch, Felix Dachlauer, Marcel Geißbarth, Oliver Hampel, Jannis Heindel, Peter Hofmann, Leon Kolla, Julian Markus.