In der Ausstellung „Mobile Kinderwelten“ im Fränkischen Freilandmuseum sind Exponate von 1820 bis in die heutige Zeit zu sehen. Die Stücke stammen unter anderem aus Frankreich, England oder auch der DDR.
„Ich will aber das Fahrrad.“ Wer seine Kindheit und Jugendzeit in den 1970er-Jahren erlebt hat, kennt diesen Wunsch, der oftmals mit einem Nein der Eltern beantwortet wurde. Das Bonanza-Fahrrad sollte es sein, die Sehnsucht nach diesem speziellen Rad war so groß. Zumindest in der aktuellen Ausstellung „Mobile Kinderwelten“ im Fränkischen Freilandmuseum ist die Sehnsucht noch einmal erlebbar, spürbar. Seit der offiziellen Eröffnung am Samstag sind bis zum 13. Dezember in einem Seitenteil der Betzmannsdorfer Scheune von Rollern bis zu Kinderautos historische Fortbewegungsmittel für Kinder zu sehen.
Die Wanderausstellung zeigt Exponate für Kinder aus der Zeit von 1820 bis heute. Zu sehen sind unter anderem Roller, Fahrräder und Tretautos sowie Kinder-Laufmaschinen, Tretkurbelräder und ein Kinder-Hochrad. Die Schau soll Erinnerungen wecken und gleichzeitig die Entwicklung dieser mobilen Fortbewegungsmittel verdeutlichen. Als eine der unglaublichsten Erfindungen der Menschheit bezeichnete Museumsleiterin Dr. Karin Falkenberg in ihrer kurzen Eröffnungsrede das Fahrrad.
Die kleine, aber ausgesprochen interessant und spannend präsentierte Ausstellung besticht vor allem durch die Auswahl der Exponate, von denen die Fahrräder nur einen Teil einnehmen. Ein Vergleich mit den heutigen Kinderkarussells lohnt sich schon wegen der einzigartigen Karussellfahrzeuge. Bereits im Eingangsbereich der Betzmannsdorfer Scheune bringt eine Mischung aus Roller und Rakete Kinderaugen zum Leuchten. Das um 1960 in Frankreich entstandene Objekt spiegelt die damalige Faszination des Raketendesigns wider. Apropos widerspiegeln: Natürlich wurden auch die Autoträume des Papas verkleinert, um Tretautos an den Mann oder eher an den Jungen zu bringen. Als Beispiel präsentiert das Museum ein Tretauto der Marke Ferbedo, gefertigt um das Jahr 1960. Da darf der Nachwuchs von fünf bis neun im Mercedes SL Platz nehmen. Mit Luftreifen und zum Preis zweier Kinderräder – Luxus im Kleinen wie im Großen.
Auch Eigenbauten wie ein Kinder-Rennwagen stehen im Fokus. Hier hat ein Vater der Tochter in der Werkstatt ein technisches Wunderwerk geschaffen. „Liebevoll und detailversessen“, so verrät es die Information, wurde als Kraftquelle ein 3‑Gang-DKW-Moped-Motor verwendet. Es lassen sich nicht alle Exponate aufzählen.
Dafür ist ein Besuch während der üblichen Öffnungszeiten des Museums viel spannender. Dann lassen sich beispielsweise ein Tretauto Modell „Liliput“, produziert vom VEB Stahlmöbelbau Haldensleben, DDR, genauso betrachten wie ein Kinderdreirad „Sputnik“ aus der DDR, ein Karussell-Motorrad aus den 1940er-Jahren oder ein Reit-Spielzeug aus England, bei dem die Reitbewegung das Pferd zum Rollen bringt.