Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist auf den niedrigsten Wert seit rund 30 Jahren gesunken. Der als Geburtenrate bezeichnete Wert betrug vergangenes Jahr 1,32, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das sind demnach 2,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Noch niedriger sei die Geburtenrate 1994 mit einem Tiefstwert von 1,24 Kindern je Frau gewesen, 1996 lag sie dann ebenfalls bei 1,32. „Die damals Geborenen bilden die derzeit relativ kleine Generation potenzieller Eltern“, erklärten die Statistiker. Wie das Bundesamt bereits zuvor bekanntgab, war die Zahl der Geburten 2025 infolge dieser Entwicklung auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken - und zwar auf 654.241 Babys.
Laut dem Bundesamt ist die Geburtenrate seit dem Jahr 2022 kontinuierlich zurückgegangen. „Das liegt an den multiplen Krisen, die die Menschen verunsichern“, sagt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Von Kriegen über wirtschaftliche Probleme bis zur Klimakrise: All das führe dazu, dass die Familienplanung aufgeschoben werde.
„Die Auswirkungen zeigen sich dann in etwa 20 Jahren, wenn eine Generation auf den Arbeitsmarkt geht, die ein Drittel kleiner ist als die Elterngeneration“, sagt Bujard. Das habe massive Auswirkungen auf die Sozialsysteme.
Laut dem Experten liegt es an der Politik, zu handeln, etwa was Wohnraum oder Kinderbetreuung betreffe. Aber auch die Gesellschaft sei gefragt: „Wir brauchen ein zukunftsoptimistisches Narrativ. Wir müssen raus aus dem Krisen-Narrativ, denn wir leben immer noch in einer recht wohlhabenden Gesellschaft.“
Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,20 Kinder - ein ähnlich niedriger Wert wurde den Angaben zufolge zuletzt vor knapp 30 Jahren im Jahr 1996 gemessen (1,22). Im Vergleich zum Vorjahr ging die Geburtenrate um 2,8 Prozent zurück.
Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag die Geburtenrate bei 1,78 Kindern, das entspricht einem Minus von 3,3 Prozent. „Die Geburtenhäufigkeit der ausländischen Frauen geht seit 2017 mit Ausnahme des Jahres 2021 kontinuierlich zurück“, erklärte das Bundesamt.
Und: Die Eltern sind bei der Geburt ihrer Kinder tendenziell immer älter. So waren die Mütter im vergangenen Jahr bei einer Geburt - unabhängig davon, ob es die Geburt des ersten Kindes oder eines weiteren Kindes war - im Schnitt 31,9 Jahre und die Väter 34,8 Jahre alt. Zwischen 1991 und 2025 nahm das Durchschnittsalter bei Müttern um 4,0 Jahre (1991: 27,9 Jahre) und bei Vätern um 3,8 Jahre (1991: 31 Jahre) zu.
Laut den Daten gibt es auch Unterschiede zwischen den Bundesländern: Die niedrigste zusammengefasste Geburtenziffer - so der statistische Begriff - wurde vergangenes Jahr mit 1,16 Kindern je Frau in Sachsen errechnet, die höchste mit 1,38 in Niedersachsen.
Niedersachsen ist der Statistik zufolge bereits seit 2018 das Land mit der höchsten Geburtenhäufigkeit. Allerdings sank auch hier die Geburtenziffer zum ersten Mal seit 16 Jahren unter 1,40.
Und wie steht es zwischen Ost und West? „Die Geburtenhäufigkeit in den östlichen Flächenländern war mit 1,22 Kindern je Frau geringer als in den westlichen Bundesländern mit 1,34 Kindern je Frau“, hieß es. Am höchsten in Ostdeutschland war die Geburtenrate in Brandenburg (1,30).
Laut Daten des europäischen Statistikamts Eurostat lag die EU-weite Geburtenrate je Frau im Jahr 2024 - das sind die aktuellsten Zahlen - bei 1,34 Kindern pro Frau. Die EU-weit höchste Geburtenziffer von 1,72 Kindern je Frau hatte Bulgarien. Am niedrigsten war die Geburtenziffer demnach in Malta mit 1,01 Kindern je Frau.
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