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Veröffentlicht am 27.09.2026 06:02

Was uns Ortsnamen erzählen – von Neustadt bis Oberkaka

In Deutschland finden sich viele Gemeinden mit kuriosen Ortsnamen. (Archivbild) (Foto: Jan Woitas/dpa)
In Deutschland finden sich viele Gemeinden mit kuriosen Ortsnamen. (Archivbild) (Foto: Jan Woitas/dpa)
In Deutschland finden sich viele Gemeinden mit kuriosen Ortsnamen. (Archivbild) (Foto: Jan Woitas/dpa)

Wer in Deutschland unterwegs ist, reist nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch durch eine Landkarte der Namen: mal nüchtern, mal poetisch, mal unfreiwillig komisch. Auf Autobahnschildern, Bahnhöfen und Briefumschlägen gibt es Bezeichnungen, die nach Geschichte klingen – oder Verwechslungspotenzial haben. Manche verraten etwas über Kirchen, Wälder, Flüsse oder alte Siedlungen. Andere bleiben hängen, weil sie schmunzeln lassen. Doch welcher Ortsname begegnet uns eigentlich am häufigsten?

Welche Gemeindenamen besonders oft vorkommen

Fragt man im Internet nach dem häufigsten Ortsnamen Deutschlands, taucht oft „Hausen“ auf. Ganz so einfach ist es aber nicht. Entscheidend ist, was gezählt wird: Geht es um alle Dörfer, Stadtteile und Ortsteile – oder nur um politisch selbstständige Gemeinden? Denn davon hat Deutschland 10.943, wie das Statistische Bundesamt auf dpa-Anfrage mitteilt.

Bei den Gemeinden liegt nicht Hausen vorn, sondern Neustadt. Der Name kommt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 17 Mal vor, wenn regionale Zusätze wie „am Rübenberge“ oder „an der Weinstraße“ ausgeblendet werden. Dahinter folgen Neuenkirchen (12 Mal), Neukirchen und Hausen (jeweils 11 Mal). Orts- und Stadtteile sind in dieser Auswertung nicht enthalten – doch genau dort dürfte Hausen besonders häufig auftauchen.

Viele Wege führen nach Neuenkirchen

Eine Gemeinde unter den Top-Namen fällt besonders auf: Neuenkirchen. Denn dieser Ost hat vor allem in Niedersachsen seine eigene kleine Verwechslungsgeschichte. Dort heißen mehrere Gemeinden und Ortsteile so. Wer also „nach Neuenkirchen“ fährt, sollte besser vorher prüfen, wohin genau die Reise geht.

Dass der Name so oft vorkommt, ist sprachlich wenig überraschend: Er verweist meist auf eine neue Kirche. Gerade deshalb entstand er an verschiedenen Orten unabhängig voneinander. In Niedersachsen hat die Häufung längst Alltagsfolgen – von falsch adressierter Post über verspätete Lieferungen bis zu Menschen, die am falschen Ziel ankommen.

Doch aus den Dopplungen wird auch Gemeinschaft: Bei Fußballturnieren treten Teams aus verschiedenen Neuenkirchen gegeneinander an. Gewinnen kann am Ende, zumindest dem Namen nach, immer nur Neuenkirchen.

Was Ortsbezeichnungen über ihre Region verraten

Wer mit offenen Augen durch die Lande reist, bemerkt es schnell: Bestimmte Ortsnamen ähneln sich in ganz konkreten Regionen. Endungen wie „-itz“ und „-ow“ finden sich dem Leibniz-Institut für Länderkunde zufolge besonders häufig im Osten und Nordosten Deutschlands. Sie gehen auf slawische Siedlungen des frühen und hohen Mittelalters zurück. Ihre Spuren sind bis heute in etwa Chemnitz, Güstrow oder Pankow sichtbar.

Andere von ihnen erzählen von der Landschaft, in der Menschen ihre Siedlungen gründeten. „-moor“ und „-fehn“ verweisen auf das norddeutsche Tiefland, „-moos“ und „-ried“ auf Feucht- und Sumpfgebiete im Süden. Besonders die Orte auf „-fehn“ liegen konzentriert in Ostfriesland und im Emsland. Sie erinnern an die Entwässerung und Urbarmachung der Moore – ein Prozess, der vielerorts erst im 19. Jahrhundert begann.

Ortsbezeichnungen sind eine Art historisches Gedächtnis der Landschaft. Sie erzählen nicht nur, wer hier einst lebte, sondern auch, mit welchen natürlichen Bedingungen die Menschen umgehen mussten.

Lustige Ortsnamen: von Herzsprung bis Oberkaka

Manchmal klingen Ortsschilder aber auch wie ein Witz. Wer durch Deutschland fährt, kann deshalb unvermittelt in Herzsprung oder Oberkaka vorbeikommen. 

Herzsprung in Brandenburg klingt zunächst nach einer romantischen Geschichte. Der Ortsteil der Gemeinde Heiligengrabe im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wurde nach Angaben der Gemeinde 1339 erstmals als Herzesprung urkundlich erwähnt. Sprachwissenschaftler deuten den Namen jedoch als „Hirschquelle“ – abgeleitet von „hert“ („Hirsch“) und „sprink“ („Quelle“).

In Baden-Württemberg gibt es außerdem die Stadt Süßen im Filstal – zusammen mit dem benachbarten Kuchen klingt das beinahe wie die Bestellung eines Desserts. Auch Oldendorf-Himmelpforten im Landkreis Stade in Niedersachsen hört sich eher nach Märchen als nach Verwaltungssitz an.

Drei weniger schmeichelhafte Ortsbezeichnungen finden sich in Sachsen-Anhalt: Oberkaka ist ein Ortsteil der Gemeinde Meineweh, Kloschwitz eine Ortschaft von Salzatal, und Pißdorf gehört zur Gemeinde Osternienburger Land. Um 1370 hieß der Ort noch „Biscopestorp“ – also „Bischofsdorf“. Über „Bistorp“ und „Bisdorf“ entwickelte sich schließlich die heutige Schreibweise. Am Ende sind Ortsnamen eben kleine Geschichten am Straßenrand.

© dpa-infocom, dpa:260927-930-750376/1


Von dpa
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