Die Klimaerhitzung zeigt sich immer deutlicher. Hitzeperioden mit Temperaturen über 30 Grad kommen immer häufiger vor. Und mit der Hitze macht sich noch ein anderes Problem breit: Das Wasser wird knapp. Daran ändert auch die verregnete zweite Juli-Hälfte nichts. Noch sind in Westmittelfranken keine Extremmaßnahmen nötig.
Nach Thurmansbang im Bayerischen Wald liefern aktuell Molkereiwagen regelmäßig Trinkwasser. Die eigenen Quellen sind ausgetrocknet. Anfang Juli, als Deutschland schon einmal unter einer 30-Grad-Hitzeglocke lag, hatten der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt und die Region Hannover verboten, Trinkwasser für die Bewässerung von Grünflächen zu nutzen. Auch für das Befüllen privater Pools gab es schon Verbote. So langsam kann niemand mehr die Augen verschließen: Wasserknappheit wird auch in Deutschland zum Problem.
Westmittelfranken ist noch weit davon entfernt, zur Wüste zu werden. Doch auch hier machen sich sinkende Grundwasserpegel mehr und mehr bemerkbar. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person beträgt etwa 128 Liter pro Tag. Im Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach mit der Stadt und dem Landkreis Ansbach und den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen sei „noch genug Wasser da”, befindet Thomas Keller, der Leiter des Ansbacher Wirtschaftsamtes. Aber beim Thema Wasser sei „niemand mehr entspannt”.
Wobei aus seiner Sicht auch die Schwimmbecken im Garten noch nicht das ganz große Problem darstellen. Keller: „Die Pools werden meist befüllt, wenn genügend Wasser da ist und dann im Herbst, wenn das Chlor weitgehend ausgegast ist, im Garten ausgegossen.”
Den Ausgleich zwischen Wasserangebot und -nachfrage sicherzustellen, wird bei Hitze- und Dürreperioden, aber auch Starkregen- und Hochwasserereignissen immer aufwendiger. Ein Unternehmen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim hat auf Regenwassernutzung umgestellt. Für Keller ist das der richtige Weg. Das Einsparpotenzial sei deutlich größer als im einzelnen Privathaushalt.
Vor Wetterextremen hätten Forscher seit Jahren gewarnt, sagt der Behördenleiter. Die 420.000 Einwohner in 124 Kommunen der Region profitieren bei längeren Trockenphasen von einer „stabilen Wasserversorgung”. Das sei den Wasserversorgern der Kommunen und den Bemühungen des Freistaates zu verdanken, „die sehr viel für die Erschließung gesicherter Wasservorkommen tun.”, so Thomas Keller. Etwa durch Investitionen in weitere Verbindungsleitungen.
Probleme hätten Kommunen, die nur eine Quelle mit geringer Schüttung haben. Die „Schüttung” einer Wasserquelle bezeichnet die Wassermenge, die sie liefert. Üblicherweisewird sie in Litern pro Sekunde oder Kubikmetern pro Stunde angegeben. In solchen Fällen sei der Ausbau der Infrastruktur durch Verbundleitungen dringend notwendig, sagt Keller. Allgemein ist vom Anschluss an das Fernwasser die Rede.
Aus Kellers Sicht wird bereits viel getan zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts in der Region. Vorrangig im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, das zu den trockensten Regionen Bayerns zählt. So wurde im Pilotprojekt „Klimaresilienter Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim” geprüft, ob durch den Aufstau von Niederschlagswasser durch einfach zu steuernde, kleine Staudämme das schnelle Abfließen von Regenwasser verhindert werden kann. Der Langenwasengraben bei Bad Windsheim ist ein Pilotprojekt hierfür. Die bislang gewonnen Daten sind nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes, das hier mit Bauernverband und angrenzenden Landwirten zusammenarbeitet, recht vielversprechend.
Mit den vorhandenen Entwässerungsgräben zwischen landwirtschaftlichen Flächen als Wasserspeicher lasse sich ein nachhaltiges Wassermanagement aufbauen, erklärt Keller. Allein im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim mit rund 70.000 Hektar Ackerfläche gibt es um die 560 Kilometer Entwässerungsgräben. „In solchen grünen Gräben können wir mehr Wasser halten als gedacht”, sagt Thomas Keller.
Außerdem werden alte Güllegruben und ausgediente Kläranlagen, die nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen zur Aufbereitung von Abwasser erfüllen, zu Wasserspeichern umgebaut. In der Vergangenheit wurden alte Teichkläranlagen häufig verfüllt.
Als Beispiel für eine gelungene Umnutzung hebt der Behördenleiter die Ergersheimer Ortschaft Neuherberg hervor. Die ehemalige Teichkläranlage ist inzwischen Wasserrückhaltebecken. Der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde, Dieter Springmann, habe für dieses Projekt einen „Orden verdient”, so Thomas Keller. Es habe in der Bevölkerung und in den Vereinen – bis zum Oldtimerclub – breite Unterstützung gefunden. Der örtliche Bauhof nutze den Wasserspeicher zum Gießen der kommunalen Grünanlagen und könne seinen Bedarf an Leitungswasser damit „erheblich reduzieren”. Privatleute könnten ihren Beitrag zum naturnahen Wasserhaushalt durch die Nutzung von Regenwassertonnen und Zisternen leisten.
Andere Regionen ziehen nach, freut sich Keller und verweist auf den Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Unter dem Schlagwort „Klimaresilienz Altmühlfranken” werden Lösungsansätze erarbeitet. Agroforstwirtschaft mit Gehölzen, Bäumen oder Sträuchern auf Ackerkulturen kann helfen, das Austrocknen von Böden zu verhindern.
Den Behördenleiter treibt die Frage um: „Wie können wir Gewässer klimafit machen?” Zum Maßnahmenpaket gehören die Renaturierung von Flüssen und Bächen, die Reduzierung von Stoffeinträgen, die Anpassung von Wassernutzungen und die Förderung der Durchgängigkeit von Gewässern – im Zusammenwirken mit Fischereiverband und Fischereivereinen.
Als Erfolg all dieser Bemühungen sieht der Behördenleiter, dass es trotz Trockenheit und Hitze „zuletzt kein größeres Fischsterben” gab. „Es wurde viel gemacht, das zahlt sich aus.” Nachhaltige Lösungen seien der „bessere Weg”, die Ressource Wasser zu schonen. Bewässerungsverbote, insbesondere für private Gärten, sind für Fachmann Thomas Keller dann erforderlich, wenn bei extremer Trockenheit die Wasserversorgung gesichert werden muss.
Ansonsten sehe er ein solches Verbot „eher kontraproduktiv” für die Arbeit seiner Behörde. Die Menschen würden sich dann möglicherweise anderweitig aus Flüssen und Bächen mit dem kostbaren Nass versorgen. „Ich wüsste, wo die Bulldogs hinfahren.”