Weingenuss spricht viele Sinne an: Die Farbe betrachten, riechen, schmecken – das kann man richtig zelebrieren. Zwei junge Frauen haben nun eine Box entwickelt, die auch Seh- und Hörbehinderte besser an diesem Ereignis teilhaben lassen will. Damit leisten sie einen sehr fränkischen Beitrag zur „Inklusion im Alltag”.
Elea Lang aus Ergersheim ist 20 Jahre und Eva Dörflein aus Hemmersheim 22 Jahre jung. Dörflein studiert Sonderpädagogik speziell für Sehbehinderungen. Die Idee für die inklusive Weinprobe kam ihnen – wie könnte es anders sein – bei einem Gläschen guten Weins. Die entwickelte Kiste kann aber für jedermann und jede Frau einen neuen Zugang zu Wein bieten.
Wie soll man sich die Kiste vorstellen? Entwickelt wurden drei Boxen. In zwei von ihnen sind drei Sorten Wein enthalten, in der dritten sind es sechs Viertelliter. Die Etiketten der Flaschen sind mit der Blindenschrift Braille beschriftet. „Das ist meines Wissens nach das erste Mal, dass eine Weinflasche ein Braille-Etikett hat”, erzählt Elea Lang.
Die Flaschen sind außerdem mit einem Anhänger versehen, auf dem die einzelnen Aromastoffe des Weins beschrieben sind. Der Hauptaromastoff ist auf dem Anhänger appliziert, so dass man ihn gesondert beschnuppern und mit dem Bukett des Weins vergleichen kann. Ein Stoff, der in seiner Textur dem Wein in der Flasche ähnelt, spricht außerdem den Tastsinn an.
Auf einem Video mit Untertiteln wird der Wein vorgestellt. Dabei werden keine Farben genannt, sondern bildliche Vergleiche genommen. Die Farbe des Weins ist also nicht „gelb”, sondern wird mit einem Herbsttag verglichen, bei dem die Sonne durchs Laub scheint. Eine auf ihn abgestimmte Praline rundet den Wein ab.
Die multisensorische Weinkiste ist für alle gedacht: Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Auch für die zweite Zielgruppe könne es neue Erlebnisse ermöglichen, wenn man einen Sinn mal ganz bewusst ausschaltet, so Lang. Das Ziel ist: Genuss ermöglichen, der alle Sinne anspricht und niemanden ausschließt.
Die Initiative entstand ursprünglich im Rahmen eines Studienprojekts, begleitet vom Leiter des Lehrstuhls Pädagogik für Sehbeeinträchtigungen Professor Dino Capovilla und unterstützt von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau. Aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung entwickelte sich ein Konzept, das Inklusion nicht nur thematisiert, sondern sie ermöglicht.
Für die jetzige Umsetzung arbeitet man mit dem Bio-Weingut Markus Meier aus Ulsenheim zusammen. Am Sonntag wird bei einem „Opening Event” das neue Produkt geladenen Gästen vorgestellt, danach geht es in den Verkauf.
Den Reingewinn wollen die jungen Gründerinnen spenden, und zwar an die Palliativstation für Kinder in Erlangen und an die Lebenshilfe in Lenkersheim. „Das sind zwei tolle Projekte, die uns am Herzen liegen”, sagt die Ergersheimerin. „Wir glauben, dass wir in Zeiten leben, in denen die Gesellschaft auseinanderzufallen scheint.” Da wollen sie gegensteuern. Denn, so das Fazit von Eva Dörflein und Elea Lang: Wein sei ein Kulturgut und Kultur gewinne, wenn sie zugänglich wird – nicht, wenn sie ausschließt.
Nähere Informationen gibt es ab 1. Dezember unter www.sensovino.de