Die meisten Tage des Jahres plätschert die Rezat friedlich vor sich hin. Doch auch ein kleiner Fluss kann seine Tücken haben, wie Hochwasser-Ereignisse in Ansbach immer wieder zeigen. Doch wie stellen die Behörden und Katastrophenschützer sicher, dass man von den Fluten nicht überrascht wird?
Die Behörde, der Martina Metzger vorsteht und die für die Hochwasser-Koordination bei der Stadt zuständig ist, trägt den etwas gestelzten Namen „Amt für Ordnung, Straßenverkehr und Bürgerservice“. Und die Anleitung, nach der sie handelt, hat einen nicht minder sperrigen Titel: Die „Verordnung über den Hochwassernachrichtendienst“ regelt bayernweit, wer wann zu informieren ist und was bei welcher Hochwasser-Meldestufe zu tun ist.
Das wichtigste Instrument für die Hochwasserabwehr in Ansbach befindet sich rund zehn Kilometer westlich im Lehrberger Ortsteil Oberheßbach. Der dortige Rezatpegel lässt eine Prognose zu, wann die Fluten das Ansbacher Stadtgebiet erreichen werden. „Zwischen vier und zwölf Stunden haben wir Zeit, Vorkehrungen zu treffen“, sagt die Ordnungsamts-Leiterin. Um auf der sicheren Seite zu sein, gehen die Behörden von vier Stunden aus.
Das Wasserwirtschaftsamt Ansbach, dass die Pegel im Blick hat, schickt eine Vorwarnung oder Warnung an die Feuerwehr. Hintergrund: Dort ist das Telefon rund um die Uhr und an allen sieben Tagen der Woche besetzt. Die Feuerwehr informiert die zuständigen Stellen im Ordnungsamt, die ihrerseits den Einsatz der städtischen Einsatzkräfte koordiniert – zum Beispiel das Betriebsamt, das die Straßensperren an den vom Hochwasser bedrohten Stellen aufstellen muss.
Da gibt es einen regelrechten Sperrplan: Zuerst werden die Rezatauen am Aquella überflutet, dann der Bürgerpark. Wird die Meldestufe 1 bei einem Wasserstand von 2,20 Metern erreicht, muss auch der Rezatparkplatz gesperrt werden, wie am 4. Januar zuletzt geschehen. Ab 2,30 Metern wird der Parkplatz überflutet.
Bei der Räumung des Parkplatzes habe man die Kennzeichen erfasst und über die Halterdaten die Besitzer der Fahrzeuge kontaktiert, so Martina Metzger – ein zulässiges Vorgehen in dieser besonderen Lage. Während der städtischen Dienstzeiten telefonierten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, nach Dienstschluss die Beamten der Polizeiinspektion.
„Bisher ist es uns immer gelungen, die Autos rechtzeitig wegzuschaffen“, sagt Anne Ziegler vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters. Weil die Rezat ein kleiner Fluss ist, sei das Hochwasser schnell da, erläutert Martina Metzger. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Parkdauer auf dem Rezatparkplatz auf vier Stunden begrenzt und in der Nacht das Parken gänzlich verboten ist.
Bei Meldestufe 3, einem Wasserstand von 3,40 Metern, werden die Garten- und Schlösserverwaltung – wegen der Orangerie –, das Brücken-Center und weitere betroffene Firmen informiert. Ab 3,50 Metern ist die Tiefgarage des Brücken-Centers gefährdet, und ab 3,60 Metern rauscht das Wasser in Wohnhäuser an der Würzburger Straße.
Ab Meldestufe 3 wird auch die „Führungsgruppe Katastrophenschutz“ informiert, die mit speziell geschulten Experten aus verschiedenen Bereichen des Katastrophenschutzes besetzt ist.
Dieses Gremium war zum Beispiel am 9. Juli 2021 gefragt, als die Fluten der Rezat auf einen Wasserstand von 4,28 Metern anstiegen und die Meldestufe 4 von 4 Metern weit überschritten war. Damals fehlten nur wenige Zentimeter und die Altstadt wäre geflutet worden. Eine ähnlich hohe Flut registrierte das Wasserwirtschaftsamt in der jüngsten Vergangenheit zuletzt am 21. Dezember 1993 mit 4,15 Metern.
Mancher wird sich erinnern, dass am 9. Juli 2021 bei Bauarbeiten auch eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde – eine Stadt im Ausnahmezustand, an dem die Rettungskräfte in der Stadt ihre Kompetenz unter Beweis stellen konnten.
Wann eine Hochwasserlage beendet ist, wird natürlich ebenfalls in der „Verordnung über den Hochwassernachrichtendienst“ geregelt: Die Fachleute vom Wasserwirtschaftsamt geben Entwarnung.