Wenn in den Ansbacher Kammerspielen im Rudel gesungen wird | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 30.04.2025 10:35

Wenn in den Ansbacher Kammerspielen im Rudel gesungen wird

Hier wird nicht nur zugehört, sondern mitgesungen, mitgeklatscht und mitgeschunkelt: 200 Menschen haben beim 20. Ansbacher Rudelsingen in den Kammerspielen teilgenommen und ohne Druck, aber dafür mit ganz viel Spaß und Leidenschaft gesungen.

Beim Singen werden Glückshormone freigesetzt und das allgemeine Stressempfinden reduziert. Darüber hinaus macht es sehr viel Spaß – besonders dann, wenn es nicht auf Tonsicherheit und Stimmqualität ankommt. Das ist das Erfolgsrezept des Rudelsingens, das sich von einem kleinen Experiment zu einer festen Größe in vielen Städten Deutschlands entwickelt hat – so auch in Ansbach.

Die Party dauerte fast drei Stunden

Unter der Anleitung von Uli Wurschy als „Vorsänger“ am Mikrofon und Volker Becker am Keyboard konnten die Teilnehmer im Schutz der Menge und des schummerigen Partylichts der Kammerspiele einmal mehr ganz sie selbst sein und sich vom kollektiven Sangesrausch mitreißen lassen. Gesungen wurde in drei Blöcken von jeweils acht Titeln. Die Party dauerte fast drei Stunden, bis die Kehlen trocken und sicherlich Hunderte Kalorien verbrannt waren.

Auf dem Programm standen echte Klassiker und Stimmungsmacher, die viele sicherlich auch ohne Hilfe der auf die Leinwand projizierten Texte hätten mitsingen können. Eine kleine Gedächtnisstütze zu haben, war aber sicher nicht verkehrt – so gab es schließlich keine Ausreden.

Mit „Take a Chance on Me“ von ABBA, „Born to Be Wild“ von Steppenwolf, „Wild World“ von Cat Stevens und dem unvergesslichen „The Lion Sleeps Tonight“ von The Tokens ging es vielseitig durch die Musikgeschichte. Auch deutschsprachige Hits wie „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander und „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens brachten das Publikum zum Mitsingen. Einen besonderen Höhepunkt setzte Adriano Celentanos italienischer Kulthit „Azzurro“, bei dem sich die Besucher ein wenig wie im Sommerurlaub in „Bella Italia“ fühlen konnten.

Ein ansteckendes Gefühl

Wie Uli Wurschy gleich zu Beginn abfragte, waren die wenigsten zum ersten Mal dabei. Fast 90 Prozent der Anwesenden waren „Wiederholungstäter“. So zum Beispiel Gisela Guttendorfer aus Leutershausen: Die 65-Jährige hatte sich einen Platz auf der Treppe erobert, wo sie tanzen und sich nach Lust und Laune freisingen konnte. „Früher habe ich in einem Gospelchor gesungen, der sich aber leider aufgelöst hat“, verriet sie. Das Rudelsingen sei für sie nun eine Möglichkeit, dem geliebten Hobby weiter nachzugehen: „Allerdings gehe ich hier keine Verpflichtung ein, sondern singe nur für mich, weil es mir guttut.“

Gisela Guttendorfer ist Logopädin von Beruf und betrachtet den Einsatz der Stimme auch aus professionellem Blickwinkel. Das Singen setze sie in der Arbeit mit Patienten verschiedener Altersgruppen ganz spielerisch ein, erläutert sie: „Selbst Kinder stehen heute schon viel unter Leistungsdruck. Beim Singen können sie einfach Spaß haben.“

So gut wie nie zuvor?

Volker Becker und Uli Wurschy zeigten sich sehr zufrieden mit dem 20. Ansbacher Gastspiel der Veranstaltungsreihe. „So gut wie heute waren die Ansbacher tatsächlich noch nie drauf, ganz prima“, zog Uli Wurschy schon nach dem ersten Drittel Bilanz. Das Klischee des zurückhaltenden Westmittelfranken konnten er und Kollege Volker Becker nicht bestätigen.

„Wir hören ganz oft, dass die Menschen in den Regionen, die wir besuchen, besonders introvertiert sein sollen – sei es in Norddeutschland oder Ostwestfalen“, verriet Becker. Beim Rudelsingen sprängen aber alle über ihren Schatten und kämen richtig aus sich heraus. „Die Leute sind ja da, weil sie singen wollen. Die haben richtig Bock und gehen ab dem ersten Ton richtig ab“, ergänzte Wurschy.

Deswegen, so die beiden Musiker, mache die Veranstaltung auch ihnen immer wieder so viel Freude: „Am Ende gehen alle mit einem Lächeln nach Hause.“

Volles Haus beim 20. Rudelsingen in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Volles Haus beim 20. Rudelsingen in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Volles Haus beim 20. Rudelsingen in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Yvonne Neckermann)

Von Yvonne Neckermann
north