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Veröffentlicht am 13.11.2024 12:00

Wer hilft in Rothenburg, wenn das Leben aus der Norm fällt?

Verschiedene Gruppen – zum Beispiel eine Walkinggruppe – sind im sozialpsychiatrischen Dienst aktiv. Sie gaben beim Jubiläum einen Einblick in ihre Aktivitäten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Verschiedene Gruppen – zum Beispiel eine Walkinggruppe – sind im sozialpsychiatrischen Dienst aktiv. Sie gaben beim Jubiläum einen Einblick in ihre Aktivitäten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Verschiedene Gruppen – zum Beispiel eine Walkinggruppe – sind im sozialpsychiatrischen Dienst aktiv. Sie gaben beim Jubiläum einen Einblick in ihre Aktivitäten. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)

Im Jahr 1999 zog der Sozialpsychiatrische Dienst in den ersten Stock des Hauses der Diakonie am Milchmarkt ein. Jetzt feierte die Einrichtung dort ihr 25-jähriges Bestehen. Zuvor war dort die Agentur für Arbeit untergebracht gewesen. Nach dem Auszug der Post wurde auch das Erdgeschoss angemietet und umgebaut. Zweiter Bürgermeister Dieter Kölle stellte an den Anfang seines Grußwortes einen kurzen Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre des Sozialpsychiatrischen Dienstes.

Er brachte die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Stadt zum Ausdruck. Die Beratung sei kostenlos und freiwillig. „Der Sozialpsychiatrische Dienst ist ein nicht mehr wegzudenkender Partner in dem so wichtigen Bereich der Sozialen Hilfsdienste in Rothenburg“, sagte er. Der jährliche Zuschuss der Stadt sei in den vergangenen Jahren auf 5500 Euro angewachsen.

Breites Angebot im Haus der Diakonie

Dekanin Jutta Holzheuer nannte die Einrichtung eine „Anlaufstelle für Menschen, deren Leben aus der Norm fällt.“ Holzheuer ist Vorsitzende des Diakonischen Werkes Rothenburg und des Zentralen Diakonievereins in den Dekanatsbezirken Rothenburg und Leutershausen. Sie sei froh, dass sie Menschen dorthin schicken kann, wenn sie mit ihrem „ungelernten Latein“ am Ende ist.

Das Haus der Diakonie beherberge ein Beratungsnetz mit der kirchlichen Sozialarbeit, der Tafel sowie der Schwangerschafts- und Schuldenberatung. „Danke, dass Sie mit Ihrer Arbeit in diesem Haus den etwas blumigen Begriff der christlichen Nächstenliebe auf seine irdischen Füße stellen.“ Der stellvertretende Landrat Stefan Horndasch überbrachte Grüße und Glückwünsche des Landkreises Ansbach und des Landrates Dr. Jürgen Ludwig. „In Zeiten zunehmender Krisen und steigender Belastungen werden Unterstützungsangebote immer wichtiger“, betonte er.

Zwischen der Diakonie und dem Landkreis gebe es viele Berührungspunkte und eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir wissen um den Wert der sozialen Verbände und der Kirchen für unsere Gesellschaft, daher geben wir auch gerne eine Förderung zur allgemeinen sozialen Arbeit der Wohlfahrtsverbände“, so Horndasch. Die Stärke der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liege darin, dass sie nicht wegschauen, wenn es anderen schlecht gehe, und dass sie flexibel auf die Themen reagierten, die die Menschen bewegten.

Auch das Diakonische Werk Ansbach feiere in diesem Jahr ein Jubiläum, sagte dessen Geschäftsführer, Pfarrer Martin Reutter: sein 75-jähriges Bestehen. Er bezeichnete die Diakonie als das Gesicht der Kirche.

Immer mehr dringende Fälle

„Wir sind ein Bündnispartner für die Menschen, die uns brauchen. Die Wohnungslosen-Hilfe, die Suchtberatung, die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und die kirchliche Sozialarbeit – alle sind hier in diesem Haus untergebracht.“ Für die Diakonie und alle angeschlossenen weiteren Rechtsträger gelte als Leitwort „aufeinander zugehen, für einander da sein, gemeinsame Wege finden“.

Jasmin Thoma, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes, dankte für alle guten Worte und Wünsche und lud nicht nur zu Kaffee und Kuchen ein, sondern auch zu guten Gesprächen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie bedauerte, dass der sozialpsychiatrische Dienst immer mehr Menschen aufnehmen müsse, die eigentlich dringend psychotherapeutische Betreuung bräuchten. „Die psychische Versorgung ist ausbaufähig und viele Ärzte können keine neuen Patienten mehr annehmen.“

Wartezeiten für Hilfesuchende

Nicht nur in den Arztpraxen gebe es unzumutbar lange Wartezeiten, sondern mittlerweile auch in ihrer Einrichtung. „Wir sind keine Ärzte und kommen an unsere Grenzen, aber wir wollen niemanden hängen lassen.“

Bleibt zu hoffen, dass der Wunsch der Dekanin in Erfüllung geht: „Mögen Ihnen für weitere 25 Jahre weder Kraft noch Geld ausgehen. Mögen Ratsuchende gute Hilfe und Sie in Ihrer Arbeit Erfüllung finden.“


Von Karl-Heinz Gisbertz
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