Schon wenige Stunden nach dem Triumph von Winterberg saß der Ansbacher Felix Straub schon wieder im Bob. Dabei ging es allerdings deutlich entspannter zu als in den vier Läufen zur Weltmeisterschaft an den Tagen zuvor.
Bei den eher gemütlichen Gäste- und Sponsorenfahrten am Morgen danach schob und bremste der 26-Jährige wieder wie gewohnt. Dann wurden die Bobs verpackt für die Reise in die USA, wo Ende des Monats der letzte Weltcup diese Saison ausgetragen wird.
Damit war der Saisonhöhepunkt Geschichte. Aber natürlich wirkt der nach. Noch lange. „Ein tolles Erlebnis. Der größte Erfolg meiner Laufbahn als Sportler“, sagt Straub am Tag danach. Seine Stimme ist etwas rau. Könnte mit der Siegeszigarre zusammenhängen, die sich das Team aus gegebenem Anlass genehmigte. Gefeiert wurde in einem Irish Pub. Aber in Maßen. Um acht ging es am nächsten Tag ja schon wieder auf die Bahn.
Weltcups sind für Straub in seinem zweiten Jahr als Wintersportler mittlerweile Routine. „Die Weltmeisterschaft hat einen ganz anderen Stellenwert. Es sind vier statt nur zwei Läufe. Da wird härter trainiert, der Druck ist viel höher, alles wird noch einmal genauer gemacht“, berichtet Straub.
Auch die Sache mit den Kufen zum Beispiel. Die werden geschliffen, was jedes Mal locker eine Stunde in Anspruch nimmt, dann werden sie mit Politur behandelt und um zu kontrollieren, ob auch wirklich jeder kleinste Kratzer eliminiert wurde, kommen die Teile unters Mikroskop.
Die Mannschaft von Rekordweltmeister und Pilot Francesco Friedrich mit Straub, Thorsten Margis und Alexander Schüller distanzierte die Konkurrenz um fast eine Sekunde. Eine Welt. „Bloß der Start zum ersten Lauf war etwas holprig, auch durch die Kulisse, das ganze Drumherum war etwas unruhig“, sagt Straub.
„Dass wir so dominieren, hätte ich nicht gedacht.
Danach lief es rund für die Truppe aus Pirna, die nach dem ersten Tag schon klar führte und am zweiten den Titel sich nach Hause fuhr. „Dass wir so klar dominieren, hätte ich nicht gedacht“, sagt Straub, „ich hatte damit gerechnet, dass es echt hart und knapp wird“.
Stressig wurde es danach. Da sich die Dopingprobe hinzog, hetzte das Quartett ungeduscht zur Siegerehrung am Abend ins WM-Dorf auf dem Winterberger Marktplatz, wo der riesige Pokal wartete. Der bekommt nun eine neue Plakette verpasst und zum ersten Mal steht darauf der Name Felix Straub.
Für Straub ist es der zweite Weltmeistertitel seiner Laufbahn als Sportler. 2021 hatte er mit der deutschen 4x200-Meter-Staffel in Polen die World Athletics Relays, die inoffizielle Staffel-Weltmeisterschaft, gewonnen.
Damals fühlten sich die Sprinter bei Temperaturen um fünf Grad in Polen wie Wintersportler. Und im leeren Stadion Mitten in der Pandemie außerdem recht einsam. In Winterberg nun war das ganz anders. Hunderte Fans, viele davon mit Fahnen des Friedrich-Teams, sorgten für Stimmung.
2022 wechselte Straub von seinem Leichtathletikverein SC DHfK Leipzig ins Bobteam des Rekordweltmeisters Friedrich, wo er nun für den BSC Sachsen Oberbärenburg antritt.
Nicht nur ehemalige Leichtathleten finden sich etliche im Eiskanal, auch bei den Trainern gibt es Überschneidungen. Patrick Saile, der unter anderem die Sprinterin Amelie-Sophie Lederer aus Ornbau trainiert, war schon für Friedrichs großen Konkurrenten Johannes Lochner aktiv.
Der war schwer beeindruckt von der Vorstellung der Friedrich-Truppe: „Das war mal wieder grandios, was Francesco abgeliefert hat. Mit dieser Performance hat er einfach gezeigt, dass er der beste Bobfahrer der Welt ist.“ Mit den besten Anschiebern der Welt.
Europameister ist Straub im Bob schon geworden, nun auch Weltmeister. Das nächste große Ziel sind die Olympischen Spiele 2026 in Italien.