Sturzflutrisikomanagementkonzept – ein Wortungetüm stand auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Es ging um die Wassermassen, die bei Starkregen regelmäßig im Einzugsgebiet des Hennenbachs für große Schäden sorgen. Und um die Möglichkeiten, das Wasser in der Fläche zu halten, um verheerende Überschwemmungen in bebauten Gebieten zu vermeiden.
Als Initialzündung kann der 10. Mai 2018 gelten. Damals ergossen sich nach einem Starkregen schlammige Wassermassen von den Feldern oberhalb der Richard-Wagner-Straße über die Hänge und in die Häuser – von niemandem aufzuhalten. Ein Anwohner-Video, das davon Wochen später im Stadtrat gezeigt wurde, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei den Stadträten.
So nachhaltig, dass der Stadtrat ein „integrales Konzept zum kommunalen Sturzflutrisikomanagement“ für das Hennenbachgebiet auf den Weg brachte und den Untersuchungsbereich auf die Flächen oberhalb der Richard-Wagner-Straße, dem Heidingsfelderweg sowie Am Drechselsgarten ausweitete. Das Ganze zu 75 Prozent gefördert durch den Freistaat Bayern.
„Wir wollen nicht einfach etwas hinbauen“, sagte Baureferent Jochen Büschl damals. Und: Drei bis fünf Jahre werde es dauern, bis die Maßnahmen umgesetzt werden könnten.
Drei Jahre, bis zum Juli 2021, dauerte es dann, bis das Ingenieurbüro Steinbauer aus Georgensgmünd mit der Erstellung eines Konzepts beauftragt wurde. Jetzt, gut zwei weitere Jahre später, präsentierte Inhaber Michael Steinbauer im Bauausschuss beeindruckende Ergebnisse.
Weil die Hänge im Einzugsgebiet des Hennenbachs unterschiedlich bebaut und genutzt werden und Kanäle und Bauwerke das Abflussverhalten des Regenwassers beeinflussen können, waren umfangreiche Vermessungsarbeiten und Berechnungen notwendig. Teilweise sei ihr Hochleistungsrechner rund um die Uhr gelaufen, um schließlich Simulationen auszuspucken, schilderte Steinbauer. Ergebnis: Bei einer Jahrhundertflut, von Experten HQ100 genannt, bei der man wegen des Klimawandels eine zusätzliche Regenmenge von 15 Prozent aufschlägt, würden einige Bereiche des Stadtgebietes bis zu 1,50 Meter unter Wasser stehen. Die Simulationen Steinbauers sind so genau, dass sogar die Gebäude identifizierbar sind, die von der Flut direkt betroffen sein würden. Beispiel: Im Ortsteil Egloffswinden wären gleich 50 Gebäude gefährdet.
Das Ganze würde sich in rasender Geschwindigkeit abspielen. Steinbauer geht von einer Fließzeit von 45 Minuten aus. Dann wäre das Wasser wieder abgelaufen – und hätte bereits verheerende Schäden hinterlassen. „Das ist dynamisch wie eine Flutwelle“, sagte Steinbauer. Kein Vergleich mit einem Rezat-Hochwasser, das sich allmählich aufbaut. Steinbauer empfahl deshalb ein Frühwarnsystem, das auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes basiert und die Rettungskräfte in Echtzeit vor einem Überschwemmungs-Ereignis warnen könne: „Messungen vor Ort kommen wegen der schnellen Fließzeit zu spät.“ Ein solches System koste zwischen 20.000 und 40.000 Euro, so Steinbauer.
Es gibt auch berechtigte Hoffnung, dass die Katastrophe vermeidbar ist. „Wenn wir oben das Wasser zurückhalten, hat das große Wirkung weiter unten“, sagte Steinbauer. Dazu braucht es nach seinen Planungen Wälle und Auffangbecken, zum Beispiel im Bereich des Bernadottegrabens, am Pfaffenbuck, am Flemingweg, an der Wiesenstraße oder am Bismarckturm. Ein großes Rückhaltebecken sei nördlich von Hennenbach notwendig, stellte Steinbauer dar. Kompliziert sei es oberhalb der Richard-Wagner-Straße, dort empfahl Steinbauer kleinere Becken und einen Wall, der das Wasser seitlich ableitet. Statt auf 1,50 Meter Wasserhöhe könne man so im bebauten Gebiet auf 20 bis 40 Zentimeter herunterkommen.
Das alles wird eine Menge Geld kosten – und nicht alles wird durch den Freistaat gefördert, wie Nadine Wölkl, Abteilungsleiterin im Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA), darstellte. Denn die Förderung greife nur im Zusammenhang mit einem Gewässer, so Wölkl.
Direkt am Hennenbach oder auch am Bernadottegraben sei eine Förderung durchaus möglich, doch im Bereich der Richard-Wagner-Straße sei eine Förderung nur schwer umzusetzen, und auch am Bismarckturm habe sie „Bauchschmerzen“, weil weit und breit kein Gewässer vorhanden sei. Sie empfahl der Stadt, alternativ auch nach Fördermöglichkeiten durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) oder das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zu suchen.
„Wir müssen uns Maßnahmen ausdenken, die mit wenig Aufwand machbar sind“, sagte CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer. Die Vorsorge dürfe nicht mehr kosten, als Schäden durchs Hochwasser zu erwarten seien, konstatierte Baureferent Jochen Büschl. Doch auf der Basis der Berechnung des Büros Steinbauer sei mit kleinen Maßnahmen schon viel zu erreichen: „Das muss unser nächstes Thema sein.“ Tiefbauamts-Chef Christoph Wehrer sagte, kleinere Wälle und Mauern ergäben sich jetzt schon aus dem Konzept.
Von welchen Kosten man insgesamt ausgehen müsse, wollte BAP-Stadtrat Manfred Stephan wissen. Das habe man noch nicht hochgerechnet, sagte Michael Steinbauer. Doch Nadine Wölkl vom WWA deutete an, ein großes Becken, wie nördlich von Hennenbach sei „nicht günstig“.