Sie sind klein, unauffällig und suchen sich ihren Wirt: Zecken. Ihre Zahl nimmt – mindestens gefühlt – von Jahr zu Jahr immer stärker zu, was nicht zuletzt an den Klimaveränderungen liegt. Eine gute Nachricht aber bleibt: Die erfassten FSME-Zahlen der Gesundheitsämter in Neustadt und Ansbach sind bislang nicht besorgniserregend.
Einmal kurz im Wald durch hohes Gras gestreift, schon wimmelt es schwarz auf dem Bein. Manche Zecken sind so klein, dass sie mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Genau dort liegt die Tücke. Denn: Haben sie sich erst einmal festgebissen, sollten Betroffene nach dem Entfernen die Stelle genau im Auge behalten, empfehlen Ärzte. Wenn sich der Biss mehr als nur ein bisschen rötet und diese Rötung dann auch noch wandert, ist sofort medizinischer Rat nötig, schließlich ist das ein mögliches Zeichen für eine Borreliose. Antibiotikum kann dann helfen.
„Seit 2023 scheint es zu einem Anstieg der gemeldeten Borreliosefälle zu kommen”, betont Dr. Thomas Baumeister, Abteilungsleiter des Gesundheitsamtes in Neustadt. Aber: „Die Schwankungsbreite ist in den letzten Jahren groß, man muss erst noch abwarten, ob diese großen Schwankungen zur Norm werden oder ob sich die Fallzahlen auf einem bestimmten Niveau einpendeln.”
2025 hatte die Zahl der gemeldeten Borreliosefälle im Landkreis Ansbach laut Landratsamt bei 86 gelegen, im Nachbarlandkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sogar bei 110. „In der Regel erfolgt die Arztmeldung nach Feststellung eines Erythema migrans, auf Deutsch Wanderröte, einer sich kreisförmig ausbreitenden Hautrötung um die Einstichstelle eines Zeckenstichs”, erklärt Baumeister.
Diese Rötungen treten mittlerweile ganzjährig auf, während es früher zumindest im Winter eine Pause gab, betont der Leiter des Gesundheitsamtes in Neustadt. „Die durch die Klimaerwärmung ganzjährige Aktivität der Zecken, die Borrelien übertragen, ist als Erklärung plausibel. Insofern ist es sinnvoll, auch in der kalten Jahreszeit den Körper nach Aktivitäten im Freien nach Zecken abzusuchen, da man sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass die Zecken Winterruhe halten.”
Und bei den FSME-Zahlen? Fakt ist: Ganz Westmittelfranken zählt zum Risikogebiet. Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sind die Zahlen in der Statistik aber bislang noch zu vernachlässigen. Der Rekordwert der vergangenen Jahre liegt bei drei (2025). Im Ansbacher Kreis sind diese deutlich höher – mit einem Peak im Jahr 2024 (14 Fälle). Die gute Nachricht: In diesem Jahr wurde den Gesundheitsämtern bislang in keinem der beiden Kreise auch nur ein einziger FSME-Fall gemeldet, wobei die Saison natürlich auch gerade erst begonnen hat.
„Einen Trend kann man aus den Fallzahlen im Landkreis NEA nicht ablesen, die Fallzahlen sind hierfür zu niedrig”, betont Baumeister. Allerdings geht er von einer hohen Dunkelziffer aus. Der Grund: „Ein Großteil von FSME-Fällen – 70 bis 90 Prozent – verläuft ohne klinische Symptome. Das heißt: Der oder die Betroffene merkt nichts von seiner oder ihrer Erkrankung.”
Also doch impfen lassen? „Eine Schutzimpfung existiert aktuell nur gegen die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Gegen Borrelia burgdorferi, den Erreger der Borreliose, gibt es bislang keine Impfung”, erklärt Dr. Thomas Baumeister. Aber nutzen denn viele die Möglichkeit? „Über Impfquoten hinsichtlich FSME können wir keine Aussagen für die Gesamtbevölkerung treffen, da diese nicht systematisch erfasst werden.”
Bei der alljährlichen Impfberatung, die für Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim vorgenommen wird, sei festzustellen, dass der Anteil der Schüler, die einen vollständigen Impfschutz gegen FSME aufweisen, in den vergangenen drei kontrollierten Jahrgängen annähernd gleich war: „bei etwa 50 Prozent”. Ein Trend in Richtung mehr oder weniger Impfungen gegen FSME ließ sich dabei laut Baumeister aber nicht erkennen. Und: „Einschränkend muss man sagen, dass die Teilnahme an der Beratung freiwillig ist, sodass Personen, die gegenüber Impfungen skeptisch eingestellt sind oder wenig Interesse daran haben, wahrscheinlich unterrepräsentiert sind.”
Was aber lässt sich sonst noch gegen die Quälgeister tun? Experten raten vor allem fünf Dinge. Helle Kleidung tragen: Die krabbelnden Zecken, die farblich meist schwarz/dunkelbraun sind und bisweilen ins Rötliche tendieren, sind darauf deutlich besser zu erkennen. Die Haut bedecken: Die Hosenbeine können schließlich auch in die Socken gesteckt werden.
Wege nutzen: Wenn es irgendwie möglich ist, sollten Wandernde, sowie Spaziergängerinnen und Spaziergänger hohes Gras meiden. Denn dort lauern die Blutjäger besonders gerne. Und: Nach jedem Aufenthalt im Grünen sollten alle Menschen ihren Körper genau absuchen, besonders Achseln, Kniekehlen, Haaransatz und Intimbereich. Tipp Nummer fünf: Auch wenn sie sicherlich kein Allheilmittel sind, können entsprechende Mittel quälende Insekten fernhalten. Aber vor allem gilt eines: Im Fall der Fälle Ruhe bewahren. Panik nutzt schließlich niemandem weiter.