Der Aischtalradweg ist vor allem in den Frühjahrs- und Sommermonaten bei Radfahrern sehr beliebt. Doch nun drohte Ungemach: Der Radwegebeauftragte der Gemeinde Gutenstetten, Norbert Reinzuch, sieht die neue Werksausfahrt der Brauerei in Pahres als Gefahrenstelle und warnte ausdrücklich. In der Ratssitzung am Montag wurde nun über Lösungen diskutiert.
Die Lastwagen fahren demnach vom Gelände der Brauerei direkt auf den Radweg, der in diesem Abschnitt ein Flurweg sei. Darin sieht Reinzuch eine ernste Gefahr für Radfahrer – er sorgt sich um deren Wohlergehen, schließlich sei klar, wer den Kürzeren zieht, sollte es zu einem Unfall kommen. Um das zu verhindern, hatte der Radwegebeauftragte in der Sitzung davor dringend gebeten, sich Gedanken zu machen.
Es sei lobenswerterweise viel Geld in die Hand genommen worden, um an der B470 bei Pahres – an dem Übergang des Radweges über die B470 hatte es tödliche Unfälle mit Radfahrern gegeben – die Gefahrenstelle mit einer Unterführung zu beseitigen. Entsprechend verstehe er nicht, weshalb nun eine neue Gefahrenstelle auf dem Aischtalradweg geschaffen wurde, so Reinzuch.
Schon in der Bürgerredezeit vor der Ratssitzung am Montag ploppte das Thema wieder auf. Inhalte des möglichen Beschlusses sickerten offenbar zuvor nach außen durch und stellten Reinzuch alles andere als zufrieden. Geplant ist demnach, Schilder aufzustellen – sie sollen auf die allgemeine Gefahrenstelle hinweisen samt Zusatzschild „Werksausfahrt“, auf beiden Seiten. Diese Lösung habe die Verwaltung erarbeitet.
„Das kann ich so nicht akzeptieren.“
Außerdem sei mit der Firma abgesprochen, dass auf dem Werksgelände ein Stoppschild und eine weiße Linie angebracht werden, um deutlich zu machen, dass die Radfahrer an dieser Stelle Vorfahrt haben. Beschließen könne der Rat das aber nicht, weil es Privatgrund betrifft, betonte der Geschäftsstellenleiter der VG Diespeck, Jürgen Distler.
Reinzuch zeigte sich davon nicht angetan: „Das kann ich so nicht akzeptieren.“ Er forderte eine Verkehrsschau, zu der auch er eingeladen werde. Wenn man Wert darauf legt, dass er sein Amt ordentlich ausübt, müsse er bei solchen Entscheidungen einbezogen worden, lautete Reinzuchs Appell.
Der Gutenstettener Radwegebeauftragte hatte sich auch mit Sebastian Haser, Radverkehrsbeauftragter am Landratsamt, kurzgeschlossen. Dieser hatte per E-Mail geantwortet, dass auch aus Sicht des Verkehrswesens der Kreisbehörde Maßnahmen zur Absicherung und Hinweise für Radfahrer erfolgen müssen.
Die Vorfahrtsregelung an der Werksausfahrt müsse für Lasterfahrer eindeutig sichtbar sein, erklärte Haser in dem Schreiben. Er regte auch an, abzuklären, ob ein Verkehrsspiegel womöglich die Sichtverhältnisse verbessern könnte. Und vielleicht, so der Landratsamtsvertreter, gebe es ja auch die Möglichkeit, jene Ein- und Ausfahrt nur in eine Fahrtrichtung zu nutzen. Denn: „Insbesondere bei Begegnungsverkehr auf dem schmalen Zubringer zur Einfahrt könnte es für Radler unangenehm eng werden.“
„Der Mann hat da nicht wenig Geld investiert.“
In der Diskussion regte Ursula Pfäfflin Nefian an, diesbezüglich doch noch einmal das Gespräch mit der Firma zu suchen, womöglich sei das ja relativ einfach umsetzbar. Und: „Ich fände das schon auch angebracht, einen Ortstermin zu machen.“ Enge, Lkw-Verkehr und Radfahrer – dieses Szenario habe man beispielsweise auch in Städten. So seien schon Radler gestorben, weil sie vom Lasterfahrer wegen des toten Winkels schlichtweg nicht sichtbar waren, so die Rätin.
Vize-Bürgermeister Richard Frühwald mahnte allerdings: „Fakt ist, dass es die Ausfahrt noch nicht so lange gibt.“ 2019 hatte das Ratsgremium dafür einstimmig grünes Licht gegeben. „Insofern gibt es aus meiner Sicht keine Diskussionsgrundlage mehr.“ Denn: „Der Mann hat da nicht wenig Geld investiert.“ Er habe nichts gegen eine Besichtigung vor Ort, warnte allerdings davor, „das Pferd von hinten aufzuzäumen“.
Petra Loscher schlug vor, die beiden Schilder – Werksausfahrt und Warnung vor einer Gefahrenstelle – schon jetzt zu bestellen („Die brauchen wir sowieso“) und dann vor Ort noch zu schauen, ob noch etwas und wenn ja, „was noch verbessert werden kann“. Alexander Scheumann stimmte zu, schließlich müssten alle Seiten ein Interesse daran haben, dass dort nichts passiert. Entsprechend kam die dringende Bitte auf, noch vor dem Beginn der neuen Radsaison im Frühjahr zu handeln.
Einstimmig wurde die Beschilderung beschlossen. Sobald die Schilder aufgestellt wurden soll dann noch ein Vor-Ort-Termin für weitere Beratungen vereinbart werden.