Der Bebauungsplan für das Gaisfeld IV, Bauabschnitt zwei, wurde Anfang des Jahres vom Stadtrat als Satzung beschlossen. Damit endete ein langjähriges Verfahren, in dessen Zentrum die Konkurrenz zwischen den Bedürfnissen der Natur und der Forderung nach Bauland stand. Jetzt sollte die Bauleitplanung bereits wieder geändert werden.
Der Bauausschuss diskutierte rund zwei Stunden lang über das Bauvorhaben der WISA Baubetreuungs- und Bauträgergesellschaft mbH, die auf einem Areal an der Zunftreigenstraße Kettenhäuser errichten will. Bernd Liebel, der Architekt, dessen Büro die Planung entworfen hat, stellte das Projekt vor, mit dem „im verdichteten Bereich hochwertige Einfamilienhäuser” entstehen sollen. Die Rede war von „bezahlbarem Wohnraum”, denn durch „serielle Fertigung und Planung” der Gebäude auf kleineren Grundstücken werde der Bau günstiger. Was so ein Haus im Gaisfeld IV dann kosten würde, konnte er nicht beziffern. Er sprach von 15 bis 20 Prozent Einsparungen bei einer Investition der Größenordnung von 600.000 Euro.
Die Krux an der Sache: Anstatt der im Bebauungsplan vorgesehenen 21 Häuser will die WISA 23 bauen. Damit würden die vorgegebenen Baulinien überschritten werden. Und auch mit der festgelegten Höhe käme der Investor nicht hin, die liegt im Bebauungsplan derzeit bei 8,50 Meter. Nötig wären aber 9,50 Meter. Um das Projekt in der geplanten Form umsetzen zu können, wären also Befreiungen vom nicht mal seit einem Jahr rechtskräftigen Bebauungsplan nötig.
Holger Göttler (Freie Wähler) haderte mit der Verdichtung auf dem Grundstück. Um zwei weitere Gebäude auf der Fläche unterzubringen, würden öffentliche Parkplätze reduziert. Zwölf bis 15 wären laut Bebauungsplan in diesem Bereich vorgesehen, durch das Vorhaben der WISA wären es dann aber nur noch fünf. Was Göttler ebenfalls kritisierte: Grünflächen würden „komplett eliminiert”. Göttler sprach von einer „bedenklichen Maximierung” und fürchtete im privaten Bereich eine „komplette Versiegelung”. Architekt Liebel konterte diesen Einwand mit dem Hinweis, dass anderswo ja weniger Häuser gebaut werden müssten, wenn auf dem besagten Grundstück an der Zunftreigenstraße mehr Gebäude entstehen würden.
Ob es Mitbewerber für die Bebauung dieses Grundstücks gegeben habe, wollte Florian Zech (DGG) wissen. Schließlich handele es sich um ein „extrem wertvolles” Grundstück, bei dem die Frage erlaubt sein müsse, wie es am nachhaltigsten bebaut werden könnte. Er glaube nicht, dass das präsentierte Projekt das sei, „was wir für einen Teil unserer Bürgerschaft suchen”. Der Stadtrat müsse sich gut überlegen, „wie wir mit einem der letzten Filetstücke umgehen”.
Er regte an, weitere Entwürfe für die Bebauung einzuholen. Auch Alexander Bromberger (Grüne) würde es begrüßen, wenn es eine Auswahl an Ideen für das Areal gäbe. Und er merkte noch an: „Es stößt sauer auf, dass bei der ersten Vorstellung des Konzepts die Infos anders rüberkamen.” Außerdem sei damals nicht klar gewesen, wer der Investor ist, schickte er noch hinterher.
Paul Beitzer (SPD) nannte den Versuch, so ein Wohnbaukonzept zu planen, grundsätzlich „begrüßenswert”. Aber jetzt, wo sich zwei andere Investoren von Flächen im Gaisfeld IV zurückgezogen hätten, bestehe die Möglichkeit für ein städtebauliches Gesamtkonzept. „Wir müssen doch nicht auf Teufel komm raus vermarkten”, befand er. Er regte an, „einen Schritt zurückzugehen und für den gesamten Riegel etwas städtebaulich Hochwertiges” zu planen. Denn: „Wir werden nicht so schnell wieder so große Flächen haben.”
Wilfried Lehr (Wählergruppe Land) bemängelte die Kommunikation zwischen Verwaltung und Stadtrat. Dem Gremium sei nicht von Anfang an transparent gemacht worden, „wer dahinter steckt”, sagte er. Und was ihn an der Sache besonders störe: „Die Klientelplanung, das ist der Punkt.”
Lehr wollte wissen: „Wie definiert man Quantität? Ist das möglichst viel Masse auf einem Fleck?” Wie sehe die Begründung dafür aus, dass der Investor die Baugrenzen überschreiten müsse? „Wie wird günstiger Wohnraum definiert?”, fragte er. Sei es nicht eher so, dass die Häuser auf den Markt kommen „und der höchste Preis wird aufgerufen?”, fügte Lehr noch hinzu. Er verstehe die Diskussion nicht: „Der Bebauungsplan wird doch unglaubwürdig, wenn wir ihn ständig ändern.”
Klaus Huber (CSU) bewertete die Debatte des Gremiums indes als „überflüssig”. Die Befreiungen vom Bebauungsplan seien doch ein „ganz normaler Vorgang”. Die Grundkonzeption sei „schlüssig und gut”, befand er.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) wies den Bauausschuss auf ein Dilemma hin: Auf zwei weiteren großen Flächen seien Interessenten für den Grundstückserwerb weggefallen. Er forderte Simone Sellner, die im Rathaus für Liegenschaften zuständig ist, auf, über die aktuelle Marktsituation zu berichten. Da sei die Stadt Dinkelsbühl bei der Nachfrage nach großen Grundstücken derzeit nicht gut aufgestellt, sagte sie.
OB Hammer, der sich in der öffentlichen Sitzung für den vorgestellten Entwurf einsetzte, meinte am Ende der zweistündigen Diskussion: „Nehmt halt die zwei Grundstücke raus.” Der Vorschlag, zwei Häuser mehr zu errichten, sei vom Investor gekommen. Die Sitzung endete ohne Beschluss.
Diese Diskussion ohne Ergebnis verfolgten einige Leute von der Zuhörerbank des Sitzungssaals aus. Nach dem Ende der öffentlichen Sitzung antworteten sie, von der FLZ befragt: „Wir wollen im Gaisfeld ein Haus bauen. Da interessiert uns schon, was da möglicherweise in der Nachbarschaft entsteht.”