Hoppla. Die Lockerheit ist weg, der Charme wie ausgeknipst. David Lugert hält sich an einer schwarzen Notenmappe fest. Er, der Entertainer, Vox-Pop-Tenor, Viva-Voce-Showmaster, er steht todernst wie ein Oratoriensänger auf der Bühne. Wie das jetzt? Man muss sich nicht sorgen. Er startet mit einem Bluff in sein Soloprogramm.
David Lugert singt zum Einstand erst einmal Händel. Was aber sehr schön ist. Er singt nicht irgendeine Händel-Arie. Er nimmt, ein wenig tiefergelegt, die ersten beiden Tenor-Nummern aus dem „Messiah”. Micheal Leipold vertritt dabei am Keyboard das Orchester. Und ja, was soll man sagen: Es ist ein Moment zum Händefalten.
Danach pfeffert der ehemalige Windsbacher seine Notenmappe auf den Boden, knipst seinen unverwechselbaren David-Lugert-Charme an und ist wieder der, den man von Viva Voce kennt. Franz Dietlein, der Mann an der Gitarre, kommt dazu. Das Trio ist komplett und macht seine Sache so großartig, dass zweieinhalb Stunden klingende Wohlfühlkur folgen. Mitklatschen erlaubt, Mitsingen erwünscht, falls es passt.
Große Gefühle treffen auf Witz und Ironie. So bleibt die Show in Balance, hat Gewicht – und zieht doch nicht nach unten. Im Gegenteil. Da ist ein Zug nach oben. Reinhard Meys Fliegerhymne „Über den Wolken” hat den, aber nicht nur sie. Das ganze Programm „Töne, Thesen, Temperamente” hat ihn.
Das Spektrum ist breit. Es reicht von „Nur für dich” der Wise Guys über Billy Joels „Piano Man” bis hin zu Udo Jürgens' „Ich war noch niemals in New York“ und von Leonard Cohens „Hallelujah” über Jacques Offenbachs „Barcarole” bis zu „New York, New York”. Zwischendurch schaut Lugert, nun auch schon 45, zurück und erzählt aus seinem Leben, Anekdotisches, Prägendes und Wegweisendes: Momente des Glücks – und des nicht ganz Geglückten. Der Ort ist dieses Mal für Persönliches besonders prädestiniert: die Windsbacher Stadthalle. Lugert kennt sie lange.
Schon beim Abiball im Jahr 2000 hätten er und seine Freunde gedacht, sie sollte einmal renoviert werden. Die Akustik aber sei gut – der runden Ecken wegen. Die müssten bei der anstehenden Renovierung erhalten bleiben, empfiehlt er Matthias Seitz, dem Bürgermeister. Lugert nutzt den Raum auch gleich mit seinen Möglichkeiten. Den Secret-Garden-Song „You Raise Me Up” beginnt er auf der Empore – ein Gänsehautmoment.
So bunt die Mischung der Show ist, sie ist nicht beliebig. Den Händel-Einstieg kann man programmatisch nehmen. „Tröstet, tröstet mein Volk” lauten die ersten Worte des Sängers. Trost, Ermutigung, Zugewandtheit, Wertschätzung, Liebe angesichts von Unsicherheit, Sorgen und Angst – das ist die Grundhaltung, die David Lugert verkörpert und in den Songs, auch den eigenen, ausdrückt. Und dann ist da noch ein doppelter Blick: einer zu den Menschen und einer zu einer übergeordneten Instanz. Viel drin, in dieser Hitparade.