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Veröffentlicht am 16.04.2026 06:00

„Wir sind Ansbacher”: Blick hinter die Kulissen der Johann Mader GmbH

Logistik ist überall. Kaum jemand macht sich Gedanken, welcher Aufwand dahintersteckt, damit die im Netz bestellte Jeans tatsächlich am nächsten Tag vor der Haustür liegt. Doch das ist nur ein kleiner Teilaspekt einer Branche, die meist im Schatten steht. Der Tag der Logistik am Donnerstag, 16. April, lenkt den Fokus auf die Branche.

Die Johann Mader GmbH in Brodswinden zählt zu den ältesten Ansbacher Unternehmen überhaupt. Gründungsjahr 1873. Die damaligen Pferdekutschen haben schon lange ausgedient. Lange stand der Name in Ansbach für Umzüge, was in vielen Köpfen noch immer verankert ist, auch wenn es diesen Geschäftszweig gar nicht mehr gibt. „Das haben wir abgegeben“, sagt Matthias Irion.

Seit fünf Jahren inhabergeführt

Er ist ebenso wie Philipp Thiele geschäftsführender Gesellschafter von Mader. Vor fünf Jahren haben die beiden Führungskräfte das Logistik-Unternehmen übernommen. Zuvor war es in der Hand privater Kapitalgeber. Ein klassisches Management-Buy-out also. Thiele ist 40, Irion 56. „Der Altersunterschied ist gut, weil wir aus anderen Blickwinkeln auf die Dinge blicken, aber dennoch ganz ähnlich ticken“, sagt Irion. Der gebürtige Ansbacher ist seit 40 Jahren bei Mader, hat seine Ausbildung zum Speditionskaufmann dort gemacht. Thiele stammt aus dem Umland von Berlin, bringt es inzwischen auch auf 13 Mader-Jahre und fühlt sich in Franken sichtlich wohl.

Seit 2021 haben Irion und Thiele das Unternehmen „breiter aufgestellt”. Entstanden ist ein Konstrukt auf vier Säulen, das die beiden Chefs unter dem Überbegriff „Intelligente Logistik“ zusammenfassen.

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Dazu gehören sechs Logistikzentren im süddeutschen Raum, drei davon in Brodswinden und Claffheim. Die anderen drei stehen in Nürnberg, Heidelberg und Ditzingen bei Stuttgart. 100.000 Quadratmeter Lagerfläche, 200.000 Palettenstellplätze und mehr als 30.000 Fachbodenplätze – das sind die nüchternen Zahlen. Für den Laien klingt das groß. Die Logistikbranche mit ihren riesigen Hallen denkt gern noch größer. „Für uns passt das so“, sagt Matthias Irion sichtlich zufrieden. „Wir haben unsere Nischen gefunden.“ Mit individuellen Lösungen für gut 250 Kunden kommt Mader auf einen Jahresumsatz von knapp 30 Millionen Euro.

Signalwirkung für andere Standorte? Bei „Hermes Einrichtungs Service“ in Elpersdorf wird erstmals ein Betriebsrat gewählt. (Foto: Florian Pöhlmann)
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400 Menschen arbeiten heute für den mittelfränkischen Dienstleister. Am Hauptsitz im Industriegebiet Brodswinden sind es 180, etwa 50 davon in der Verwaltung.

Die erste Säule sind Lagerleistungen für Firmen wie Bosch oder Oechsler im Industriegebiet Brodswinden. Das nennt sich Kontraktlogistik. Mader sorgt dafür, dass alle Teile, die für die Produktion benötigt werden, rechtzeitig angeliefert werden. Teilweise ist das Zeitfenster nur 60 Minuten. „Das ist ein ausgeklügeltes System“, sagt Thiele.

Leergutmanagement als Nische besetzt

Säule Nummer 2 sind Startup-Betriebe, die die Bestellungen in ihren eigenen Onlineshops von Mader erledigen lassen. Der Fachbegriff lautet Fullfillment. Die Kundschaft merkt dabei gar nicht, ob ihre Bestellung in München oder in Brodswinden verpackt worden ist.

Das Logistikzentrum, das die Firma GBL im Ansbacher Süden errichtet hat, ist nun in Betrieb. Mieter des gesamten Komplexes ist die Elektrofirma Haier Germany, die hier ihr zentrales Lager eingerichtet hat. (Foto: Jim Albright)
Das Logistikzentrum, das die Firma GBL im Ansbacher Süden errichtet hat, ist nun in Betrieb. Mieter des gesamten Komplexes ist die Elektrofirma Haier Germany, die hier ihr zentrales Lager eingerichtet hat. (Foto: Jim Albright)

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Eine echte Nische ist die dritte Säule: das Leergutmanagement für die Industrie. Vor allem in der Automobilbranche ist es üblich, zugekaufte Teile in speziellen Transportboxen zu befördern. Diese müssen nach Gebrauch gereinigt und wieder zum Zulieferer gebracht werden. „Dafür ist einiges an Organisation erforderlich“, erklärt Matthias Irion. Denn jeder Hersteller hat seine eigenen Boxen und will auch nur diese im Umlauf wissen.

Eine weitere Besonderheit kann Mader als Säule Nummer 4 vorweisen: Irion spricht von „Value added Services“, also dem Mehrwert, der über Lagerung und Lieferung hinausgeht. Das Logistikunternehmen ist qualifiziert für Luftfrachtsicherheit. „Das heißt, wir dürfen direkt ins Flugzeug liefern“, erklärt Irion. Um die entsprechenden Zertifikate zu bekommen, muss man sich als besonders zuverlässig erwiesen haben. Damit verbunden sind zudem hohe Anforderungen an das Personal. Bei Neueinstellungen müssen immer erst verschiedene Sicherheitsfragen geklärt werden.

Der fünfte Geschäftszweig ist noch jung. Mader ist 2023 eine Kooperation mit einem indischen Speditionsunternehmen eingegangen und fungiert damit als Schnittstelle für jene, die von dort auf den europäischen Markt drängen oder von hier in Südasien Geschäfte machen wollen.


Wir sind Ansbacher.

Matthias Irion

Die verschiedenen Geschäftsbereiche machen das Unternehmen unabhängiger. Wenn aktuell die wirtschaftliche Flaute die Industrie schwächeln lässt, läuft dafür der E-Commerce mit den Startups besser. Außerdem macht es die Gesamtsituation der Wirtschaft etwas leichter, Personal zu finden. Es hat eben alles zwei Seiten.

In vielerlei Hinsicht ein Plus ist der Firmensitz im Industriegebiet von Brodswinden. Mitten unter Produktionsbetrieben und nur einen Steinwurf von der Autobahn entfernt, ist man schnell in Nürnberg, Stuttgart oder anderen Wirtschaftszentren in Süddeutschland. Während die Mitbewerber die verkehrsgünstige Lage entlang der A6 im Landkreis Ansbach erst in den vergangenen Jahren entdeckt haben, ist Mader hier bereits seit 1999 daheim.

Und das soll auch so bleiben. „Der Hauptsitz ist hier und der Hauptsitz bleibt hier“, sagt Matthias Irion mit Nachdruck. Die Verbundenheit zur Region zeigt sich unter anderem darin, dass Mader nach dem Management-Buy-out wieder als Sponsor mehrerer Ansbacher Sportmannschaften auftritt. Irion: „Wir sind Ansbacher.“

Philipp Thiele (links) und Matthias Irion sind die geschäftsführenden Gesellschafter von Mader Logistik. Das Unternehmen gibt es seit mehr als 150 Jahren. (Foto: Robert Maurer)
Philipp Thiele (links) und Matthias Irion sind die geschäftsführenden Gesellschafter von Mader Logistik. Das Unternehmen gibt es seit mehr als 150 Jahren. (Foto: Robert Maurer)
Philipp Thiele (links) und Matthias Irion sind die geschäftsführenden Gesellschafter von Mader Logistik. Das Unternehmen gibt es seit mehr als 150 Jahren. (Foto: Robert Maurer)
Auch das ist moderne Logistik: Mader übernimmt für Firmen im Onlinehandel das Lagern der Ware, das Verpacken und den Versand zum Endkunden. (Foto: Robert Maurer)
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