Zähes Ringen um das Montessori-Zentrum in Ansbach | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 19.02.2025 07:00

Zähes Ringen um das Montessori-Zentrum in Ansbach

„Es ist noch vieles unklar.“ So leitete Stadtplanerin Andrea Heinlein die jüngste Etappe zum geplanten Neubau des Montessori-Zentrums im Bauausschuss ein. Tatsächlich türmen sich auch mit einem veränderten Entwurf noch etliche Fragezeichen auf. Vor allem das Verkehrsaufkommen ist so umstritten, dass sogar ein Aus für das Projekt im Raum steht.

Es ist ein langer Weg, den das geplante Vorhaben in der Grenzstraße bereits hinter sich hat. Im Juni 2024 hatte der Stadtrat die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans beschlossen. Die Beteiligung der Behörden, Träger sonstiger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit wurden in der Zwischenzeit durchgeführt. Doch zwei Eckpunkte der Planungen haben sich bis heute nicht für alle Seiten zufriedenstellend lösen lassen.

Meinungen gehen weit auseinander

Mit der bereits in der Sitzung des Bauausschusses im November sehr kritisch hinterfragten Riegelwirkung des dreigeschossigen Objektes kann sich die Verwaltung dank der neuen Planung zumindest anfreunden – auch wenn „der Eindruck der Höhenentwicklung dadurch nur bedingt abgemildert wird“, wie es in der Vorlage hieß. „Es ist eine deutliche Verbesserung“, meinte Heinlein, der neue Entwurf setze die städtebaulichen Vorgaben noch am verträglichsten um, schränkte aber ein: „Es ist immer noch dieselbe Baumasse.“

Allerdings ist bei dem favorisierten Entwurf, für den das Architektenbüro „Leupold, Braun, Goldbach“ verantwortlich zeichnet, der Baukörper nun stärker gegliedert und die Traufe signifikant unterbrochen. „Eine klare Formensprache“ und die farbliche Absetzung der verschiedenen Bauelemente deuteten aus Heinleins Sicht in die richtige Richtung.

Der Oberbürgermeister rief zur Ordnung

Doch die Meinungen über den neuerlichen Entwurf gingen im Bauausschuss noch immer weit auseinander. Was Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) einschreiten ließ: „Es soll ein Signal für den Vorhabenträger sein, wie er mit der Fassadengestaltung weitermachen kann“, rief er die Räte zur Ordnung.

Freilich ist auch für den Oberbürgermeister wie für viele Ausschussmitglieder die zweite Kernfrage des Projekts nicht gelöst. Konkret geht es um den am Bocksberg mutmaßlich entstehenden Hol- und Bringverkehr und um die Frage, ob die bereits jetzt verkehrstechnisch stark frequentierte Einmündung in den Hohenzollernring nicht überlastet wird – immerhin müssen rund 300 Schüler und 80 Kinderkrippenkinder an den Wochentagen zum Montessori-Zentrum gelangen. Zu Fuß, per Rad oder – wie im Ausschuss vermutet – größtenteils mit einem Eltern-Taxi.

Die Möglichkeit, die ein paar hundert Meter entfernten Parkmöglichkeiten am Messegelände zu nutzen, wie es Dr. Bernhard Schmid (Grüne) ins Spiel brachte, kritisierte Dr. Markus Bucka (BAP) als weltfremd und raunzte den Kollegen an: „Was haben Sie denn eingeworfen?“ Auch CSU-Stadtrat Jochen Sauerhöfer brachte seine Bedenken zum Ausdruck und schlussfolgerte für den Knoten Waldheimweg/Hohenzollernring: „Wir werden dort eine Ampel brauchen.“


„Was haben Sie denn eingeworfen?“

Dr. Markus Bucka

Von dem Ergebnis eines Verkehrsgutachtens, das die Stadt inzwischen in Auftrag gegeben hat und das vom Montessori-Verein finanziert wird, hängt nach aktuellem Stand das Wohl und Wehe des Vorhabens ab. Der Oberbürgermeister möchte anhand der Expertise eines Fachmannes sichergestellt haben, dass die Bewohner der Bocksbergsiedlung nicht durch einen Durchgangsverkehr belastet werden.

„Wenn die Erschließung nicht gesichert ist, geht es halt nicht“, machte Deffner seine grundsätzliche Haltung deutlich. Allerdings wurde im Ausschuss auch die Sorge laut, dass der Montessori-Verein bei zu viel Gegenwind in der jetzigen Planungsphase einen anderen Standort als Ansbach für sein Zentrum wählen könnte.

„Es ist wichtig, dass wir eine Lösung finden, sodass die Schule in der Stadt bleiben kann“, fand Grünen-Stadträtin Sabine Stein-Hoberg einen versöhnlichen Ansatz vor der Abstimmung: Die fiel mit 10:6 Stimmen knapp aus, lässt die Planungen aber zumindest weitergehen.

Die Ansicht von der Nordseite aus: Die verschiedenen Baukörper der Montessori-Schule sind bei dem neuen Entwurf deutlich gegliedert und farblich voneinander abgegrenzt. Doch die Verkehrsführung ist weiterhin ein strittiger Punkt. (Grafik: LBGO Architekten)
Die Ansicht von der Nordseite aus: Die verschiedenen Baukörper der Montessori-Schule sind bei dem neuen Entwurf deutlich gegliedert und farblich voneinander abgegrenzt. Doch die Verkehrsführung ist weiterhin ein strittiger Punkt. (Grafik: LBGO Architekten)
Die Ansicht von der Nordseite aus: Die verschiedenen Baukörper der Montessori-Schule sind bei dem neuen Entwurf deutlich gegliedert und farblich voneinander abgegrenzt. Doch die Verkehrsführung ist weiterhin ein strittiger Punkt. (Grafik: LBGO Architekten)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north