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Veröffentlicht am 08.09.2026 04:45

„Zitrusbäume sind Diven“: Was sie zum Gedeihen brauchen

Zitruspflanzen gelten als anspruchsvoll, da sie sehr sensibel auf bereits kleine Pflegefehler reagieren - insbesondere beim Gießen, bei der Wahl des Standorts und bei der Überwinterung. (Foto: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn)
Zitruspflanzen gelten als anspruchsvoll, da sie sehr sensibel auf bereits kleine Pflegefehler reagieren - insbesondere beim Gießen, bei der Wahl des Standorts und bei der Überwinterung. (Foto: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn)
Zitruspflanzen gelten als anspruchsvoll, da sie sehr sensibel auf bereits kleine Pflegefehler reagieren - insbesondere beim Gießen, bei der Wahl des Standorts und bei der Überwinterung. (Foto: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn)

Zitruspflanzen bringen ein Stück Süden auf Balkon und Terrasse. Doch wer Zitronen, Mandarinen und Co. selbst ziehen möchte, braucht etwas Fingerspitzengefühl – denn die Pflanzen haben durchaus ihre Eigenheiten.

„Sie blühen und duften herrlich, sie sind wunderschön und die Früchte von vielen kann man abpflücken und frisch essen. Vor allem Mandarinen schmecken selbst gezogen sehr oft besser als gekauft“, sagt Heinrich Beltz, Gartenbauingenieur und Buchautor („Zitruspflanzen – Erfolgreiche Anzucht und Pflege“). „Andere Arten sind zum Kandieren oder Marmelade kochen geeignet. Aber Zitrusgewächse sind auch empfindlich, wie die Prinzessin auf der Erbse“

Besonders heikel seien sie in Bezug auf den pH-Wert des Substrats, in dem sie wachsen. Der Bereich, in dem sie optimal gedeihen, ist relativ eng. Ist der pH-Wert zu niedrig oder zu hoch, können Zitruspflanzen nicht alle Nährstoffe in ausreichendem Maß aufnehmen.

Das gelte zum Beispiel für Eisen, wie Lutz Popp als Gartenbauwissenschaftler vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege erklärt. Die Folge sind gelb gefärbte Blätter und ein gestörtes Wurzelwachstum.

Spezialerde für „Prinzessinnen“

Da es extrem kompliziert ist, den pH-Wert richtig einzustellen, rät Heinrich Beltz die betroffenen Pflanzen umzutopfen. Dabei sollte die lockere alte Erde abgeschüttelt und die Pflanze in Zitruserde, eine Spezialerde für Zitruspflanzen, gesetzt werden.

Laut Heinrich Beltz und Lutz Popp sind Spezialdünger oder -erden bei den meisten anderen Pflanzen überflüssig, aber bei Zitrusbäumen setzen sie darauf – denn die sind eben „Diven“. Ideal sei es, sie alle zwei bis drei Jahre neu zu topfen, bevor Mangelerscheinungen auftreten.

Die Härte des Gießwassers beeinflusst den pH-Wert der Erde ebenfalls. „Das Wasser sollte eine Carbonathärte von sechs bis zehn haben. Das Leitungswasser in vielen Regionen Norddeutschlands liegt in diesem Bereich. Regenwasser ist zu weich“, so Zitrusexperte Beltz. Er hat selbst beobachtet, dass die Kübelerde versauert, wenn Pflanzen über Jahre ausschließlich mit Regenwasser gegossen werden. 

Anders sieht es in Gegenden aus, in denen die Härte des Leitungswassers höher als zehn ist. Das ist unter anderem im Raum München und weiteren Gebieten in Süddeutschland der Fall. Hier steigt der pH-Wert des Substrats zu stark an, wenn sie nur mit Leitungswasser gegossen werden. Deshalb empfiehlt Lutz Popp in diesen Regionen Regenwasser zuzugeben.

Bleibt noch die Frage, wie oft Zitrone, Mandarine und Co. gewässert werden sollten. Sie brauchen deutlich weniger Wasser als etwa eine Hortensie, leiden aber bei Trockenheit, sagt Heinrich Beltz. Je nach Größe des Pflanzgefäßes rät er ganz grob dazu, im Sommer alle ein bis zwei Tage zu gießen, im Winter genüge etwa einmal pro Woche.

Der Winter – eine heikle Phase

Die Temperatur ist neben dem pH-Wert des Substrats ebenfalls entscheidend für das Wohlbefinden von Zitruspflanzen, vor allem der Winter ist eine heikle Phase. Denn viele Arten überleben zwar leichten Frost, „aber es tut ihnen nicht gut“, sagt Heinrich Beltz.

Optimal sind Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad Celsius an einem hellen Standort, also ein Wintergarten oder ein beheiztes Gewächshaus. Aber das hat bekanntlich nicht jeder. Was tun? 

„Wenn man Zitrusgewächse im Winter in eine dunkle Garage oder einen fensterlosen Gartenschuppen sperrt, leiden sie“, so Lutz Popp. Abhilfe könnten energiesparende Leuchten oder LEDs schaffen, die keine Wärme abgeben. 

Überwintern in der Wohnung ist auch nicht problemlos möglich, denn je wärmer die Pflanzen stehen, desto mehr Licht brauchen sie. „Dann wachsen sie weiter und bekommen häufig sehr lange Triebe, weil sie sich zum Licht strecken“, so Popp. Außerdem sei die Luft im Wohnbereich zu trocken, gibt Heinrich Beltz zu bedenken: „Zitrusbäume mögen keine Zentralheizungsluft.“

Spinnen und Co. gegen Schädlinge

Die häufig schwierigeren Bedingungen im Winter machen Zitrusgewächse leicht anfällig für Schädlinge, wie Schildläuse und Spinnmilben. Was kann man dagegen tun?

Stehen die Pflanzen im Sommer draußen, können sich mit etwas Glück ausreichend Nützlinge ansiedeln, die die ungebetenen Gäste in Schach halten, sagt Heinrich Beltz. Die sind teilweise so klein, dass wir sie mit bloßem Auge nicht sehen können. Raubmilben gehören dazu und „auch Spinnen räumen ganz gut ab.“

Stehen die Zitruspflanzen im Gewächshaus, kann man auch Nützlinge kaufen, etwa Fadenwürmer gegen Dickmaulrüssler-Larven, Schlupfwespen gegen Blattläuse oder Raubmilben gegen Spinnmilben. „Wichtig ist, die Nützlinge vorbeugend oder beim allerersten Befall einzusetzen, sonst schaffen sie es nicht“, erklärt der Buchautor. 

Gegen Schild- und Wollläuse empfiehlt er ölhaltige Pflanzenschutzmittel aus dem Fachhandel. Von selbst gemischten rät er ausdrücklich ab, denn abgesehen davon, dass sie nicht erlaubt sind, seien die Mischungen nicht geprüft und könnten die Pflanzen schädigen.

Immer über Knospe oder Seitentrieb schneiden

Die Form etwa der Kumquat- oder Pomeranzen-Pflanze richtet sich nach den Wünschen des Besitzers, denn Zitrusgewächse könne man schneiden, so Lutz Popp. Doch worauf sollte man dabei achten?

Zweige sollte man immer über einer Knospe oder direkt an einem jungen Seitentrieb kappen. Denn dann werden weiter Nährstoffe an die Stelle transportiert, damit etwa der Trieb weiterwächst. So kann die Pflanze auch die Schnittwunde verschließen.

Erfolgt der Schnitt entfernt von einer Knospe oder einem Seitentrieb, reißt der Nährstofftransport in den Zweig ab, die Wunde wird nicht verschlossen und Krankheitserreger können leichter eindringen. 

Einige Sorten setzen der Formgebung durch Menschen jedoch enge Grenzen. „Buddhas Hand wächst zum Beispiel krumm und schief – man muss es halt bizarr nennen“, sagt Heinrich Beltz. Dafür erinnern die Früchte tatsächlich an eine spitzfingerige Hand. Andere Arten brillieren mit gestreiften Blättern oder Früchten. Es gibt also einige gute Gründe, es mit den Prinzessinnen zu versuchen.

© dpa-infocom, dpa:260908-930-649863/1


Von dpa
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