Das Bürgerwindprojekt Strüth-Kühndorf möchte nicht nur ein, sondern gleich zwei Windräder bauen. Im Lehrberger Marktgemeinderat stellten die Geschäftsführer Gerhard Sauerhammer und Julian Christ ihre Pläne vor. Denn während das erste Windrad auf dem Gebiet der Stadt Ansbach stehen soll, ist es beim zweiten Lehrberger Grund.
Es war ein harter Kampf, bis die Genehmigung für das erste Windrad auf Strüther Gebiet vorlag. Erst hatte die Luftfahrtbehörde die Höhe auf 180 Meter begrenzen wollen, was wirtschaftliche Probleme ausgelöst hätte, Ein Stück weiter hätten die ausladenden Rotorblätter ein paar Meter auf Lehrberger Grund hineingeragt, was zu einer Auseinandersetzung über die Aufteilung der Gewerbesteuer führte. Und schließlich fand ein Sondengänger unweit des geplanten Standortes mehrere Buntmetallgegenstände“ aus dem Mittelalter.
Inzwischen geht bei Windrad Nummer 1 in der Planung alles seinen Weg. Doch Sauerhammer und Christ haben eine Einspeisezusage für Strom aus zwei Windrädern. Allerdings läuft diese ab, wenn die Umsetzung zu lange dauert.
Der Übergabepunkt ist nahe der Hochschule Ansbach. Die Leitung durch das Rezattal muss das Unternehmen – es handelt sich um eine GmbH & Co. KG mit mehreren beteiligten Kommanditisten aus den beiden Dörfern – so oder so bauen. „Wenn es zwei Windräder werden, legen wir halt gleich ein dickeres Kabel rein”, beschrieb Sauerhammer im Gemeinderat plastisch.
Der Plan sieht nun ein zweites Windrad mit einer Nabenhöhe von 131,70 und einem Rotordurchmesser von 136,60 Meter vor. Die Gesamthöhe würde damit knapp unter 200 Metern bleiben. Zum Einsatz käme eine Turbine vom Typ Vensys 136. Diese hätte eine Leistung von 3,5 Megawatt.
Es handelt sich bei dem Standort nicht um ein Vorranggebiet, das der regionale Planungsverband festgelegt hat. Vielmehr ist es eine Vorbehaltsfläche, für die eine Bauleitplanung erforderlich ist. Deshalb stellten Sauerhammer und Christ das Vorhaben nun im Lehrberger Gemeinderat vor. Damit es weitergehen kann, war eine Grundsatzentscheidung erforderlich.
Als Standort plant die Genossenschaft ein Waldstück zwischen Röshof und Kühndorf. Wobei Sauerhammer zufolge nicht viel Spielraum besteht, um den Standort zu verschieben, sonst spielen militärische Belange wieder eine Rolle und beschränken die Höhe. Sauerhammer: „Wir sind mit 200 Meter Höhe ohnehin schon an der wirtschaftlichen Grenze.” Die Flächen hat sich die Genossenschaft bereits gesichert, wobei Sauerhammer auch kein Hehl daraus machte, dass ein Grundstück seinem Sohn gehört.
Es gibt noch einen weiteren Grund, der zur Eile treibt: Es müssen Bäume gefällt werden. „Die Rodung muss bis Ende Februar passieren”, verdeutlichte Sauerhammer die Dringlichkeit. Andernfalls verzögert sich alles um ein Jahr.
Sauerhammer sicherte zu, dass die Gewerbesteuer für das zweite Windrad „komplett der Gemeinde Lehrberg zufließt”, auch wenn die Bürgerwind Strüth-Kühndorf GmbH & Co. KG II ihren Sitz in Ansbach hat. Er habe eine entsprechende mündliche Zusage von Oberbürgermeister Thomas Deffner, erklärte der CSU-Stadtrat in Ansbach. Sollte es hierbei zu Problemen kommen, „können wir unseren Firmensitz verlegen”.
Hinzu komme die freiwillige Leistung von 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde Strom nach dem Erneuerbare Energien Gesetz. Für Lehrberg wären das im Jahr etwa 17.500 Euro oder in 20 Jahren 350.000 Euro, rechnete Sauerhammer vor.
In den vergangenen Wochen hat Sauerhammer bereits Überzeugungsarbeit bei jenen geleistet, die sich eigentlich nur als Nachrangkreditgeber beteiligen wollten. Aus den ursprünglich 19 Kommanditisten der Firma sind dadurch 58 geworden. Um Förderungen ausschöpfen zu können, sind mehr als 50 Teilhaber erforderlich. Der Hauptunterschied zwischen Kommanditisten und Nachrangkreditgebern: Die einen tragen ein wirtschaftliches Risiko, die anderen nicht.
Sauerhammer ist es wichtig, dass sich jene, die nahe an den Windrädern wohnen, bevorzugt beteiligen können. Das erhöht aus seiner Erfahrung die Zustimmung der Bevölkerung und er wolle nichts über die Köpfe der Menschen hinweg machen.
Die Diskussion im Gemeinderat war kurz und effizient. Ulrich Spitzner (Bürgerblock) regte an, eine Infoveranstaltung zu dem Thema zu organisieren. Bernd Meyer (Liste für Lehrberg) fragte: „Bei der Gewerbesteuer können wir Euch beim Wort nehmen?” Sauerhammer bejahte und versprach auch eine Infoveranstaltung. Unabhängig davon ist er inzwischen auch in Röshof von Haus zu Haus gegangen, um die Pläne vorzustellen.
Der Marktgemeinderat sprach sich einstimmig für das Vorhaben aus und beschloss ebenfalls einstimmig, den neuen Standort für den Regionalplan anzumelden. Das ist die Voraussetzung für die weitere Planung.