Der 4. Juli ist in den USA ein besonderer Tag: Independence Day, der Nationalfeiertag. Jährlich wird er gefeiert, aber für dieses Jahr wird „die größte synchronisierte Feier zum Unabhängigkeitstag in der Geschichte der USA“ organisiert, wie die gemeinnützige America 250 Commission ankündigt. Ob es ein Freudenfest für alle wird, darf in Zeiten von Irankrieg, Inflation und politischer Polarisierung bezweifelt werden. Das Jubiläum indes steht fest: 2026 ist es 250 Jahre her, dass die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde.
Eine US-Reise zu 25 touristisch interessanten Orten durch die seitdem vergangenen Jahrzehnte.
Der Geburtsort der States: Am 4. Juli 1776 nahmen die Vertreter der dreizehn Gründerstaaten der USA die Unabhängigkeitserklärung an. Die Declaration of Independence, maßgeblich verfasst von Gründervater (und späterem dritten US-Präsident) Thomas Jefferson, ist die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten. Im Assembly Room des Pennsylvania State House - heute Independence Hall - wurde das Dokument unterzeichnet.
Wer durch den Financial District in Manhattan streift, sieht es in der Wall Street: das Federal Hall National Memorial. Auf dem Balkon des historischen Vorgängergebäudes wurde am 30. April 1789 George Washington als erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Heute erzählt ein Museum die Geschichte des ersten Kapitolgebäudes.
Wer nach D.C. kommt, wird das Weiße Haus auf der Liste haben: Zunächst wurde der Präsidentensitz, dessen Bau in den 1790er Jahren begann, meist „President's House“ genannt. Erst seit 1901 ist „White House“ der offizielle Name. Als erster US-Präsident zog 1800 John Adams ein. Touristische Touren durch das Ensemble sind laut der Deutschen Botschaft Washington nicht möglich, eine interaktive Tour per Touchscreen im White House Visitor Center auf der nahen Pennsylvania Avenue gibt aber gewisse Einblicke.
Über 200 Meter lang, über 100 Meter breit und Millionen Besucher im Jahr: Das Kapitol ist eine bauliche Ikone, um die die junge Stadt Washington sich erst formierte. Seine erste Sitzung in dem neoklassizistischen Monumentalbau hielt der Kongress am 17. November 1800 ab - die junge Republik verfestigte sich institutionell.
Wie ein Stern liegt es mit seinen Bastionen auf einer Landzunge im Patapsco River: Im Jahr 1814 setzten sich die Amerikaner von Fort McHenry aus erfolgreich gegen die britische Royal Navy durch, konnten den Hafen von Baltimore halten und hissten eine Garnisonflagge - die Francis Scott Key zu dem Gedicht „Defence of Fort M'Henry“ inspirierte. Dessen Vertonung wurde 1931 zur Nationalhymne „The Star-Spangled Banner“.
Transporte wurden billiger, der Handel explodierte: Dank des 1825 eröffneten Erie Canals, der die Großen Seen mit dem Hudson River verband und das Binnenland mit dem Atlantik, stieg New York zur führenden Handels- und Finanzmetropole auf. Die Transportader von einst ist der Kanal heute nicht mehr, dafür aber ein touristisch genutztes Gewässer, auf dem Haus-, Segel- und Motorboote schippern oder Paddler unterwegs sind. Entlang des gut 580 Kilometer langen Kanals gibt es einen Trail für Wanderer und Radfahrer.
Ein dunkles Kapitel wurde unter Präsident Andrew Jackson eingeläutet: Mit dem Indian Removal Act von 1830 war die Zwangsumsiedlung nordamerikanischer Ureinwohner besiegelt - bekanntgeworden unter dem Begriff „Trail of Tears“ (Pfad der Tränen). Bei den Deportationen um 1838/39 aus ihren angestammten Gebieten im fruchtbaren Südosten nach Oklahoma kamen allein unter den Cherokee Schätzungen zufolge 4.000 bis 5.000 Menschen ums Leben. 1987 wurde der Trail of Tears National Historic Trail eingerichtet, der zahlreiche Erinnerungs- und Bildungsorte verbindet, ein Netz aus Straßen, Flüssen und Wegen, rund 8.000 Kilometer lang.
Am 24. Januar 1848 fand James W. Marshall am American River in Nordkalifornien ein Goldnugget. Kein großes Stück, aber es reichte, um den California Gold Rush auszulösen, der eine massive Zuwanderung auslöste und Kalifornien zum Golden State machte. Den historischen Fundort von Marshalls Nugget kann man im Marshall Gold Discovery State Historic Park bei Coloma besuchen - und sich am Fluss auch im Goldwaschen versuchen.
Ein Gegner der Sklaverei, John Brown, überfiel am 16. Oktober 1859 mit 21 anderen die staatliche Waffenfabrik in Harpers Ferry. Der Plan: Die Sklaven bewaffnen und einen Aufstand auslösen. Der Überfall scheiterte, Brown wurde wegen Verrats mit dem Tode bestraft, aber das Ereignis verschärfte den Konflikt um Sklaverei und Staatlichkeit. Es gilt als wichtiger historischer Vorläufer des US-Bürgerkriegs. Ranger führen heute durch den Harpers Ferry National Historical Park mit historischen Gebäuden und Museen.
Kaum eine Schlacht des Sezessionskrieges hat mehr Symbolkraft als die von Gettysburg (1. bis 3. Juli 1863): Sie gilt als Wendepunkt des Bürgerkriegs, ein Sieg der Konföderation und die Abspaltung des Südens wurden unwahrscheinlicher. Spätestens mit Abraham Lincolns bekannter Rede vom November 1863, der Gettysburg Address, mit den Schlüsselworten der Schlacht als Kampf um die „neue Geburt der Freiheit“, wurde Gettysburg zum politischen Symbolort. Auto-, Bike- und Wanderrouten führen über das einstige Battlefield.
Heiße Quellen, Schlammtöpfe, Canyons und Tierwelt: Yellowstone ist das größte Geysir- und Thermalgebiet der Erde. Hier lebt die größte Bisonherde der USA, es gibt Grizzlys, Wölfe, Wapitis. Yellowstone, 1872 gegründet, gilt als der erste Nationalpark der Welt und multiplizierte die Idee, Natur großflächig zu schützen.
Sie ist samt Sockel über 90 Meter hoch und damit eine der höchsten Statuen der Welt. Und das Beste: Man kann ihr fast bis auf die Krone steigen. Die New Yorker Freiheitsstatue, einst ein Geschenk Frankreichs an die USA und Touristenmagnet, symbolisiert die USA und deren Werte wie kaum ein anderes Bauwerk. Eingeweiht wurde die Statue auf Liberty Island im New Yorker Hafen am 28. Oktober 1886 von Präsident Grover Cleveland.
Das größtenteils künstliche Eiland im Hudson River war über Jahrzehnte das „Tor nach Amerika“, zwischen 1892 und 1954 passierten Millionen Migranten die Einreisestation und machten oft den Schritt in ein neues, verheißungsvolles Leben, manche wurden aber auch abgewiesen. Heute ist Ellis Island ein Museum und Erinnerungsort und wird vermarktet als „poetisches Symbol des amerikanischen Traums“.
Pioniergeist, Ingenieursleistung, Durchbruch der Luftfahrt: Am Strand von Kill Devil Hills südlich der Kleinstadt Kitty Hawk auf den Outer Banks gelang am 17. Dezember 1903 den Gebrüdern Wright ihr erster Motorflug - der weltweit allererste? Manche Historiker vertreten die These, dass dieser dem deutschstämmigen Ingenieur Gustave Whitehead bereits zwei Jahre zuvor in Bridgeport (Connecticut) gelungen war. Touristisch jedenfalls sind die Wrights relevanter: Ihre Erinnerungsstätten sind besser besucht.
In den 1910er Jahren kulminierten die Proteste, die später zum Frauenwahlrecht führten, die USA traten in den Ersten Weltkrieg ein (1917), es wurden weitere bekannte Nationalparks wie der Grand Canyon National Park oder der Rocky Mountain National Park gegründet, der spektakuläres Hochgebirge bequem vom Autositz erlebbar machte - womöglich am Steuer eines Ford Model T: Mit diesem Auto begann 1913 die Fließbandproduktion in großem Stil, bezahlbare Mobilität für alle wurde möglich. Die historische Piquette Avenue Plant, wo das Model T entwickelt wurde, ist heute ein Museum; in Fords Greenfield Village im nahen Dearborn kann man Mitfahrten in einem Model T buchen.
Ein Roadtrip auf der legendären „Mother Road“, die größtenteils noch heute befahrbar ist, zählt zu den Klassikern der US-Reisen. 1926 ausgewiesen, wurde die Route 66 zum Mythos der Autonation USA. Wer die ganze Strecke macht, hat zwischen Chicago und Santa Monica etwa 4.000 Kilometer vor sich und kommt durch acht US-Staaten und drei Zeitzonen, monumentale Landschaften sowie vorbei an alten Motels, Diners, Tankstellen und Neon-Werbeschildern.
Technischer Fortschritt, Wahrzeichen von San Francisco, Bay Area und Westküste: Die Golden Gate Bridge war 1937 bei ihrer Eröffnung die längste Hängebrücke der Welt, 1.280 Meter liegen allein zwischen den beiden Pfeilern. Alternativ zum Auto bietet sich ein Fußmarsch über die Brücke an, bei Bootstouren fühlt man die Dimension von unten, während gute Fotospots mit Postkartenblick der Battery Spencer Overlook und der Golden Gate Overlook sind.
Am Morgen des 7. Dezember 1941 griff Japan die US-Marinebasis Pearl Harbor auf Oʻahu überraschend aus der Luft an. Am Folgetag traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein - ein Wendepunkt, da sich damit die politische Grundrichtung der USA und damit die Weltrolle des Landes veränderte. Das Pearl Harbor National Memorial erinnert an die Ereignisse in Hawaii, bei denen über 2.400 Amerikaner ums Leben kamen und zwölf Schiffe versenkt wurden.
Die „Little Rock Nine“, neun afroamerikanische Jugendliche, sollten 1957 erstmals die Little Rock Central High School besuchen, eine Schule, die Weißen vorbehalten war. Obwohl die Rassentrennung an Schulen bereits aufgehoben war, setzt der Gouverneur die Nationalgarde ein, um dies zu verhindern. US-Präsident Dwight D. Eisenhower schickte daraufhin Bundestruppen, um den Besuch der „Little Rock Nine“ abzusichern und Bundesrecht durchzusetzen. Heute steht die Little Rock Central High School National Historic Site für Gleichberechtigung und ist ein wichtiger Erinnerungsort.
„I have a dream ...“ - beim „March on Washington for Jobs and Freedom“ demonstrierten am 28. August 1963 Hunderttausende Menschen in Washington für ein Ende von Rassentrennung und Diskriminierung, für gleiche Rechte und wirtschaftliche Chancen. Am Lincoln Memorial hielt Martin Luther King Jr. seine berühmte Rede, ein Schlüsselereignis der Bürgerrechtsbewegung. Eine politische Zäsur in den Sechzigern markierte die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas, wo heute Touren und ein Museum über historische Fakten und Verschwörungsnarrative informieren.
Einer der vielleicht bekanntesten Einbrüche der Geschichte fand am 17. Juni 1972 im Watergate-Gebäudekomplex statt, wo die Demokratische Partei ihre Wahlkampfzentrale hatte. Die Einbrecher wollten kompromittierendes Material über die damalige Oppositionspartei erbeuten. Doch sie wurden ertappt - und so wurde der Skandal um Spionage und Vertuschung ausgelöst, der den Republikaner Richard Nixon 1974 zu Fall brachte. Dass ein US-Präsident zurücktrat, ist bis heute beispiellos. Die Einbrecher operierten von einem Hotel aus, das Teil des Komplexes am Potomac River ist. Das einstige Zimmer 214 kann heute als „Scandal Suite“ im „Watergate Hotel“ gebucht werden, das benachbarte Museum verwaltet die Geschichte des „Scandal That Shook a Nation“, der sich in einem Jahrzehnt eignete, in dem das Land den Vietnamkrieg und die Ölkrise zu verarbeiten hatte.
Im Badezimmer seines Anwesens wurde Elvis Presley 1977 tot aufgefunden, 1982 machte seine Ex-Frau Priscilla Graceland zum Museum und öffnete es für die Öffentlichkeit. Jährlich pilgern die Fans zu Hunderttausenden dorthin und machen Graceland zu einem der meistbesuchten Privathäuser der USA.
In den Santa Monica Mountains über der Stadt steht seit 1997 das Getty Center wie eine moderne Akropolis, eines der bedeutendsten Kunstmuseen der USA. Schon das Gebäude von Pritzker-Preisträger Richard Meier ist spektakulär.
Erholung inmitten der Metropole, wo einst die Güterzüge ratterten: 2009 eröffnete in Manhattan der High Line Park. Die Begrünung und Umgestaltung der ehemaligen Trasse wurde zur Blaupause urbaner Umnutzung und Transformation und seitdem mehrfach entlang des alten Schienenverlaufs zwischen Meatpacking District und Chelsea erweitert. Der Park zählt jährlich über sieben Millionen Besucher, darunter viele Locals, und zieht damit ähnlich viele Menschen an wie das Lincoln Memorial in Washington.
2016 eröffnete der damalige US-Präsident Barack Obama an der National Mall das National Museum of African American History and Culture. Das Museum erzählt die gesamte afroamerikanische Geschichte - von der Sklaverei über die Bürgerrechtsbewegung bis zu Musik und Sport. Ein versöhnliches Stück USA.
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