Abschied in Ansbach: Diese zwölf Personen scheiden aus dem Stadtrat aus | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 06.05.2026 13:00

Abschied in Ansbach: Diese zwölf Personen scheiden aus dem Stadtrat aus

Getränke und feine Speisen mussten im Foyer ein wenig warten, denn es wurde feierlich in der Karlshalle: Oberbürgermeister Thomas Deffner verabschiedete bei einem Empfang die Personen, die seit 1. Mai nicht mehr im Stadtrat vertreten sind. Für jeden, egal wie lange er dem Gremium angehört hatte, fand der OB persönliche Worte.

Es sei „guter Brauch”, nach Gottesdienst und konstituierender Sitzung die scheidenden Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden, sagte das Stadtoberhaupt. Vor sechs Jahren habe man das wegen der Corona-Pandemie ausfallen lassen müssen.

„Sie haben in herausfordernden Zeiten viel geleistet”, sagte Deffner, nachdem das Bläser-Ensemble Onoldia Brass von der Empore aus die Gäste eingestimmt hatte. „Stunden um Stunden” hätten die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker in Sitzungen verbracht, um dem Wohl der Stadt zu dienen.

Theatergutscheine als Geschenk

Nacheinander wurden die scheidenden Volksvertreterinnen und -vertreter auf die Bühne gerufen, als Abschiedsgeschenk gab es einen Gutschein fürs Theater Ansbach. „Wir wollen ja, dass das Theater gut besucht wird”, so Deffner. „Das ist so ein bisschen wie linke Tasche, rechte Tasche”, witzelte der OB in Richtung seines Kämmerers Christian Jakobs.

Als Erste bat er Aylin Ugur von der SPD auf die Bühne, die dem Stadtrat seit 15. Oktober 2024 angehört hatte. An ihr schätze er besonders den gesunden Menschenverstand, sagte Deffner – und versprach, ab und zu einen Döner in ihrem Geschäft an der Eyber Straße abzuholen.

Bei Sebastian Höhn von der BAP bedankte sich der OB, dass der Stadtrat für jede Sitzung von seinem Arbeitsort in Nürnberg angereist sei: „Und das immer zuverlässig.” Höhn war im Oktober 2024 in den Stadtrat nachgerückt und hatte bereits von 2014 bis 2020 im Stadtrat gesessen.

Simon Mayr von den Grünen, ebenfalls ein Nachrücker, musste wegen einer Verletzung mit Krücken nach vorne. „Ein Rettungssanitäter weiß sich zu helfen”, rief ihm der OB zu. Er habe den „BRK-Sachverstand” Mayrs zu schätzen gewusst, so Deffner und wünschte gute Besserung.

Besprechung in der „Kleinen Reblaus”

Mit Monika Raschke-Dietrich von der BAP, die zwölf Jahre lang, seit 2014, im Gremium saß, verband Deffner einige „Sitzungen” beim Wein in der „Kleinen Reblaus” und schöne Momente bei Partnerschaftsfahrten, zum Beispiel nach Fermo.

Ganz ähnliche Erinnerungen teilte Deffner mit Dr. Paul Kupser (Freie Wähler), der seit 2008 im Stadtrat vertreten war. „Der Stadtrat, den ich am längsten kenne”, sagte Deffner, weil Kupser ein Studienkollege seiner Mutter gewesen sei.

Genauso lange war auch Josef Hillermeier (CSU) im Stadtrat vertreten. Hillermeier sei sein Ansprechpartner in „katholischen Fragen” gewesen, so Deffner, außerdem sei der CSU-Mann eine „wandelnde Vergabekammer” gewesen. Besprochen wurden die Dinge zuweilen bei einer Schlachtschüssel in Wolfartswinden.

„Die sahen aus wie Fahndungsplakate”

Friedmann Seiler prägte 24 Jahre lang, seit 2002, die Geschicke der Stadt. Ihn verbinde viel mit dem ÖDP-Mann, sagte Deffner: „Sein Vater und mein Opa haben 1945 in Ansbach die CSU gegründet.” Seiler betonte allerdings: „Ich war nie in der CSU.” Der OB schmunzelte.

Seit 1996, also 30 Jahre lang, wirkte CSU-Vertreter Jochen Lintermann im Stadtrat mit. Deffner erinnerte sich, wie er als Bub zu Elektro-Lintermann in der Endresstraße geschickt wurde, um eine neue Neonröhre zu holen. Und er erinnerte sich an schöne Fahrten, zum Beispiel nach Anglet.

Dann wurde es besonders feierlich, als der OB Otto Schaudig auf die Bühne bat. Unglaubliche 48 Jahre, seit 1978, war der CSU-Mann im Stadtrat vertreten und hatte viele wichtige Funktionen inne. Otto Schaudig habe auch seinen Werdegang möglich gemacht, gestand Deffner und erinnerte sich, Schaudigs Gesicht als Schüler auf den Wahlplakaten gesehen zu haben: „Die sahen damals aus wie Fahndungsplakate.”

Menschen in der Karlshalle erhoben sich

Bei seiner Abschiedsrede griff Schaudig zu einem Spruch, „der normalerweise auf Beerdigungen zu hören ist”. Da heiße es immer, man solle dem Verstorbenen vergeben, falls er jemanden gekränkt haben sollte. Und er sagte mit Rückblick auf seine lange Stadtrats-Karriere: „Ich würde es wieder machen.” Tosender Beifall, die Menschen in der Karlshalle erhoben sich.

Thomas Deffner würdigte dann noch die Ex-Stadträtinnen und -räte, die nicht an der Feier teilnehmen konnten: Marina Bayerl (OLA), Prof. Dr. Franz-Xaver Huber (Ansbacher/Freie Wähler) und Andreas Görmer (CSU).

Und dann gedachte Deffner der vier Stadträte, die in den vergangenen sechs Jahren verstorben sind: Hubert Müller (SPD), Walter Hessenauer (Freie Wähler), Uwe Schildbach (OLA) und Werner Forstmeier (ÖDP).

OB Thomas Deffner verabschiedete aus dem Stadtrat (von links) Jochen Lintermann, Otto Schaudig, Friedmann Seiler, Aylin Ugur, Sebastian Höhn, Dr. Paul Kupser, Simon Mayr, Monika Raschke-Dietrich und Josef Hillermeier. (Foto: Winfried Vennemann)
OB Thomas Deffner verabschiedete aus dem Stadtrat (von links) Jochen Lintermann, Otto Schaudig, Friedmann Seiler, Aylin Ugur, Sebastian Höhn, Dr. Paul Kupser, Simon Mayr, Monika Raschke-Dietrich und Josef Hillermeier. (Foto: Winfried Vennemann)
OB Thomas Deffner verabschiedete aus dem Stadtrat (von links) Jochen Lintermann, Otto Schaudig, Friedmann Seiler, Aylin Ugur, Sebastian Höhn, Dr. Paul Kupser, Simon Mayr, Monika Raschke-Dietrich und Josef Hillermeier. (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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