Die Bebauung des Geländes der ehemaligen Bezirksmolkerei in Ansbach ist eine moderne Version der unendlichen Geschichte. Ein ganzes Jahrzehnt hatte sich auf dem Milchhof-Areal nichts getan, ehe der österreichische Investor zuletzt den baldigen Baubeginn in Aussicht stellte. Doch ein Vorfall im Rahmen der Vorarbeiten sorgt nun für Unmut.
Ein einsamer Storch schreitet gerade über die insgesamt 1,4 Hektar große Brache, eine Krähe pickt im gefrorenen Boden herum. Kaum etwas deutet darauf hin, dass hier bald die Bagger rollen sollen, wie Immobilien-Unternehmer Friedrich Scheck auf Nachfrage der FLZ abermals bestätigte. „Wir stehen in den Startlöchern“, versicherte der Kommerzialrat aus Wien, „Ende März, spätestens im April“ ist der Start der Erdarbeiten vorgesehen.
Im Vorgriff auf dieses Unterfangen wurde der Wildwuchs entfernt, der sich in den zurückliegenden zehn Jahren auf dem Gelände breit gemacht hatte. Viele Schößlinge wurden gekappt, ebenso die Weiden, die sich mit ihren dürren Ästen gen Himmel gereckt hatten. Ein großer Berg abgesägter Äste und Stämme zeugt von den Rodungsarbeiten, die hier kürzlich stattfanden.
Doch dabei wurden auch einige Bäume bodentief abgesägt, die eigentlich stehen bleiben sollten, wie unlängst Stadtrat Uwe Schildbach von der Offenen Linken am Rande einer Sitzung des Stadtrates monierte. „Es sieht aus, als wäre ein Panzer da durchgefahren, und vorher wurde noch versichert, dass die Bäume verschont werden.“ Auf verschiedenen Fotos hat er die Baum-Relikte dokumentiert und Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) davon in Kenntnis gesetzt. „Wir gehen der Sache nach“, unterstrich der OB in strengem Ton.
Immerhin pikant ist die Angelegenheit deshalb, weil nur einige Tage zuvor im Bauausschuss davon gesprochen worden war, dass lediglich ein direkt an der Grenze zur Straße stehender Baum dem Neubau weichen müsste. Alle anderen sollten demnach stehenbleiben. „So geht das nicht“, echauffierte sich daher Stadtrat Schildbach.
Auf der Suche nach dem oder den Verantwortlichen für die Fäll-Aktion herrschte zunächst allgemeine Verwirrung. „Mir ist davon nichts bekannt“, sagte Investor Scheck am Telefon auf FLZ-Anfrage. Der Wiener Unternehmer hat seinerseits inzwischen das niederländische Generalunternehmen Ten Brinke mit den Bauarbeiten für die 104 Sozialwohnungen und ebenso vielen Appartements für Studenten und Singles beauftragt. Möglich, dass der Bauriese seinerseits einen Subunternehmer mit den Vorarbeiten beauftragt hat. Diese Firma aus Ansbach war telefonisch allerdings nicht zu erreichen.
Fest steht, dass für die Rodungsarbeiten auf dem Grundstück zwischen Beckenweiherallee und Milchhofstraße definitiv „keine Mitarbeiter der Stadt“ verantwortlich waren, stellte die Verwaltung auf Nachfrage fest.
Darüber hinaus versicherte Stefan Guggenberger vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters, dass „keine städtischen Bäume in der Beckenweiherallee“ gefällt wurden. Im Klartext: „Eine unerlaubte Rodung fand also nicht statt.“
Eine Abstimmung mit der Stadt sei nur bei einem Baum nötig gewesen, der auf der Grundstücksgrenze stand, erklärte Guggenberger. Die Entscheidung fiel bei einem Ortstermin mit dem Bauherrn. Der Baum sei bereits geschädigt gewesen. „Damals wurde eine Faulstelle im Kronenansatz festgestellt.“
Wie der Großteil der nun gefällten Bäume stand auch dieser Baum im Randbereich auf einer Mauerkrone, die „im Rahmen der Baufeldfreimachung abgerissen wird“, legte die Verwaltung dar: „Ohne die Mauerkrone wäre der Baum nicht mehr standfähig gewesen.“
Die Rechtslage ist eindeutig: Da es in Ansbach keine Baumschutzverordnung gibt, dürfen Eigentümer auf ihrem Grundstück „unter Einhaltung des Artenschutzes“ die Säge ansetzen. Zudem sind im Bebauungsplan am Milchhofareal „in diesem Bereich keine zu erhaltenden Bäume festgesetzt“, legt Guggenberger dar. Wer auch immer die Bäume gefällt hat, hat womöglich die Zeichen der Zeit nicht im Blick. Gegen geltendes Recht wurde aber nicht verstoßen.