Wie kann man die Wälder in der hiesigen Region mit Blick auf den Klimawandel für die Zukunft gut rüsten? Antworten darauf gab es bei einer Waldbegehung, zu der die Bayerische Forstverwaltung Waldbesitzer und andere Interessierte nach Gunzendorf (Gemeinde Emskirchen) eingeladen hatte. Im Fokus stand die Esskastanie.
Sie gilt als äußerst tolerante Baumart im Klimawandel, ist aber vielen noch unbekannt. Das wollen Julia Billner, Beauftragte für die Initiative „Zukunftswald“ beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth-Uffenheim, sowie Förster Gernot Käßer und Waldbesitzer Hans Hermann Nöhring ändern. Wie enorm das Interesse an dieser Thematik ist, zeigte die große Teilnehmergruppe.
60 Personen waren angemeldet, doch es kamen weit mehr. Sie wollten erfahren, welche neuen Ansätze es gibt, um einen Forst zu begrünen oder weiterzuentwickeln, der in der Zukunft eine Chance haben kann, nachdem besonders Fichten und Kiefern in unserer Region reihenweise absterben.
Hans Hermann Nöhring und Gernot Käßer haben schon viel Erfahrung mit Esskastanien sammeln dürfen, die auf dem nun besuchten Areal seit Jahrzehnten wachsen. Im Emskirchener Revier Käßers, zu dem auch Gunzendorf zählt, gibt es das zweitgrößte Esskastanienvorkommen in ganz Bayern, wie der Förster betonte. Wie diese Baumart dorthin gelangte, vermochte aber auch Nöhring nicht genau zu sagen.
Er schilderte mögliche Optionen: Einige gehen davon aus, dass Arbeiter aus Italien und der Schweiz, welche die vor dem Grundstück vorbeiführende Bahnlinie Nürnberg–Würzburg mitbauten, diese pflanzten oder womöglich sogar die Bahn selbst es tat, um Baumaterial für die Schwellen gleich vor Ort zu haben. „Vielleicht gab es aber auch schon vor Jahrzehnten Förster, die aus der Pfalz Früchte mitbrachten und hier anpflanzten“, so Nöhring. Eine genetische Untersuchung des Bestandes habe gezeigt, dass dieser aus der Pfalz stamme. Dem stehe die Erzählung eines alten Gunzendorfer aber entgegen, laut dem die Bahnarbeiter sie mitbrachten. Die Baumart sei für den Schwellenbau gut geeignet, da sie mehr Gerbsäure als Eichen enthalte.
Hans Hermann Nöhring schätzt das Alter seiner Bäume auf 80 bis 100 Jahre und damit dürften sie mit zu den ältesten im Freistaat zählen, zeigt er sich sicher. Esskastanien hätten eine hohe Biodiversität und seien gut ins Ökosystem integriert – anders als die hier stehenden Kiefern, die in den vergangenen acht Jahren zu 60 Prozent abstarben.
Die Esskastanien hätten schon Witterungsextremen standgehalten und seien für unsere Breiten gut geeignet. Auch wenn der Standort in Gunzendorf nicht der idealste sei, gedeihen sie gut, gibt es doch genug Nährstoffe, die die Bäume zum Wachsen brauchen. „Sie mögen nur keine nassen Füße, sprich Staunässe“, erläuterten Nöhring und Käßer. „Esskastanien gehören zu den wenigen Bäumen, die mit saurem Boden zurechtkommen, kalkreiche Lagen sind dagegen nicht gut für sie.“
Welche Auswirkungen eine Temperaturerhöhung um zwei Grad hätte, zeigte Jutta Billner anhand eines Diagramms auf. Die Bäume müssten dann mit größerer Hitze und unregelmäßigeren Niederschlägen klarkommen. Fichten und Kiefern scheiden damit aus, sind anfälliger für Schädlinge, hieß es. Es kommen aber auch neue Bäume dazu, die für unsere Lagen geeignet sind.
Da man davon ausgehe, dass sich unser Klima dem in Frankreich annähert, gelte es, Bäume von dort hierzulande anzusiedeln, so Käßer. Die Esskastanie lasse sich zudem gut mit Eiche und Hainbuche mischen. Es gehe um den Mix und die Förderung heimischer Baumarten, um mit ihnen in die Zukunft zu gehen, erläuterte Käßer. Er und die anderen Experten rieten dringend, auf Genetik und Herkunft des Saatgutes zu achten und nichts wahllos aus dem Internet zu bestellen. Zudem könne man, wenn man erfahren wolle, welche Bäume für sein Waldgebiet ideal sind, beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nachfragen. „Es ist kostenlos, aber nie umsonst.“
„Wie ist es um den Wert des Holzes der Esskastanie bestellt?“, wollte ein Teilnehmer wissen. „Es wird noch wenig verkauft,“ erklärte Forst-Diplomingenieur Helge Schneider von der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Uffenheim. Es lasse sich als Brenn-, Fußboden-, Bau- und Konstruktionsholz verwenden und sei Hartholz wie Eiche.
Auch er riet dringend, bei regionalen Baumschulen zertifiziertes Saatgut zu erstehen. Ein Thema, das vielen Teilnehmern auf den Nägeln brennt, ist der Wildverbiss und damit einhergehend der Appell nach einer stärkeren Bejagung und der Erhöhung der Abschusspläne. Alles einzuzäunen, das sei nicht die Lösung, waren sich alle einig – und das nicht nur mit Blick auf die hohen Kosten. Hier wurde geraten, den Kontakt mit den Jägern zu suchen, denn auch sie müssten den Wald im Blick haben.
Axel Serwotka, Revierleiter vom Forstrevier Fürth und tätig beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, riet den Waldbesitzern, sich an die Untere Jagdbehörde zu wenden, wenn der Verbiss zu hoch ist. Oft würden nur 30 Prozent der Abschusspläne erfüllt. Wie hoch diese sind, kann man online unter waldohnezaun.de erfahren. Der Wald sei Allgemeingut und gehe jeden etwas an. Die Bäume müssten die Chance haben, zu wachsen, betonte auch Billner. Nach der Waldbegehung setzte man sich noch am Hutewald zusammen – auf ein Bierchen oder zwei und zum weiteren Austausch von Waldbesitzer zu Waldbesitzer.