132 rote Schuhpaare stehen auf dem Platz vor dem Theater Ansbach. 132 Paare für 132 Frauen, die im Jahr 2024 in Deutschland von ihren Partnern oder Expartnern getötet wurden. Mit ihrer Kunstinstallation „Zapatos Rojos”, also „Rote Schuhe”, setzt die mexikanische Künstlerin Elina Chauvet ein eindringliches Zeichen gegen Gewalt an Frauen.
Dass die Installation in Ansbach zu sehen ist, hat die Arbeitsgemeinschaft für ein gewaltfreies Miteinander in Stadt und Landkreis Ansbach möglich gemacht. Federführend waren dabei Tanja Peipp, die Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis, sowie Lisa-Marie Buntebarth, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Im Austausch mit dem Team der Künstlerin wurde das Konzept umgesetzt, wurden Schuhe gesammelt und rot gefärbt, falls sie nicht ohnehin rot waren. Dafür griffen Schülerinnen und Schüler der Markgraf-Georg-Friedrich-Realschule Heilsbronn zur Sprühdose.
Präsentiert wurde das Kunstprojekt am 25. November, am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Dazu waren zahlreiche Unterstützer der Aktion sowie Gäste aufs Theaterplateau gekommen: zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter der Politik und Behörden, der Polizei, des Gerichts und der Kirchen, des Theaters und der Schulen.
„Eine der weltweit am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen ist Gewalt gegen Frauen: in der Öffentlichkeit, im eigenen Zuhause, am Arbeitsplatz und in kriegerischen Auseinandersetzungen”, sagte Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner. Mit der Aktion „Zapatos Rojos” werde „das Thema Gewalt an Frauen, die häufig im häuslichen Umfeld im Verborgenen geschieht, in die Öffentlichkeit getragen”.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig nannte die Installation „ein starkes Zeichen, um das Schweigen zu brechen”. Die ausgestellten roten Schuhpaare „stehen für noch weit mehr Opfer, für weit mehr Übergriffe, von denen wir keine Ahnung haben”, so der Landrat. „Es ist notwendig, das an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich bin dankbar, dass wir bei uns in der Region eine Gesellschaft haben, die achtsam und aufmerksam ist.”
Zusammen mit OB Deffner platzierte Ludwig am Dienstagmittag das letzte Paar Schuhe in die ansonsten bereits vollendete Formation aus Stiefeln und Pumps, aus Gesundheitsschuhen und Turnschuhen. Die Mischung macht deutlich, dass es alle Frauen treffen kann – Frauen jeden Alters, jeder sozialen Schicht, jedes Berufes, jedes Familienstandes, jeder Nationalität.
Die Landkreis-Gleichstellungsbauftragte Tanja Peipp erläuterte den Hintergrund des Kunstprojekts, das ausgehend von Mexiko seit 2009 weltweit immer wieder eine Fortsetzung mit verschiedenen Kooperationspartnern findet. In Ansbach werden die Schuhe nun bis Montag für alle sichtbar vor dem Theater stehen, dabei Wind und Wetter ausgesetzt sein. Danach wandern einzelne rote Schuhpaare als eine Art mobile Mahnzeichen zum Beispiel in Rathäuser, Polizeidienststellen, Kirchen, Schulen, Unternehmen und andere Einrichtungen im Landkreis und der Stadt Ansbach.
Lisa-Marie Buntebarth, die städtische Gleichstellungsbeauftragte, verwies abschließend auf die extrem hohe Dunkelziffer bei Gewalt an Frauen. „Nur unter fünf Prozent aller entsprechenden Straftaten werden überhaupt polizeibekannt”, sagte sie. „Das Ausmaß ist also unfassbar groß. Daher sind wir alle gefragt, entschieden dagegenzuwirken.”
Die Kunstinstallation soll alle Passantinnen und Passanten sowie die Theaterbesucherinnen und -besucher zum Nachdenken und zum Austausch über das Thema anregen. Im Theaterfoyer gibt es weitere Informationen, auch zu Hilfsangeboten für Betroffene. Zudem besteht die Möglichkeit, eigene Gedanken zu der Aktion aufzuschreiben; die Notizen und Briefe werden an das Team der Künstlerin weitergeleitet.