Das Jahr 2026 brachte für die Stadt Ansbach wieder jede Menge Herausforderungen, auch viele neue Projekte wurden angestoßen. In unserem Interview blickt OB Thomas Deffner auf die aktuelle Situation und wirft einen Blick in die Zukunft der Rezatstadt.
Herr Oberbürgermeister, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Situation der Stadt Ansbach?
Thomas Deffner:Ansbach ist Oberzentrum für Westmittelfranken und bietet Arbeitsplätze in vielen unterschiedlichen Branchen – unter anderem in der Automobilindustrie, der Sensorik, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik oder der Lebensmittelbranche. Zudem sind zahlreiche Behörden und Bildungseinrichtungen wichtige Arbeitgeber in unserer Stadt.
Aber auch wir in Ansbach merken die globalen Krisen und deren Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Aktuell gibt es in Ansbach rund 30.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Außerdem pendeln täglich mehr Menschen zur Arbeit nach Ansbach ein, als aus Ansbach auspendeln. Das zeigt, dass unsere Stadt auch für die Menschen aus der Region ein bedeutender Arbeitsstandort ist.
Welche Entwicklungen und Trends beobachten Sie derzeit?
Deffner: Die Wirtschaft verändert sich. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik und der verantwortungsvolle Umgang mit Energie und Ressourcen werden immer wichtiger. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, geeignete Fachkräfte zu finden. Deshalb müssen wir Ansbach als Arbeits- und Lebensort attraktiv halten.
Die Stadt unterstützt Unternehmen, Gründerinnen und Gründer unter anderem durch die Wirtschaftsförderung oder das Digitale Gründerzentrum ANsWERK. Dort können neue Ideen entstehen und junge Unternehmen Unterstützung erhalten. Auch die Hochschule Ansbach und die beruflichen Schulen leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie junge Menschen für die Arbeitswelt qualifizieren.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Innenstadt. Sie soll ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne einkaufen, arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen. In diesem Jahr haben wir den Eigentümerdialog fortgesetzt, indem wir unter anderem Experten zur Wirtschaftlichkeit und Finanzierung von Investitionen sowie zu Chancen und Fördermöglichkeiten eingeladen hatten. Aktuell können wir beobachten, dass wir mit den Themen richtig liegen. Auf dem Martin-Luther-Platz wird gerade ein Geschäftshaus saniert, eine weitere Sanierung wurde erst vor wenigen Wochen abgeschlossen. Dieses Objekt zu betrachten, erfreut mich jeden Tag aufs Neue.
Warum ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Stadt Ansbach so wichtig?
Deffner:Familien brauchen gute Rahmenbedingungen, damit Eltern arbeiten und gleichzeitig ausreichend Zeit für ihre Kinder haben können. Dazu gehören verlässliche Kinderbetreuung, gute Schulen, familienfreundliche Arbeitsplätze und Beratungsangebote. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist aber nicht nur für Familien wichtig. Sie ist auch ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen.
Wenn sich Beschäftigte in Ansbach wohlfühlen und ihre Familien hier gute Unterstützung finden, können Unternehmen leichter Fachkräfte gewinnen und halten. Unser Ziel ist deshalb, Ansbach als familienfreundliche Stadt weiterzuentwickeln und Familien im Alltag möglichst unkompliziert zu unterstützen.
In Ansbach gibt es jetzt einen neuen Familienstützpunkt. Was genau ist das?
Deffner: Der neue Familienstützpunkt ist eine zentrale Anlaufstelle für Familien. Er befindet sich beim Blauen Kreuz in der Triesdorfer Straße 1. Familien können sich dort über Angebote informieren, Beratung erhalten und Unterstützung bei Fragen rund um den Familienalltag finden. Außerdem soll der Familienstützpunkt ein Ort der Begegnung sein, an dem Familien miteinander ins Gespräch kommen und an Freizeit- und Bildungsangeboten teilnehmen können.
Der Familienstützpunkt ergänzt die bereits bestehenden Angebote der städtischen Familienbildung, die Familien-App „Wir in Ansbach“ und die Koordinierungsstelle Familienbildung. Ziel ist es, Familien frühzeitig zu erreichen und ihnen passende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu vermitteln.
Wie kann der Familienstützpunkt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen?
Deffner:Der Familienstützpunkt nimmt Eltern Wege ab, indem er Informationen und verschiedene Angebote an einem Ort bündelt. Eltern können dort beispielsweise erfahren, welche Beratungs-, Bildungs- und Freizeitangebote es in Ansbach gibt. Bei speziellen Anliegen werden sie an die richtigen Stellen weitervermittelt.
Eine solche Anlaufstelle kann Familien helfen, schneller Unterstützung zu finden und den Alltag besser zu organisieren. Sie ersetzt natürlich keine Kinderbetreuung, ist aber eine wertvolle Ergänzung zu den bestehenden Angeboten. Die Stadt Ansbach möchte damit ein noch kinder- und familienfreundlicheres Umfeld schaffen.
Direkte Informationen liefert die Stadt Ansbach jetzt auch auf Instagram und LinkedIn. Warum geht die Stadt diesen Schritt?
Deffner:Die Kommunikation verändert sich. Viele Menschen informieren sich heute regelmäßig über soziale Medien. Deshalb möchten wir die Bürgerinnen und Bürger dort erreichen, wo sie sich austauschen und Nachrichten erhalten. Auf Instagram können wir vor allem Bilder, kurze Videos, Veranstaltungen und Einblicke in das Stadtleben zeigen. LinkedIn richtet sich besonders an Unternehmen, Beschäftigte, Fachkräfte und Menschen, die sich für Ausbildung, Karriere und den Wirtschaftsstandort Ansbach interessieren.
Die neuen Kanäle ergänzen unsere Internetseite und die bisherigen Informationsangebote der Stadtverwaltung. Dabei ist uns wichtig, nicht nur zu informieren, sondern auch mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir freuen uns deshalb, wenn viele Ansbacherinnen und Ansbacher der Stadt auf Instagram und LinkedIn folgen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stadt Ansbach?
Deffner:Ich wünsche mir, dass Ansbach auch in Zukunft eine Stadt bleibt, in der Menschen gerne leben, lernen, arbeiten und ihre Familien gründen. Dafür brauchen wir eine starke Wirtschaft, gute Bildungsangebote, eine lebendige Innenstadt und Unterstützung für Familien.
Die Stadt kann diese Aufgaben nicht allein bewältigen. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Schulen, Vereinen, sozialen Einrichtungen und natürlich mit den Bürgerinnen und Bürgern. Gemeinsam können wir Ansbach weiterentwickeln und gut für die Zukunft aufstellen.
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Innovative Ideen, nachhaltige Lösungen und starke Netzwerke: Das Ansbacher Start up TURNS zeigt, welches Potenzial in jungen Unternehmen aus der Region steckt.
Seit der Gründung im April 2023 arbeiten Katja Wagner und Angelique Thummerer daran, textile Kreisläufe zu schließen und aus ausgedienter Arbeitskleidung wieder neue Textilien entstehen zu lassen.
Mit Erfolg: 2025 realisierte TURNS gemeinsam mit dem dm-drogerie markt ein Textil-zu-Textil-Recycling-Projekt. 2026 wurde das Unternehmen mit dem Wissenschaftspreis der EHI Stiftung und GS1 Germany ausgezeichnet. Ein weiterer Meilenstein war der eigene Fachkongress im ANsWERK, bei dem TURNS im Oktober 70 Personen aus der textilen Lieferkette, von textilen Leasingunternehmen über Textilhersteller bis hin zu Einkäufern aus dem Handel, nach Ansbach brachte, um über die Zukunft zirkulärer Arbeitskleidung zu diskutieren.
TURNS hat seinen Sitz im ANsWERK, dem digitalen Gründerzentrum von Stadt und Landkreis Ansbach. Hier finden Start-ups nicht nur moderne Arbeitsräume, sondern auch Unterstützung beim Aufbau ihres Unternehmens, praxisnahe Workshops und Zugang zu einem starken Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründungsszene. Das Ziel: Innovative Gründungen in der Region fördern, junge Unternehmen mit etablierten Betrieben vernetzen und Ansbach als Standort für Unternehmertum und Innovation stärken. TURNS zeigt, wie aus einer Idee ein Unternehmen mit Strahlkraft weit über die Region hinaus werden kann.
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