Die Nitratbelastung im Brunnenwasser sinkt trotz vieler Auflagen zur Düngemenge und zum Düngezeitpunkt nicht so wie erhofft. Das stellte die gemeinnützige Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz bei der Auswertung von Proben aus rund 200 privaten Hausbrunnen im Landkreis Ansbach fest.
Das Labormobil der Umweltschutzorganisation hatte jüngst in Feuchtwangen und Ansbach Station gemacht. Bürgerinnen und Bürger brachten Wasserproben aus dem eigenen Brunnen, um sie beispielsweise auf Keime, Bakterien, Schwermetalle und Verschmutzungen untersuchen zu lassen. Hohe Konzentrationen können die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden.
Vor allem Gartenbesitzer waren an der Qualität ihres Brunnenwassers interessiert, ob es zum Gießen, zum Waschen von Obst, Gemüse und Salat geeignet ist, beziehungsweise auch der Teich, Pool oder das Kinderplanschbecken bedenkenlos befüllt werden kann.
In jeder dritten Probe aus den privat genutzten Brunnen, die beim Termin in Ansbach abgegeben wurden, stellte der Diplom-Physiker Harald Gülzow eine Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter Nitrat fest.
Besonders erschreckend fand der Gewässerexperte die festgestellte Belastung in den Gartenbrunnen in Weihenzell mit 195 Milligramm Nitrat pro Liter, in Fröschau mit 145 mg/l, in Großbreitenbronn mit 143 mg/l, in Neuses mit 124 mg/l, in Weiherschneidbach mit 101 mg/l, in Merkendorf mit 100 mg/l, in Wasserzell mit 91 mg/l und in Großenried mit 89 mg/l.
In Feuchtwangen wurde In jeder vierten Probe aus den privat genutzten Brunnen eine Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter Nitrat fest. Die höchsten Belastungen hatten Gartenbrunnen in Wittelshofen mit 112 Milligramm Nitrat pro Liter , in Gerolfingen mit 103 mg/l, in Ehingen mit 98 mg/l, in Sankt Ulrich mit 95 mg/l, in Villersbronn mit 85 mg/l, in Sulzach mit 77 mg/l, in Schweighausen mit 75 mg/l und in Feuchtwangen 71 mg/l. Er betont, dass die Nitratrichtlinie dazu verpflichtet, eine Überschreitung des Nitratgrenzwertes von 50 Milligramm pro Liter im Grundwasser zu verhindern.
„Im letzten Moment konnte gerade noch das Vertragsverletzungsverfahren mit hohen Strafzahlungen wegen der Nichteinhaltung der Richtlinie letztes Jahr abgewendet werden. Bis zur nächsten Überprüfung muss die Nitratbelastung deutlich sinken,“ sagt Harald Gülzow, Vorstandsmitglied der Gewässerschutzorganisation. Der gemeinnützige Verein fordert noch mehr Unterstützung für das Anlegen von Baumstreifen auf den Feldern. Diese würden „nachweislich die Nitratbelastung senken, ohne den Ertrag auf dem Acker zu verringern“.
Im Kreis Ansbach bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 68 Prozent aus Ackerflächen, erläutert Harald Gülzow. „Es dominieren Felder ohne Bäume.“ Das leichtlösliche Nitrat im Dünger werde durch Regenfälle schnell in tiefere Bodenschichten verlagert. Dort könnten die Feldfrüchte die Nährstoffe nicht mehr zum Wachstum verwenden. Im Gegensatz dazu könnten Bäume mit ihren tiefen Wurzeln das in die Tiefe transportierte Nitrat für sich nutzen. „Bäume auf den Feldern helfen das Nitrat wieder an die Oberfläche zu befördern und so in der Zukunft die Nitratbelastung im Brunnenwasser zu verringern“, betont der Gewässerexperte.
Dieses moderne Agroforstsystem, eine Kombination von Forst- und Landwirtschaft, wurde an die Technik und die Produktionsweise der heutigen Landwirtschaft angepasst. Auf dem Feld stehen Baumstreifen aus schnellwachsenden Bäumen wie Pappeln, Weiden oder Erlen, die alle vier bis sechs Jahre geerntet und als Hackschnitzel zur Energiegewinnung verkauft werden.
Der Abstand zwischen den Baumreihen bietet nach seiner Auffassung genügend Platz für Trecker, Grubber und Erntemaschinen zur Bearbeitung von Getreide, Zuckerrüben, Mais und Raps. Die Angst, dass die Bäume zu Ernteeinbußen führen, habe sich nicht bestätigt. „Während an den Baumstreifen tatsächlich weniger Ertrag ist, beobachtet man ab einer gewissen Distanz zu den Bäumen in den meisten Fällen eine höhere Produktion als bei einem Vergleichsacker ohne Baumstreifen,“ sagt Harald Gülzow. Bei trockenen und heißen Sommer komme es auch ohne Bewässerung zu weniger Ernteausfällen, da die Bäume vor Verdunstung schützen, fügt er an.
Seit Anfang 2023 hätten Landwirte die Möglichkeit, Fördermittel für die Bewirtschaftung von Baumstreifen auf ihren Feldern zu beantragen. Bayern zähle zu den Bundesländern, in denen auch die Neuanlage von Agroforstflächen gefördert wird. Trotz dieser positiven politischen Entwicklung herrsche unter den Landwirten „noch viel Unsicherheit und Skepsis, Baumstreifen auf ihren Feldern anzulegen,“ so Harald Gülzow.
Das gelbe Labormobil ist von April bis September unterwegs, um Brunnenwasserproben zu untersuchen und Bürger am Informationsstand zu informieren. Im Winter entnimmt der Wasserexperte Proben aus Flüssen und Bächen. Aus seiner langjährigen Erfahrung kann er sagen: „Für viele Bäche stellt das Zusickern des nitratbelasteten Grundwassers eine Hauptursache für die starke Nitratbelastung dar.“