Ansbacher Kammerspiele: Atischeh Hannah Braun singt Lieder von Georg Kreisler | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.02.2026 10:58

Ansbacher Kammerspiele: Atischeh Hannah Braun singt Lieder von Georg Kreisler

Georg Kreisler, ein Meister der Sprache, Komponist, Poet, Kabarettist und ein Österreicher, verstoßen vom eigenen Land. Diesem Mann widmeten zwei Frauen am Donnerstagabned eine Hommage. Atischeh Braun und Ulrike Koch luden unter dem Titel „Alles hat kein Ende“ zu einer musikalischen Lesung in die Ansbacher Kammerspiele.

Zwei starke Frauen auf der Bühne erzählen vom Leben, Lieben und Leiden eines großen Künstlers. Von seinem Leben als Jude in Österreich kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, von der Flucht ins Exil und der unglücklichen Rückkehr in die Heimat.

Geboren 1922 in Wien als Sohn eines erfolgreichen Rechtsanwaltes, verbrachte Georg Kreisler eine behütete Kindheit, doch die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 zwang die Familie zur Flucht in die USA.

Schwarzer Humor und klare Worte

Trotz der Unterstützung seines Cousins, des erfolgreichen Drehbuchautors Walter Reisch, fiel es Kreisler schwer, Fuß zu fassen, denn mit seinem schwarzen Humor und seinen klaren Worten, konnten die Amerikanerinnen und Amerikaner nicht umgehen. Im „Sonnengefängnis mit Orangen vor den Fenstern“, wie die Künstler das Exil in den Staaten nannten, fühlte sich Kreisler nicht angekommen.

Nachdem er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, wurde Kreisler eingezogen und war auch nach dem Krieg in Deutschland als Übersetzer tätig.

Kreisler verlor seine geographische und künstlerische Heimat sehr früh und schien nie wieder eine neue gefunden zu haben. USA, Österreich, Deutschland und wieder Österreich: Der Künstler zog von Stadt zu Stadt und Land zu Land, rastlos und ruhelos. Er sagte einst: „Die Kunst des Künstlers liegt darin, das zu finden, was er nie gesucht hat.“ Ob ihm das gelungen ist, weiß nur er selbst.

Gelungen ist auf jeden Fall den beiden Künstlerinnen auf der Bühne. Gespickt mit den berühmten und weniger bekannten Liedern des Kabarettisten wie „Taubenvergiften im Park“, „Als der Zirkus in Flammen stand“ und vielen mehr brachten die beiden Frauen ein berührendes Programm auf die Kammerbühne.

Satirisch und berührend

Atischeh Hannah Braun, seit ihrer Zeit am Ansbacher Theater bekannt und beliebt in der Stadt, schlüpfte dabei in die Rolle des großen Meisters und präsentierte die Chansons und die Lesung mit viel Emotionen und einer wunderbaren Aussprache. Jedes Wort der satirischen, sarkastischen, aber auch bewegenden und tiefgründigen Texte von Georg Kreisler drang bis ins Mark. Der selbst ernannte Anarchist nahm nie ein Blatt vor den Mund und hatte keine Angst vor schwarzem Humor. Damit kam er nicht bei jedem, bei jeder an, aber das war ihm egal. Ulrike Koch begleitete die Lieder gekonnt am Klavier und übernahm dazu die Rolle der Erzählerin.

Atischeh Hannah Braun und Ulrike Koch kreierten eine wunderbare und liebevolle Hommage an Georg Kreisler, die sein Leben und Wirken würdigte – und Hunger auf mehr machte mit Zitaten, wie „Denk ich an Gulasch in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“.

Präsentierten ein Georg-Kreisler-Programm: die Musikerin Ulrike Koch (links) und die Schauspielerin Atischeh Hannah Braun in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Christina Özbek)
Präsentierten ein Georg-Kreisler-Programm: die Musikerin Ulrike Koch (links) und die Schauspielerin Atischeh Hannah Braun in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Christina Özbek)
Präsentierten ein Georg-Kreisler-Programm: die Musikerin Ulrike Koch (links) und die Schauspielerin Atischeh Hannah Braun in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Christina Özbek)
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