Satte fünf Jahre ist es bereits her, dass die Pläne zum Baugebiet Weinberg-West erstmals öffentlich wurden. Nach langem Hin und Her gab der Stadtrat vor wenigen Wochen nun grünes Licht, doch die Voraussage ist vage, wann der erste Spatenstich erfolgt. Der Investor gibt sich offiziell zuversichtlich, dabei wird das Millionen-Projekt von vielen Fragezeichen begleitet.
Verkehr, Lärmschutz, Entwässerung – das waren bislang die größten Hürden in einem laut Stadtbaumeister Jochen Büschl „komplizierten planungsrechtliches Verfahren“. Zuletzt schienen alle Bedenken ausgeräumt. Mit der verkehrstechnischen Anbindung über eine Verlängerung der Bayreuther Straße bis an die Staatsstraße nach Rügland ist ein gordischer Knoten in dieser Angelegenheit gelöst – sofern der Freistaat der Kreuzungsvereinbarung zustimmt.
Auch in Sachen Lärmschutz für die neuen Häuser und die Entwässerung im Zeichen zunehmender Starkregenereignisse haben sich längst Lösungen gefunden, mit denen Anrainer, künftige Bewohner, die städtische Verwaltung und der Investor leben können. „Da haben wir was geschafft“, meinte Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) nach dem einstimmig erfolgten Votum des Stadtrates für den Bebauungsplan. Wie sich jetzt zeigt, könnte der Optimismus des Stadtoberhauptes allerdings etwas voreilig gewesen sein – obwohl die Stadt ihren Teil zum Gelingen des Projekts beigetragen hat.
Zum einen ist der Durchführungsvertrag mit dem Erlanger Bau-Mogul Sontowski & Partner noch nicht ratifiziert. Als Vorhabenträger des Investors treten die „S&P Homes Ansbach“ für das Wohngebiet und die „BayernCare GmbH“ für das für rund 100 Bewohner geplante Pflegeheim auf. Die Unterschrift unter den Vertrag gilt bei Sontowski als „eine Formalie“, wie der zuständige Projektentwickler Tim Christ gegenüber unserer Redaktion meinte.
Dabei beinhaltet das Papier doch einige Fallstricke. So verpflichtet sich der Investor, das Vorhaben spätestens fünf Jahre nach dem Inkrafttreten des Bebauungsplans fertigzustellen. Die Zeit läuft also.
Zudem ist in dem Vertrag der Aspekt „Bezahlbarer Wohnraum“ festgelegt. Demnach verpflichtet sich der Vorhabenträger, für neun der geplanten 34 Reihenhäuser eine Kaufpreis- oder Mietobergrenze einzuhalten. Es geht bei der Realisation des „Ansbacher Modells“ um die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum.
So soll es bei den betreffenden neun Reihenhäusern eine Preisobergrenze geben, die den Wert von 3500 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen darf. Alternativ müsste sich der Investor verpflichten, für 17 Jahre ab Bezugsfertigkeit eine Mietpreisbindung einzugehen.
Wer jedoch dieser Tage mit Bauträgern spricht, hört von mannigfaltigen Unwägbarkeiten, die sogar bereits projektierte Vorhaben gefährden oder gar zum Erliegen bringen. Stillstand auf Großbaustellen oder gar Insolvenzen sind erkennbare Auswirkungen. Auch bei Sontowski & Partner kann man sich einer negativen Entwicklung rund um die Branche nicht gänzlich entziehen.
„Aktuell ist alles sehr, sehr schwierig“, räumt auch Projektentwickler Tim Christ ein. Zwar haben sich einige Preise für Baumaterialien wieder auf das Vorkriegsniveau eingependelt, gleichwohl bleiben die gestiegenen Bau-Zinsen sowie die Inflation ein Hemmschuh. Für Investoren wie potenzielle Käufer. Das führt dazu, dass eigene Kosten für Vorhabenträger wie Sontowski & Partner nur schwer zu kalkulieren sind und dementsprechend auch der Verkaufspreis einer Variablen gleicht. Die Rentabilität ist in Gefahr. Minus zu machen, das will und kann sich kein Bauträger leisten. „Man ist vorsichtig, weil man es womöglich nicht verkauft bekommt“, sagt Christ.
Offiziell klingt das freilich deutlich netter. Die S&P Homes werde nun den Bauantrag einreichen, um die Baugenehmigung zu erhalten, ergab eine Nachfrage der FLZ. Zunächst müsse die Straße als Anbindung gebaut werden. Start dafür könne Anfang 2024 sein. Dazu „prüfen wir aktuell bereits verschiedene Angebote regionaler Bau-Unternehmen“. Ein genauer Zeitplan liegt entsprechend noch nicht vor. Der „wird erst nach Erhalt der Baugenehmigung und mit Vergabe der Bauleistungen konkret“.
In Sachen Pflegezentrum steht das Unternehmen laut eigenen Aussagen derzeit in Verhandlung mit einem Betriebsträger. Was zumindest einen logischen Vorgriff bedeuten würde. Denn: „Der Baubeginn ist für das kommende Jahr geplant.“