Eine recht gemischte Gruppe hat sich am Karsamstag getroffen. Die Bürgerinitiative „Etz langt’s!“ hatte in Ansbach wieder den Ostermarsch organisiert. Angesichts des Ukraine-Kriegs stand diesmal die Devise „Frieden statt Aufrüstung“ im Mittelpunkt. Die Barton Barracks der US-Armee indes will „Etz langt’s!“ zivil genutzt wissen.
Mandatsträger von Freien Wählern und ÖDP zum Beispiel fanden sich beim Ostermarsch 2023 genauso ein wie ein Mann, der eine Zeitung der DKP verteilte. Unterschiedlich waren gleichermaßen die Botschaften: Ein Plakat zeigte die Bibelworte „Schwerter zu Pflugscharen“, den Slogan der DDR-Friedensbewegung. Auf einem Banner etwa stand „Nein zum Krieg = Nein zur Nato“.
Der erste vollständige Ostermarsch seit 2019 umfasste eine Auftaktkundgebung auf dem Martin-Luther-Platz, einen Demonstrationszug zur Barton-Kaserne sowie den Abschluss am Tor hier.
„Ein Kriegsverbrecher im Kreml, der uns wahlweise als despotisch, verrückt oder unzurechenbar präsentiert wird, sitzt am Knopf des größten Atomwaffen-Arsenals der Welt“, betonte „Etz langt’s!“-Schriftführer und Pressesprecher Boris-André Meyer. Er ist auch Offene-Linke-Fraktionschef im Stadtrat.
Rüstungsfirmen nutzten die Stunde, um den Vernichtungsfaktor noch zu vervielfachen. Wie eine Schlafwandlerin taumle derweil eine planlose deutsche Außenpolitik den US- und polnischen Interessen hinterher, anstatt mit Frankreich als Friedensmittlerin für Ausgleich in Europa und ein schnellstmögliches Ende des Ukraine-Kriegs zu wirken.
„Bereits vor dem Ukraine-Konflikt“ habe das US-Militär das Rückgabeversprechen für die Barton-Kaserne gebrochen. Die Stadtspitze zeigte laut Boris-André Meyers Worten keinen Widerstand.
„Oder ist die Aufrüstung dem Oberbürgermeister sogar ganz recht, denn die zivile Umnutzung macht schließlich ein bisschen Arbeit?“ Manche jubelten jetzt über den 90-Millionen-Euro-Invest für noch mehr Waffen in Ansbach, und gleichzeitig verseuche der PFC-Giftcocktail aus den US-Kasernen das Grundwasser ungezügelt weiter.
Wolfgang Schmidt, „Etz langt’s!“-Vorstandssprecher, forderte den umgehenden „Beginn der Sanierung der Hauptverseuchung in Katterbach am alten Feuerlöschübungsplatz und eine Abstromsicherung“.
Waffen zu liefern, helfe gar nicht, „dass wir aus dieser katastrophalen Situation rauskommen“, sagte Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung. Untersuchungen zeigten, „dass gewaltfreier Widerstand gegen Invasoren und militärische Besatzung bei Weitem effektiver und erfolgreicher war“ als die militärischen Widerstände.
Hans Löhr, Pfarrer in Ruhe, fragte: „Könnte man die Toten noch einmal, fragen, ob sie nicht doch lieber leben würden, unter welchen politischen Verhältnissen auch immer, was würden sie wohl sagen?“
Singer-Songwriterin Ivana Schildbach und Günther Brendle-Behnisch, Pfarrer in Ruhe und ÖDP-Kreisrat, umrahmten mit Musik. Ivana Schildbach klagte über verzerrte Medienberichterstattung zu Anti-Kriegs-Veranstaltungen.
Als das Wort „Zeitenwende“ zuletzt „in politischen Zusammenhängen genannt wurde, das war vor 85 Jahren“, sagte Brendle-Behnisch. Ein Vergleich mit dem Dritten Reich liege ihm sehr fern, aber „dieses Wort, das muss man sich gut überlegen, was man da will“. Er will eine Wende für Klima und Umwelt.
Klaus Riedel zitierte Aussagen der verstorbenen Politikerin Dr. Antje Vollmer, etwa: „Gerade die Grünen, meine Partei, hatte einmal alle Schlüssel in der Hand zu einer wirklich neuen Ordnung einer gerechteren Welt.“ Boris-André Meyer schätzte über 200 Teilnehmer auf dem Martin-Luther-Platz und etwa 100 vor der Kaserne. Polizei-Dienstgruppenleiter Benjamin Schwendner schätzte rund 140 und um die 100 Menschen.
Ein Mann abseits der Teilnehmer forderte per Plakat den „Friedensnobelpreis für Wladimir Putin“ und „Grüne als Kanonenfutter an die Ostfront“ und spielte Tondokumente ab. Linken-Bezirksrat Uwe Schildbach hatte ihn schon vor Beginn angeherrscht: „Sie gehören nicht zu uns.“ Am Ende distanzierte sich überdies Boris-André Meyer von ihm.