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Veröffentlicht am 19.05.2023 16:35

Argumente für den Umstieg aufs Fahrrad

Ein Piktogramm und rote Farbe: Dieses Beispiel aus der Neustädter Karl-Eibl-Straße lobte Sebastian Haser, Radverkehrsbeauftragter des Landkreises, ausdrücklich. (Foto: Christa Frühwald)
Ein Piktogramm und rote Farbe: Dieses Beispiel aus der Neustädter Karl-Eibl-Straße lobte Sebastian Haser, Radverkehrsbeauftragter des Landkreises, ausdrücklich. (Foto: Christa Frühwald)
Ein Piktogramm und rote Farbe: Dieses Beispiel aus der Neustädter Karl-Eibl-Straße lobte Sebastian Haser, Radverkehrsbeauftragter des Landkreises, ausdrücklich. (Foto: Christa Frühwald)

Der Landkreis Neustadt a.d. Aisch/Bad Windsheim ist als fahrradfreundlich zertifiziert. Das ist für Sebastian Haser, Kreis-Radverkehrsbeauftragter, aber kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenteil: Denn noch gibt es Baustellen zu beheben, damit eine spätere Re-Zertifizierung problemlos klappt. Im Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt informierte er über weitere Schritte.

Hinter dem Label des „fahrradfreundlichen Landkreises“ steht die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK). Im Rahmen der Zertifizierung hatte diese verschiedene Verbesserungsmaßnahmen für die künftige Re-Zertifizierung vorgeschlagen. Denn der Landkreis befindet sich zwar auf einem guten Weg, wie im Ausschuss mehrfach betont wurde, perfekt sei aber noch längst nicht alles.

Radverkehrsführung steht im Fokus

Im Fokus steht vor allem die Radverkehrsführung. Besonders an Knotenpunkten und Einmündungen soll geschaut werden, ob alles bereits radfreundlich und sicher ist, und gegebenenfalls nachgebessert werden. Haser: „Um als Landkreis voranzugehen, sollen die Radverkehrsführung beziehungsweise die Vorfahrtsregelungen an unselbstständigen Radwegen, an gemeinsamen Geh- und Radwegen sowie an für Radverkehr freigegeben Gehwegen an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen überprüft und angepasst werden.“

Konkret geht es vor allem darum, fehlende Radwegefurten, Piktogramme und Rotmarkierungen entsprechend zu ergänzen oder zu erneuern, selbstverständlich im Zusammenspiel mit den für die jeweiligen Straßen zuständigen Behörden. „Der Landkreis soll an allen Stellen, an denen unsere Verkehrsbehörde direkt weisungsbefugt ist, eine fahrradfreundliche Verkehrsführung umsetzen“, betonte Haser – seine Vorbildfunktion also leben.

Das betreffe auch die Beschilderungen, vor allem in Sachen Vorfahrt. Der Radverkehrsbeauftragte übte im Ausschuss leise Kritik am bisherigen Vorgehen – denn in der Vergangenheit sei „oft im Sinne des Autofahrers entschieden“ worden. Um mehr Bürger vom Rad als Mobilitätsmittel der Wahl im Alltag zu überzeugen, soll die Vorfahrt klar ersichtlich sein – und zum Schutz und für die Aufmerksamkeit der Autofahrer die Maßnahmen farb- und piktrogrammstark begleitet werden, so Haser. Zudem appelliert er an Kommunen, es ebenso handzuhaben.

Das Stadtradeln geht in die nächste Runde

Die Aktion „Stadtradeln“ ist ein weiterer Baustein für das ambitionierte Umstiegsziel. Zum zweiten Mal nimmt der Landkreis an dieser Aktion teil, die heuer vom 11. Juni bis zum 1. Juli über die Bühne geht. Dann sind wieder alle aufgerufen, möglichst viele Wege klimafreundlich mit dem Rad zu erledigen und dabei Kilometer für ihr Team, ihre Kommune und mehr Radförderung zu sammeln. Gelebter Klimaschutz.

Einige Gemeinden, der Zweirad-Beauftragte nannte etwa Burghaslach und Neuhof, feiern Stadtradel-Premiere. Haser: „Natürlich können Bürgerinnen und Bürger aus nichtteilnehmenden Landkreiskommunen ebenfalls teilnehmen – einfach direkt für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim anmelden. Zusätzlich sind im gleichen Zeitraum alle teilnahmeberechtigten Schulen eingeladen, am Schulradeln teilzunehmen und die fahrradaktivste Schule oder Klasse zu ermitteln.“

Aber nicht nur der Spaß stehe im Vordergrund, sagte Haser. Über die Smartphone-App würden „wichtige Radverkehrsdaten“ erhoben, die anonymisiert ausgewertet werden. „So werden zum Beispiel Daten zur Streckenwahl, zum Radverkehrsaufkommen und zu Geschwindigkeiten erhoben, die beim Ausbau und bei der Verbesserung der Radinfrastruktur wertvolle Informationen liefern.“

Aus ähnlichem Grund wird zudem im hiesigen Landkreis eine Fahrrad-Zählstelle installiert. In den Asphalt werden Induktionsschleifen verlegt. Diese erfassen die Anzahl der Fahrräder sowie deren Fahrtrichtung. Die Daten werden laut Haser online öffentlich zugänglich gemacht. „Geplanter Standort der Anlage ist in der Nähe der Walkmühle am Stadtrand von Bad Windsheim, ein wichtiger Zubringer für Alltagsradler und ebenso Teil des touristischen Aischtalradwegs“, heißt es hierzu in den Sitzungsunterlagen.

Eine Zählstelle für wertvolle Daten

Noch in diesem Jahr soll die Zählstelle angebracht werden, 8500 Euro wird sie kosten, 5500 Euro Fördermittel erwartet man vom Freistaat – dank des Fahrradfreundlich-Zertifikats. Derzeit werden nur stationäre Exemplare gefördert, so Haser, keine mobilen. „Der Freistaat will erst einmal ein Basisnetz aufbauen.“

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