Gefährliche Strecke an der A6 bei Petersaurach: Radweg auf Brücke wäre zu teuer | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.01.2026 17:00

Gefährliche Strecke an der A6 bei Petersaurach: Radweg auf Brücke wäre zu teuer

Die Kreisstraße 19 auf der Autobahnbrücke zwischen Petersaurach und Altendettelsau ist nicht sicher für den Radverkehr. (Foto: Luca Paul)
Die Kreisstraße 19 auf der Autobahnbrücke zwischen Petersaurach und Altendettelsau ist nicht sicher für den Radverkehr. (Foto: Luca Paul)
Die Kreisstraße 19 auf der Autobahnbrücke zwischen Petersaurach und Altendettelsau ist nicht sicher für den Radverkehr. (Foto: Luca Paul)

Lieber mit dem Fahrrad über die stark befahrene Kreisstraße fahren oder durch den dunklen Wald? Wer von Petersaurach in Richtung Neuendettelsau will, hat die Qual der Wahl. Die Ersatzbrücke, die künftig über die A6 führt, soll breiter werden und einen Fahrradweg erhalten. Das fordert der Gemeinderat. Doch es fehlt das Geld.

Für Empörung in Petersaurach sorgte abermals der sechsspurige Ausbau der Autobahn A6 im Landkreis Ansbach. Konkret: der damit einhergehende Ersatzneubau der Brücke zwischen Petersaurach und Altendettelsau. Im Jahr 2019 diskutierte der Gemeinderat bereits darüber, ob es einen Fahrradweg auf der neuen Brücke geben soll.

„Weil die Folgekosten seinerzeit schon absehbar waren”, stimmte der Großteil dagegen, erinnerte Bürgermeister Herbert Albrecht (CSU) in der Sitzung. Zum Bedauern der Altendettelsauer, die seinerzeit sogar mit Bannern auf die Gefahren im Verkehr aufmerksam machten. Seither hat sich nicht viel getan. Außer im Bereich der Kosten: die sind explodiert.

Umweg durch den düsteren Wald

„Altendettelsau ist abgeschieden durch die Autobahn”, sagt Ortssprecher Franz Hausmann im Gespräch. Wer von Petersaurach kommend mit dem Fahrrad in den Ortsteil fahren möchte, muss entweder ein Risiko eingehen, oder einen Umweg in Kauf nehmen. Die Kreisstraße 19, die aktuell mit einer Brücke über die A6 führt, ist eine „sehr schlecht befahrbare Straße”, kurvig, sehr holprig und im Brückenbereich recht schmal. Aber der direkte Weg. Deshalb wird die Strecke regelmäßig von Radlern genutzt, weiß der 28-Jährige.

Weil Autofahrer dort regelrecht rasen, ist sie sehr gefährlich, wie er deutlich macht. Brenzlige Situationen hätte es schon öfter gegeben. Deshalb pocht die Bevölkerung schon seit etwa 15 Jahren darauf, dass ein Fahrradweg geschaffen wird.

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Weil die Mittelschule in Petersaurach mittlerweile geschlossen ist, müssen die Kinder und Jugendlichen nach Neuendettelsau zum Unterricht. Viele Eltern wollen nicht, dass sie mit dem Rad auf der Kreisstraße unterwegs sind, erzählt Hausmann. Deshalb schicken sie die Kinder durch den Wald – der dreckig, dunkel und nass ist. „Ab Nachmittag um 14 Uhr sieht man oft nicht mehr viel.” Laternen gibt es an dem Flurweg keine.

Eine bestehende Unterführung nach Altendettelsau sei auch keine gute Alternative. „Das sind landwirtschaftliche Wege und nicht bestens ausgebaut”, so der Ortssprecher von Altendettelsau. Deshalb sei es wichtig, dass ein Fahrradweg entlang der Kreisstraße 19 und vor allem auf der Brücke gebaut wird.

Mehr als drei Millionen Euro

Das Problem dabei: Die Gemeinde Petersaurach kann es sich nicht leisten. Die Kosten für die Verbreiterung der geplanten Brücke liegen bei 3,7 Millionen Euro. Vor sechs Jahren, als das Thema schon einmal zur Sprache kam, stand ein kommunaler Anteil von etwa 300.000 Euro im Raum, erinnerte Bürgermeister Herbert Albrecht in der Sitzung. Jetzt sind es etwa 1,2 Millionen Euro. „Bei der ursprünglichen Kostenschätzung war ein wesentlicher Punkt nicht dabei.”

Die Baukosten seien wohl auch immens gestiegen. Vor wenigen Wochen gab die Gemeinde Neuendettelsau bekannt, sich mit 250.000 Euro zu beteiligen. Hausmann: „Sie haben auch begriffen, wie wichtig der Radweg wäre”. Bleibt immer noch eine Million Euro, die an Petersaurach hängen blieben.

„In dem Moment, in dem wir einen Fahrradweg möchten, wird dann auch die AN19 normgerecht gebaut”, ergänzt der Rathauschef. Auch das sei in den Kosten von 3,7 Millionen eingerechnet. Der Bau des Radwegs selber kostet extra. „Dafür ist eine Million sicherlich auch leicht verbraucht”, mutmaßt Albrecht. Außerdem müsste dieser innerhalb von drei Jahren entstehen und von der Brücke bis zum Ortsschild von Altendettelsau verlaufen. Ansonsten gibt es keine Förderung. Zweiter Bürgermeister Daniel Mogge (CSU) ergänzte in der Sitzung: „Das kann man in keinster Weise vertreten.” Die finanziellen Schwierigkeiten können nicht immer die Ausrede der Kommune sein, findet Hausmann.

Für Bürgermeister Albrecht steht fest, dass erst einmal die Pflichtaufgaben in der Gemeinde gestemmt werden müssen. Dabei handle es sich in den nächsten Jahren um Millionenbeträge. „Deshalb müssen wir klare Prioritäten setzen.” Der Bau eines Radwegs entlang der Bundesstraße 14 von Ansbach nach Heilsbronn ist eine dieser Prioritäten. Denn das ist die „Hauptfahrradlinie”.

Fühlen sich im Stich gelassen

Einig sind sich die Gemeinderatsmitglieder darüber, dass der Bund die Kommune besser unterstützen müsse. Schließlich werden Radwegekonzepte erstellt und die Verkehrswende gefordert. Petersaurach werde dann aber im Stich gelassen, hieß es in der Sitzung. Die Gemeinderatsmitglieder sind enttäuscht und verärgert. Für einige ist das ein emotionales Thema, weiß der Bürgermeister.

Er wird der Forderung nachgehen, Politiker auf Bundesebene und Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu kontaktieren – das hat der Ortssprecher von Altendettelsau selbst bereits gemacht. Auch wenn sich Albrecht sicher ist, dass „die Sache im Prinzip entscheidungsreif ist”. Und es für seine Gemeinde vermutlich schon zu spät ist.

Bis zum 31. Januar muss die Kommune ihre Entscheidung bekanntgeben. In der nächsten Sitzung stimmt der Gemeinderat erneut ab.

Ansonsten wird die neue Brücke fast genauso gebaut, wie die alte. Sie wird zwar länger, aber die Fahrbahn nicht breiter und steht weiter in Richtung Westen. Die Kosten trägt dann vollständig die Autobahn GmbH des Bundes. Für einen Fahrradweg fehlt dann der Platz. Dann „ist das Projekt für die nächsten 80 Jahre gestorben”, da ist sich Franz Hausmann sicher. „Vielleicht kramen wir auch noch einmal unsere Banner raus.”


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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